Circles

September 2000 - Juni 2001

Kurator: Christoph Keller

*_Die Ausstellungsserie »Circles« untersucht beispielhaft die Basis künstlerischer Netzwerkarbeit, individueller Sozialisation und strategischer Kooperation. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei verschiedene internationale Zirkel von Künstlern, die – aufgrund einer gemeinsamen Herkunft, ähnlicher Lebensbedingungen oder anderer Faktoren – eng miteinander verbunden sind, ohne feste Gruppen zu bilden. Diese Form der Kooperation gewinnt in einer jungen Künstlergeneration zunehmend an Bedeutung und soll nun zum ersten Mal ausführlich beschrieben und durch Ausstellungen und den begleitenden Katalog dokumentiert werden.][

Circles °1
Genf :: L‘île aux enfants
02.09.2000 - 08.10.2000

Circles °2
Frankfurt :: Dribbdedach [Zakynthos]
21.10.2000 - 26.11.2000

Circles °3
Los Angeles :: Silverlake Crossings
25.11.2000 - 08.01.2001

Circles °4
Glasgow :: One For One
09.03.2001
anschließend »Life without Buildings« [Glasgow]
Glasgow :: One For One
10.03.2001

Circles °5
Berlin :: Montana Sacra
06.04.2001 - 13.05.2001
Berlin :: Montana Sacra
07.04.2001

Im Rahmen von »Circles« findet die Vortragsreihe »Insert« statt ::

17. Januar 2001 :: Insert °2 :: Sozietät Hildesheim
24. Januar 2001 :: Insert °3 :: Duty Free Belgrad
31. Januar 2001 :: Insert °4 :: Adademie Isotrop

07. Februar 2001 :: Insert °5 :: metallic Berlin mit anschließender Metallic - Nacht im Badischen Kunstverein (ab 22 Uhr)
22. Februar 2001 :: Insert °6 :: Toasting Agency

11. April 2001 :: Insert °7 :: Yilmaz Dziewior

Konzeption »Circles«

      Nach der postmodernen Kritik fehlt in der künstlerischen Gegenwart jede Möglichkeit der thematischen, stilistischen, formalen oder politischen Ordnung. Die sozialen Beziehungen von Künstlern untereinander, die Freundschaften, die gemeinsamen Studienerfahrungen, der gemeinsame Herkunftsort, die Erfahrungen aus einem geteilten Lebensumfeld lassen sich als vielleicht letzte relevante Konstanten ausmachen.

      Während stilistische Trends, formale oder mediale Kategorisierungen im Hinblick auf die aktuelle Kunstproduktion einer jungen, internationalen Kunstszene obsolet geworden sind und nicht mehr als Erklärungs- oder Vermittlungsmodelle taugen, treten die sozialen Aspekte künstlerischer Arbeit – als dauerhaft einflußreicher Faktor auf das individuelle Werk – immer mehr in den Vordergrund: individuelle Netzwerkarbeit, soziale Interaktion, strategische Kooperation, die Bildung von ineinandergreifenden »peer groups« usw.... Das Arbeitsfeld »Bildende Kunst« eignet sich daher als anschaulicher Modellfall – angesichts einer immer größer werdenden Dominanz der Diskussion über die rein technischen Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation – zur Untersuchung der notwendigen, sozialen Grundlagen: der Freundschaften, persönlichen Kontakte und der Orte, an denen diese zustande kommen.

      Das Projekt will einen Einblick in die augenblickliche Kunstproduktion in Europa und Amerika und deren äußeren Bedingungen ermöglichen. Netzwerkarbeit erscheint dabei nicht nur als strategisches Motiv interessant, sondern veranschaulicht exemplarisch auch gegenseitige Prägungen, künstlerischen Austausch, Anregungen, Kritik und letztlich den Einfluß auf die persönliche Positionsfindung und das individuelle Werk.

