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André Werner :: Marlowe: Der Jude von Malta [2002]

Die Kammeroper von André Werner basiert auf dem Stück »The Jew of Malta« des englischen Dramatikers Christopher Marlowe von 1594. Das historische Drama spielt zur Zeit des Osmanischen Reiches auf Malta und thematisiert auf der übergeordneten Ebene den Religionskrieg zwischen den türkischen Moslems und den spanischen Christen, und auf der Ebene des Einzelschicksals einen tragisch endenden Konflikt zwischen dem Gouverneur von Malta und dem wohlhabenden jüdischen Kaufmann Barabbas, der auf Befehl des Gouverneurs zwangsenteignet wird, als die Stadt die hohen Tribute an die türkischen Herrscher nicht entrichten kann.

André Werners Libretto, das auf der deutschen Übersetzung des Marloweschen Stückes von Eduard von Bülow basiert, strukturiert die narrative Dramaturgie neu: Der Prolog wird in der Interpretation Werners von dem florentinischen Politiker und Philosophen Machiavelli gesprochen. Die ursprüngliche Anordnung der Szenen des Spiels wurde zugunsten einer nichtlinearen Erzählstruktur aufgegeben. Es besteht keine Zuordnung von Stimmen bzw. Rollen - die Darsteller tragen neutrale, einfarbige Kostüme und die Identitätszuweisung erfolgt erst durch eine Projektion auf das entsprechende Kostüm.

Die virtuelle Architektur des Bühnenbildes wurde unter Einsatz eines interaktiven Modellierungs- und Animationssystems für interaktive Installationen und Performances, das am Institut für Bildmedien zwischen 1999 und 2003 entwickelt wurde, realisiert. Das Institut leistete einen essentiellen Beitrag bei der Implementierung der Technik für eine virtuelle Topographie der Bühne, die stets veränderte, in Echtzeit generierte Architekturansichten darbot. Der Aufbau des experimentellen Bühnenbildes, das aus sechs unterschiedlich großen, in der Tiefe gestaffelt aufgestellten Leinwänden bestand, inspirierte das räumliche Vorstellungsvermögen des Publikums. Die Handbewegungen der Hauptfigur Machiavellis, die sich in einem definierten Bereich der Bühne auf einem Podest aufhielt, wurden von einer Infrarot-Kamera erfasst und an die speziell konfigurierte und mit drei Projektoren verbundene Hardware übermittelt. Die interaktive Projektion des Bühnenbildes folgte den Bewegungen und unterstützte die Narration Machiavellis. Die Kostümprojektionen wurden durch ein von André Bernhardt entwickeltes Videotracking-System realisiert, das die Position der Darsteller auf der Bühne über vier Infrarot-Kameras erfasste und mittels zweier Projektoren die dreidimensionalen, vordefinierten Texturen auf die weißen Kostüme übertrug.

Gattung
Kammeroper nach Christopher Marlowe

Oper
mit virtuellem/ interaktivem Bühnenbild und Kostümprojektion

Credits
Musik und Libretto: André Werner
Musikalische Leitung: Rüdiger Bohn
Regie: Stefan Herheim
Bühne und Kostüme: Jan A. Schroeder

Virtueller Bühnenraum, interaktives Bühnenbild und Kostümprojektion:
ESG Extended Stage Group: André Bernhardt, Andreas Kratky, Nils Krüger, Bernd Lintermann, Joachim Sauter, Jan A. Schroeder, André Werner

Realisation: Büro Staubach, Berlin
unter Beteiligung des ZKM | Institut für Bildmedien
Gesamtleitung: Nils Krüger, Büro Staubach, Berlin
Konzept und Gestaltung: ESG

Entwicklung der Kostümprojektionen: André Bernhardt
Entwicklung der virtuellen Architektur: Bernd Lintermann (ZKM | Institut für Bildmedien)
Entwicklung des Machiavelli-Trackingsystem: Axel Schmidt
Texture-Design: Andreas Kratky

Ein Auftragswerk der Landeshauptstadt München, der GEMA-Stiftung und der Franz-Grothe-Stiftung

Produktion:
Münchener Biennale in Zusammenarbeit mit dem Büro Staubach Berlin, der ART+COM Medientechnologie und Gestaltung AG Berlin, mit freundlicher Unterstützung von Simon Penny, Jamieson Schulte und dem Elektronischen Studio der Technischen Universität Berlin. Gefördert aus Mitteln des Bayerischen Theaterpreises 2000.

Erstaufführung
Uraufführung: 27.04.2002, »Münchener Biennale 2002«, Muffathalle, München [D]

Dauer
75 Min.

Hardware
Virtuelles Bühnenbild/ Kostümprojektionen:

Bühnenprojektion:
· 6 Projektionsleinwände
· 3 Videoprojektoren
· 3 PC [Betriebssystem Linux]
PAPERS Low Latency Synchronisationsboard

Kostümprojektion:
· 2 PC [Betriebssystem Linux]
· 4 Videokameras
· 2 Projektoren

Videotracking für Interaktion:
· 1 PC [Betriebssystem Linux]
· 1 Videokamera

Software
Virtuelles Bühnenbild/ Kostümprojektionen:

- > MTK
eigens entwickelte Videotracking-Software für Kostümprojektion
eigens entwickelte Videotracking-Software für Interaktion

Abteilung
· Institut für Bildmedien

Auszeichnungen
2004
Prox Ars Electronica: Anerkennung in der Kategorie »Interkative Kunst«

Präsentationen [Auswahl]

Uraufführung: 27.04.2002, »Münchener Biennale 2002«, Muffathalle, München [D]

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Abbildung: »Aufführung mit interaktiven Bühnenbild und Kostümprojektion« Foto/ ©: Regine Koerner

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