Studiobericht 1 :: Cosmic Memos

ZKM_Institut für Musik und Akustik

CosmicMemos - ein Hörstück von HCD

Auschnitte aus sechs Kapiteln der Produktion (Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit, Vielschichtigkeit, Konsistenz) mit Beispielen zu den einzelnen Elementen der Komposition: Elektroakustische Klangbearbeitung, Gesang, Sprecherstimme, Instrumentalmusik.

CosmicMemos - eine Auseinandersetzung mit Italo Calvino

Italo Calvino verfaßte 1985-86 fünf Poetik-Vorlesungen mit dem Titel »Six Memos for the Next Millenium« für die Charles Eliot Norton Lectures in Harvard. In seinem Entwurf stellt er die Frage nach einer nicht mehr subjektgebundenen Sprache für die Zukunft. Das abschließende sechste Kapitel (»Consistency«) wurde nie vollendet - Calvino kam 1985 auf dem Weg nach Harvard, wo er diese letzte Vorlesung schreiben wollte, ums Leben. So endet die Abhandlung mit einer Leerstelle und bietet damit, folgt man der inneren Logik des Textes, einen unbesetzten Gestaltungsraum an.

CosmicMemos eine intermediale Komposition

Aus der Beschäftigung von HCD mit den Überlegungen Calvinos ging »Six Memos for the Next Millenium« hervor, ein inszeniertes Hörstück für sechs Instrumentalisten, zwei Schauspieler, Gesang, Videoinstallation, eine Tonbandstimme und Elektronik. Die Uraufführung fand im Herbst 1999 in Berlin statt, im Rahmen des Festivals »intermedium1 Hörspiel und Medienkunst« und wurde am 19.11.1999 in hr2, Bayern2 Radio, Radio Bremen 2 live übertragen.

In sechs Bildern greift HCD die collagenhafte Struktur der Vorlage auf: In der Partitur werden Überlagerungen von Gesang, Sprecherstimme, Zuspielbändern und Instrumentalmusik festgelegt und durch Freiräume zur Improvisation ergänzt. Die Inszenierung umfaßt neben vorskizzierten Aktionen der Instrumentalisten und Schauspieler eine szenische Gliederung durch einfache Lichtwechsel.


Der "inszenierten Hörraum" wird durch eine visuelles Element erweitert : Als Leinwandprojektion ist im Bühnenhintergrund eine Videoband des Konzeptkünstler Ottmar Hörl zu sehen. Aufnahmen mit bewegter und sich drehender Kamera zeigen abstrahierte Landschaftsbilder. Der Schnittrhythmus montierter Stills wurde für HCD ein wichtiger Ausgangspunkt zur Gestaltung der musikalischen Sequenzen.

CosmicMemos - Produktion

Die Produktion für »intermedium1« begann im August 1999 in den Studios des ZKM Institut für Musik und Akustik mit Sprach- und Gesangsaufnahmen. Die sich anschließenden Instrumentaleinspielungen dienten als Grundlage für die Aufnahme der Gesangssampler für die Aufführung. An die Fertigstellung der Schnittfassung im September schlossen sich im November Proben im ZKM für die Aufführung in Berlin an.

Im März und April 2000 wurde am ZKM das Hörstück »CosmicMemos« aufgenommen. Diese Arbeitsphase bedeutete für HCD die Weiterentwicklung der bisherigen Herangehensweise an die Thematik, für die das live-Hörstück »Six Memos for the Next Millenium« stand. Ausgangsmaterial für den veränderten Umgang mit den akustischen Elementen, der zu einer neuen, eigenständigen Arbeit führte, waren die im Sommer 1999 entstandenen Zuspielbänder. Die Erfahrungen aus der Inszenierung bedingte dann eine Überarbeitung des letzten Kapitels. Die in der Aufführung eingesetzten szenischen Medien und Improvisationselemente wurden durch die erneute Einspielung und Bearbeitung von Sequenzen in den akustischen Raum übertragen.

Im Kubus des ZKM, Konzert- und Aufnahmeraum, wurden die Sprache und Instrumentalmusik im Mehrkanalton unter Originalbedingungen mitgeschnitten. Dadurch konnte der akustische Eindruck des Raumklanges erhalten bleiben und als charakteristisches Element des inszenierten Hörspiels in die Sendefassung mit einfließen.

Für Aufnahme und Abmischung wurde die Vernetzung der Studioräume über Glasfaserkabel genutzt.


Die Bearbeitung erfolgte in einem volldigitalisierten Studio mit digitalem LAWO-Mischpult und Joystick für das Surroundpanning. Harddisc-Recording mit 24 Spuren für Material in hoher Auflösung und bis zu zehn Stunden Länge ermöglichte in dieser Produktion die Realisierung der komplexen kompositorischen Struktur.

  
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