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Edmund Kuppel :: Le Départ [1999]

*_Der Film beginnt mit dem Satz von Seneca: »Die erste Stunde, die uns das Leben gab, nahm uns des Lebens erste Stunde«, zitiert nach Michel de Montaigne im XX. Kapitel der »Essais«: Philosophieren heißt sterben lernen.
Die Lebens- bzw. Sterbegeschichte einer Frau, die 6 Jahre nach einer erfolgreichen Herztransplantation dem Krebs erliegt, bildet die Grundlage des Films. Als Leitmotiv dient das Ablegemanöver eines großen Fährschiffes, das im alten Hafen von Dieppe um 180 Grad auf der Stelle dreht. Die Drehbewegung, die in der Aufsicht an den Zeiger einer Uhr erinnert, vollzieht sich sehr langsam, in der Anfangsphase kaum wahrnehmbar.
Während das Dieseln der Schiffsmotoren permanent wie ein Ostinato zu hören ist, wird die blaß blau verfremdete Bildfolge des Ablegemanövers ca. alle 7 Sekunden von realistisch gefilmten Sequenzen unterbrochen. Es handelt sich um Erinnerungsfetzen anhand von Briefen und Fotos, vor allem jedoch von inszenierten Alltäglichkeiten, die jeder ein Leben lang tagtäglich tut - vom Abwaschen bis zum Zähneputzen.
Diese teils harten, teils fließenden Einblendungen spiegeln sowohl Stationen im Leben einer Person, die nicht mehr am Leben ist, als auch Situationen des Sich-Ihrer-Erinnerns derer, die noch am Leben sind.
Die Bilder sind nicht immer eindeutig und ausschließlich einer Ebene zugeordnet, so wie wir auch nicht genau sagen können, ob wir leben oder sterben - wir tun es gleichzeitig.
Edmund Kuppel ][
Abteilung:
· Institut für Musik und Akustik
in Kooperation mit:
· Institut für Bildmedien
Credits:
· Konzept und Realisation: Edmund Kuppel
· Ausführung: Edmund Kuppel
Gattung:
· Video

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