      Alle Stationen der Ausstellungsserie beleuchten verschiedene strukturelle Aspekte hinsichtlich der Initiation solcher künstlerischen »Circles«: Während in einem Fall die gemeinsame Ausbildungsstätte, die Akademie, und die dort geknüpften Kontakte zu einem konstanten Koordinatensystem für die einzelne künstlerische Position führten, übernimmt in einem anderen Fall der Anschluß an eine Galerie und damit der zweite Schritt in Richtung professioneller Karriere diese Funktion. Für die Berliner Künstler erscheint die gemeinsame Ausgangsbasis eine Exil-artige Lebenssituation zu sein, bedingt durch die Zuwanderung nach Abschluß eines Kunststudiums in anderen deutschen Städten. Für die eingeladenen Künstler aus Glasgow war wiederum die damals von der übrigen Kunstwelt isolierte Situation der Stadt maßgeblich, um durch gemeinsame Anstrengungen, wie z.B. der Gründung von unabhängigen Ausstellungsräumen, aus dem regionalen Rahmen auszubrechen.

      Die einzelnen Formen der Präsentation werden sich gemäß dieser verschiedenen Aspekte stark voneinander unterscheiden; so wird die Präsentation der Genfer Künstler eher performativen Charakter haben und sich im wesentlichen auf die Eröffnungsveranstaltung konzentrieren, während das Ausstellungsprojekt des zweiten Zirkels aus Frankfurt einer stark konzeptuellen Vorgabe folgt. Die Künstler aus Los Angeles werden im Rahmen einer sehr klassischen Gruppenausstellung vorgestellt, das Glasgow-Projekt sieht eine eher unkonventionelle, spontane Präsentationsform vor, die das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung sein wird.

      Alle Ausstellungen werden von diversen Vorträgen, Diskussionen, Konzerten und Performance-Events begleitet. Zusätzlich kommen – im Rahmen sogenannter »Inserts«, die als mediale Präsentationen gestaltet werden – auch formal geschlossene Gruppen und andere »Circles«, z. B. aus Hamburg, Braunschweig, Helsinki, Köln und Hildesheim zu Wort. Alle Vorträge und Diskussionen werden in Auszügen im Abschlußkatalog/Reader [erscheint im August 2001] publiziert und durch weitere Texte ergänzt.

      Eine letzte Bemerkung zum kuratorischen Ansatz des Projekts: In seinem Vorwort zu einer in Bern und Düsseldorf koproduzierten Ausstellung mit dem Titel "Freunde + Freunde, Friends + Freund” [Karl Gerstner, Diter Rot, Daniel Spoerri, André Thomkins] schreibt Harald Szeemann im Jahre 1969: »Es war immer mein Traum, eine Ausstellung zu machen, wo ich nicht mehr interveniere.« Dieses Motiv soll auch in der Konzeption der Ausstellungsreihe »Circles« wiederkehren.

      Der kuratorische Ansatz, der die exemplarische Auswahl von fünf künstlerischen Zirkeln/Freundeskreisen aus Genf, Frankfurt, Los Angeles, Glasgow und Berlin begründet, war dabei geleitet von der Maßgabe, das zu zeigen, was tatsächlich vorhanden ist, Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten, Abgrenzungen – die »geistige Welt« der ausgewählten Künstler-Zirkel. Dies steht im klaren Gegensatz zu allen selektiven Versuchen, die aktuelle Kunst in thematische oder formale Überordnungen zu pressen, wo diese nicht mehr zu finden sind. Und so sollen die Karlsruher Ausstellungen im Jahr 2000/ 2001 auch dem Szeemannschen Wunsch von 1969 beipflichten: »Vielleicht beginnen die Museen wieder mehr Lebensläufe aufzuzeichnen als Ausstellungen zu organisieren.« ][

Idee und Konzeption: Christoph Keller

Die Ausstellungsreihe wurde ermöglicht durch das SiemensKulturprogramm

Mit freundlicher Unterstützung von Schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA, Stiftung Landesbank Baden-Württemberg, Engelhardt & Bauer Karlsruhe. In Kooperation mit Südwestrundfunk [SWR], Baden-Baden.

  
  Seeing Time
  
  Wichtige Ausstellungen
Januar-März 2001
  
  

 





 
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