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Michael Schmid/Thomas Beth/Jörn Müller-Quade :: Laser-Film [2000]

*_Als Prototyp einer zukunftsweisenden Bildtechnologie erweitert Laserfilm die Möglichkeiten des herkömmlichen Films nicht nur in technologischer, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht. Zugrunde liegt der Installation die Absicht, eine neue technologische Errungenschaft aus dem Bereich der Optik (diffraktive Elemente) auf das Medium Film anzuwenden.

Die gewöhnliche Abbildungstechnik des Zelluloidfilms zieht, um bewegte Bilder zu erzeugen, eine lange Reihe von Einzelbildern an einer Lichtquelle vorbei. Hierbei entsteht ohne die Verwendung weiterer technischer Hilfsmittel nur eine undeutliche und verschwommene/unscharfe Projektion. Um ein klares, definitives Bild zu erzeugen, benötigt man zusätzlich noch einen Shutter, bzw. eine Blende, der dafür sorgt, dass ein Einzelbild des Films nur dann durchleuchtet wird, wenn es sich in einer zentrierten Ruheposition befindet und das sogenannte Malteserkreuz, das das Öffnen und Schließen der Blende mit dem ruckweise erfolgenden Weitertransport des Films synchronisiert. Der einfache optische Aufbau des Laserfilms hingegen, bestehend nur aus dem Bildträger und einem Laser als Lichtquelle, ermöglicht eine direkte Projektion ohne die Verwendung weiterer technischer Hilfsmittel (Malteserkreuz, Blende). Der Film ist auf einer runden Glasplatte in der Mitte eines frei unter der Decke schwebenden Pendels angebracht. Er besteht aus einem sogenannten diffraktiven Element, winzigen Quadraten von einem Tausendstel Millimeter Kantenlänge, die in Jena mit modernsten industriellen Herstellungsverfahren in eine Glasplatte eingeätzt wurden. Der Betrachter kann den Film "abspielen", indem er das Pendel bewegt und verschiedene Ausschnitte der Glasplatte mit dem an der Decke befestigten Laser durchleuchtet. Die auf den Boden fallende Projektion beruht auf dem optischen Prinzip der Streuung, also der Beugung des Lichtes, nicht, wie bei gewöhnlichen Linsen, auf seiner Brechung. Die je nach Geschwindigkeit der Pendelbewegung schnell oder langsam aufeinander folgenden Einzelbilder des Films blenden nahtlos (shutterlos) ineinander über, da sich das von gebeugtem Licht erzeugte Bild nicht verschiebt, wenn man den Bildträger bewegt. Auf der Glasplatte erkennt man mit bloßem Auge nur eine raue Oberfläche, auch bei näherer Betrachtung ergeben die verschiedenen Glasdicken der geätzten Fläche ein nur zufällig erscheinendes Muster. Werden sie jedoch vom Laser durchleuchtet sorgen die Strukturen für die unterschiedlichen Beugung des Lichts. Das gewünschte Bild entsteht erst in der Projektion und befindet sich nicht schon als Mikro-Version auf dem Bildträger.

Das dargestellte Motiv, eine Kreation von Michael Schmid, zeigt die Buchstaben O, P, T, I und K (Optik!), dazu einen Mund, der die verschiedenen Laute formt. Durch die freie Bewegung der Glasplatte kann die Bildabfolge in unterschiedliche Richtungen ablaufen. Die Erzählstruktur wird vom Betrachter bestimmt, sie ist durch das neue Bildmedium nicht vorgegeben. Die Linearität der Erzählung des Zelluloid-Films ist somit aufgehoben. Durch den Einsatz einer neuen, dem Film bisher völlig fremden Technologie, zeigt der Laserfilm die Möglichkeit unterschiedlicher inhaltlicher Entwicklungen innerhalb eines Filmes auf. Die künstlerische Phantasie ist von den Beschränkungen einer festgelegten, linearen Erzählung befreit und kann sich zukünftig frei entfalten. Es erfordert jedoch ebenso die aktive Teilnahme des Publikums, das sich nach Belieben in dem wie ein Netz strukturierten Film bewegen kann und somit aus seiner passiven Betrachter Rolle gerissen wird.

Die Installation Laserfilm entstand Dank der künstlerischen Unterstützung von Janka Reh, der technischen und gestalterischen Hilfe von Markus Graf und Stefan Kölmel, der Technologie der IAP Jena und der finanziellen Unterstützung des Instituts für Algorithmen und Kognitive Systeme der Universität Karlsruhe. ][

Abteilung:
· Medienmuseum
Credits:
· Künstlerische Unterstützung: Janka Reh
· Ideen: Jörn Müller-Quade
· Technische und gestalterische Hilfe: Markus Graf und Stefan Kölmel
· Herstellung des diffraktiven Elements: IAP Jena
· Finanzielle Unterstützung: Institut für Algorithmen und Kognitive Systeme [Leitung: Thomas Beth]
Gattung:
· Interaktive Skulptur
Hardware:
· Laser Melles Griot 25LHP171
· Laser-Optik
· Podest Holz/Edelstahl, Laser-Aufhängung
· Einschaltverzögerung
· Lithografie
Linkempfehlung:
· Ausstellung Future Cinema

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