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Gründungsdirektor des ZKM_Karlsruhe

Professor Heinrich Klotz [* 20.03.1935 in Worms, † 01.06.1999 in Karlsruhe], studierte in Frankfurt, Freiburg, Heidelberg und Göttingen Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie. Nach Gastprofessuren in den USA war er von 1972 bis 1989 ordentlicher Professor am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Marburg. Parallel zu seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor baute Heinrich Klotz seit 1979 in Frankfurt am Main das Architekturmuseum auf und wirkte wesentlich an der Errichtung des Museumsufers mit. Im Januar 1989 legte Heinrich Klotz ergänzende Ausführungen zum Konzept 88 vor, die für das "Elektronische Bauhaus" sowohl die Neugründung einer Hochschule für Gestaltung als auch die Einrichtung eines Museums für Gegenwartskunst im Zusammenschluss mit dem ZKM umfassten. Mit der Gründung des ZKM sollte die Chance, die Künste auf die digitalen Techniken beziehen zu können, realisiert werden.

Auszug aus dem 1992 von Heinrich Klotz verfassten Text Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.

[Quelle: Heinrich Klotz, Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie, in: Tacho 3, Vol. 1, 1992 7883, 78f.]

»Das ZKM hat die Aufgabe, die schöpferischen und Möglichkeiten einer Verbindung zwischen den traditionellen Künsten und der Medientechnologie auszuloten, um vorausweisende Resultate zu gewinnen. Eine Bereicherung der Künste, nicht deren technologische Amputation ist das Ziel. Deshalb müssen sich die traditionellen Künste und Medienkünste aneinander messen. Beide Seiten haben für sich und miteinander im ZKM einen Ort der Förderung.

Als Vorbild kann das 1919 gegründete Bauhaus in Weimar gelten. Das Bauhaus hat zum ersten mal die Kunst vom Handwerk fort auf die Maschine orientiert. Das ZKM bezieht, den neuen Möglichkeiten des ausgehenden 20. Jahrhunderts entsprechend, die Künste auf die digitalen Techniken. So wie das Bauhaus vermieden hat, die Maschinenproduktionen an die Stelle der künstlerischen Hervorbringung zu setzen, so wird auch das ZKM zu verhindern wissen, daß an die Stelle der Kreativität des Künstlers die Automatik technologischer Verfahren gesetzt wird. So wenig wie die Malerei durch die Computergrafik überflüssig gemacht wird, so wenig wird man den Konzertflügel fortwerfen, weil es den Synthesizer gibt. Um den dargelegten Aufgaben gerecht zu werden, muß das Zentrum inhaltlich wie auch in seinen organisatorischen Strukturen neue Wege einschlagen.

Es muß in Deutschland einen Ort geben, wo der Versuch unternommen wird, die künstlerischen und medientechnologischen Resultate für die Zukunft fruchtbar zu machen und unter der Beteiligung der besten schöpferischen Kräfte eine Synthese der Künste und Medientechnologie anzustreben. Die Ermöglichung des multimedialen Gesamtkunstwerks wie auch die Erforschung der speziellen Techniken, die Beförderung des Neuen wie auch die Kritik einer blinden Medieneuphorie sind das angestrebte Ziel. Das ZKM stellt Künstlern und Wissenschaftlern, aber auch interessierten Bürgern seine Einrichtungen und Instrumente zur Verfügung, um dieses Ziel erreichen zu können.

Anders als in den bisher bestehenden Institutionen und Schulen, die auf improvisierende Weise diesen Aufgaben gerecht werden wollen, wird das ZKM die getrennten Teilbereiche von Kunst und Medientechnologie zusammenfassen und die spezialisierten Programme aufheben. Besonders vielversprechende Ergebnisse sind von einer Verbindung visueller und akustischer Mediengattungen zu erwarten, wie sie sich aus einer Koppelung von elektronischer Musik, Laser, Video und Videoanimationen ergeben können.

Darüber hinaus müssen die Gattungen der neuen Medien wiederum auf die Gattungen der traditionellen Künste bezogen werden, so daß Reibflächen entstehen können zwischen medientechnologischen und konventionellen Herstellungsweisen von Gebrauchsprodukt und Kunstwerk. Für die hier entwickelten Möglichkeiten und Fragestellungen muß eine institutionelle Antwort gefunden werden.(...)«

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