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ZKM_Veranstaltungsreihen

Freiheit durch Überwachung?

22.11.2001 08.02.2002
Vortragsreihe, Podiumsdiskussion

Begleitprogramm zur Ausstellung
CTRL [SPACE]. Rhetorik der Überwachung von Bentham bis Big Brother
[13. Oktober 2001 - 24. Februar 2002| ZKM, Lichthöfe 8 u.9]

*_In der hochrangig besetzten Vortragsreihe zur Ausstellung CTRL [SPACE] im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe benennen namhafte Experten die weitreichenden Möglichkeiten der globalen Datenüberwachung im Privatleben, im Wirtschaftsleben und bei der militärischen Kontrolle. In der geplanten Podiumsdiskussion hinterfragen Philosophen und Kommunikationswissenschaftler die ethischen Grundprinzipien der vernetzten panoptischen Gesellschaft. ][

° Termine ::

· 22.11.2001::
Screenshow, Erich Moechel, Journalist ORF FuturZone
Big Brother by Design - Überwachungsschnittstellen in der Telekommunikation
[20 Uhr, ZKM_Vortragssaal]

· 13.12.2001 ::
Vortrag, Andy Müller-Maguhn, Europadirektor ICANN
[20 Uhr, ZKM_Medientheater] :: [Video-Stream]

· 18.01.2002 ::
Podiumsdiskussion: »Internet - Ende der Aufklärung?«, Teilnehmer u.a. Rafael Capurro [ICIE], Wolfgang Coy [Humboldt-Universität, Berlin
[20 Uhr, ZKM_Medientheater]

· 07.02.2002 ::
Vortrag, Jörg Tauss, MdB [SPD]
[20 Uhr, ZKM_Medientheater]

· 08.02.2002 ::
Vortrag, Paul N. Edwards, Informationswissenschaftler
»Slipping through the Web: Computers and U.S. Global Power from the Cold War to September 11, 2001«
[20 Uhr, ZKM_Medientheater, in englischer Sprache]

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° Informationen zu den Referenten ::

Erich Moechel
ist Chefredakteur des Online-Magazins ORF FutureZone und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit den umfassenden europäischen Überwachungsplänen, die zunächst unter dem Namen Enfopol bekannt wurden und heute im Rahmen des European Telecom Standards Institute [ETSI] gewissermaßen in technischer Verkleidung weiterverfolgt werden. Moechel wird in einer Screenshow einen Überblick über seine aktuellen Recherchen geben.
[- >»Überwachungsschnittstellen in der Telekommunikation - Big Brother by Design«].

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Andy Müller-Maguhn
gelangte zu Bekanntheit, als er - als Mitglied des Chaos Computer Club - bei der ICANN-Wahl von der internationalen User-Community zu deren Vertreter im ICANN gewählt wurde. Müller-Maguhn wird einen interessanten Einblick in die Welt der Internet-Standards und -Protokolle im Spannungsfeld zwischen Administration und Hackerethik vermitteln und dabei insbesondere auf die Frage eingehen, wie sich Nutzung und Entwicklung des Internet in Krisenzeiten verändern.

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Die Teilnehmer der Runde »Internet - Ende der Aufklärung?« werden aus ethischer und informationstheoretischer Sicht auf die grundlegenden Veränderungen eingehen, die sich aus der weltweiten Vernetzung für die Gewinnung, die Speicherung und die Distribution von Wissen ergeben. Was wollen wir [wirklich] wissen? Wem gehört das Wissen? Welche Rolle soll das Internet spielen? Bio-Ethik, also Fragen zu Gentechnik und Stammzellenforschung werden ebenso zu Debatte gestellt wie die Überwachungsproblematik im Spannungsfeld zwischen Sicherheitsbedürfnis und verfassungsmäßigen Bürgerrechten. Die Doppelbedeutung des Wortes Aufklärung markiert treffend das janusköpfige Ideal der Allwissenheit, das uns noch lange beschäftigen wird.
Die Teilnehmer sind Rafael Capurro [Universität Stuttgart, FH Stuttgart], Wolfgang Coy [Humboldt-Universität zu Berlin], Petra Grimm [FH Stuttgart], Thomas Hausmanninger [Universität Augsburg]. Alle Teilnehmer sind Mitglieder des von Capurro gegründeten International Center for Information Ethics [ICIE], einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die auf dem Feld der Informationsethik Pionierarbeit leisten.
Als Website beheimatet ist das ICIE am ZKM: http://icie.zkm.de

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Jörg Tauss ist der Internetexperte der SPD. Als Beauftragter für Neue Medien und Vorsitzender des Unterausschusses Neue Medien beschäftigt er sich auch mit den neuesten Möglichkeiten eines »Datenschutzes durch Technik«. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten plädiert Tauss für die Förderung und Anreizbildung für Selbstschutz, Systemdatenschutz und datenschutzfreundliche Technikgestaltung. Solche Schutzmaßnahmen gegen informations- und kommunikationstechnische Sicherheitsrisiken bedürfen jedoch rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen. Ein neuer, auf die Bedingungen der modernsten Techniken zugeschnittener Datenschutz verspricht laut Tauss das Bestimmungsdickicht der gegenwärtigen Rechtssituation zu lichten und IT-Sicherheit in die neuen Informations- und Kommunikations-technologien zu erhöhen.
- > Homepage v. Jörg Tauss

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Der Informationswissenschaftler Paul N. Edwards ist Autor des Buches »The Closed World« [MIT-Press], das die Entwicklung der digitalen Computertechnologie im Kontext der Rhetorik des Kalten Kriegs nachzeichnet. Nach Edwards steht der digitale Computer bereits im Moment seiner Entstehung in einem engen Wechselverhältnis mit den Bedürfnissen nach zentralen Kontroll- und Kommandostrukturen, die einen finalen Konflikt zwischen freier und kommunistischer Welt erst technisch ermöglichen und so rhetorisch plausibel machen sollten. Ewards wird in seinem Vortrag der Frage nachgehen, inwiefern auch der »Kampf gegen den Terrorismus« von solchen Bedingungsverhältnissen zwischen Diskurs und Technologie gekennzeichnet ist, die sich nun möglicherweise nicht mehr in erster Linie auf das Schlachtfeld, sondern auf die heimische informierte Gesellschaft beziehen. [Vortrag in englischer Sprache]
- > Homepage v. Paul N. Edwards

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