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"Das neue Menschenbild. Zur Konstruktion des Humanen"
Podiumsdiskussion


mit Alain Finkielkraut, Michel Houellebecq, Peter Sloterdijk, Peter Weibel


03.05.2000 :: 20 Uhr :: ZKM-Medientheater :: Eintritt: DM 10/5

"Über Jahrhunderte hinweg war der Körper ein Theater der Anatomie, Virologie, Immunologie, molekularer Medizin und insbesondere der Gentechnologie – der menschliche Körper wurde in eine thermodynamische Fabrik verwandelt. Die Wissenschaft vom Menschen wurde zu einer Mauer, deren Bausteine durch den medizinischen Fortschritt umgewandelt und erneuert worden sind. Was bei diesem Umbau der Fundamente des Menschenbildes ins Schwanken geriet, ist die Wahrnehmung eines spezifischen Weltbildes, nämlich des Humanismus. Die Diskussion soll auf der Grundlage neuer medizinischer Forschungsergebnisse neue Perspektiven für die Wissenschaft vom Menschen eröffnen." (Peter Weibel)

Alain Finkielkraut, Jahrgang 1949, studierte Philosophie an der Ecole Normale Supérieure in Saint-Cloud. Er ist Professor an der Ecole Polytechnique und moderiert seit 1985 die Sendung "Répliques" des Senders "France Culture". Seit 1987 veröffentlicht er die Zeitschrift "Le Messager Européen". - Neben Pascal Bruckner, André Glucksmann und Pierre Henri-Levy ist Alain Finkielkraut auch hierzulande als ‚nouveau philosophe‘ bekannt geworden. Die ‚neuen Philosophen‘ erhoben in den 80er Jahren Einspruch gegen die Faszination totalitärer Utopien und gegen die Popularität des Marxismus in Frankreich. Wie Bruckner und Glucksmann greift Finkielkraut in seinen Schriften in die aktuellen politischen, kulturellen und moralischen Auseinandersetzungen ein. Als Hauptwerke sind "Die neue Liebesordnung", "Die Weisheit der Liebe" und "Die Niederlage des Denkens", sowie "Verlust der Menschlichkeit" zu nennen.

Michel Houellebecq wurde 1958 in La Réunion geboren. Er studierte Agrarwirtschaft und arbeitete als Informatiker für die französische Nationalversammlung. Zunächst veröffentlichte er einige Gedichtbände. 1991 erschien sein erster Roman "Ausweitung der Kampfzone". Sein zweiter Roman "Elementarteilchen", der 1998 veröffentlicht wurde und für den Houellebecq den ‚Prix Novembre‘ erhielt, wurde zum Bestseller. Mit der Präzision eines Wissenschaftlers seziert Houellebecq darin die westliche Gesellschaft, ihre Kälte, Menschenverachtung und Liebesunfähigkeit. Der Roman löste in Frankreich einen Skandal aus, spaltete die Kritiker und entfachte eine heftige Kulturdebatte.

Peter Sloterdijk, 1947 in Karlsruhe geboren, studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte an den Universitäten München und Hamburg. Aufsehen erregte er erstmals mit seiner 1983 erschienenen "Kritik der zynischen Vernunft", die zu den meistverkauften philosophischen Büchern dieses Jahrhunderts zählt. Seit 1992 lehrt Sloterdijk an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung Philosophie. Jüngst erschienene Werke Sloterdijks sind "Sphären I. Blasen" und "Sphären II. Globen". Sein 1999 im oberbayerischen Elmau gehaltener Vortrag "Regeln für den Menschenpark" löste eine öffentliche Debatte über Eugenik und pränatale Selektion aus.

Peter Weibel, 1944 in Odessa geboren, studierte Medizin, Literatur, Film, Philosophie und Mathematik (Modallogik) in Wien und Paris. Neben seinen Tätigkeiten als Künstler und Kurator machten ihn seine Schriften zur Kunst- und Medientheorie international bekannt. Weibel lehrte an zahlreichen Hochschulen in Österreich, Deutschland und den USA und gründete 1989 das Institut für Neue Medien in Frankfurt/Main. Der langjährige künstlerische Leiter der Ars Electronica in Linz, der mehrfach den österreichischen Beitrag zur Biennale von Venedig kuratierte leitet seit Januar 1999 das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung "Der anagrammatische Körper" statt.

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