: ZKM :: Artikel :: Ausstellung 2013 | Allen Ginsberg
 
 

  

Ausstellungen 2013

15. Juni−01. September 2013
Beat Generation / Allen Ginsberg

Eine Ausstellung im ZKM | Medienmuseum
Eröffnung: Fr, 14. Juni 2013, 19 Uhr

Champs Libres, Rennes: 31.05.−01.09.2013
Centre Pompidou-Metz: 31.05.−09.09.2013
Fresnoy − Studio national, Tourcoing: 07.06.−21.07.2013

Information in English
Rahmenprogramm

Parallel zueinander bieten vier große europäische Einrichtungen – das Centre Pompidou Metz, das Fresnoy im nordfranzösischen Tourcoing, die Champs Libres im bretonischen Rennes und das ZKM in Karlsruhe – mit einer virtuellen Ausstellung einen tiefen Einblick in die legendäre Geschichte der Beat Generation. Ihren Ursprung hat die Bewegung in den 1940er-Jahren in New York und San Francisco. Zu ihren prägenden Vorbildern gehörten Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs.

Als thematische Fortsetzung der Ausstellung »the name is BURROUGHS – Expanded Media«, die 2012 am ZKM zu sehen war, präsentiert »Beat Generation / Allen Ginsberg« neben einer Auswahl an Live-Performances, Filmen, Texten und Fotografien auch zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente.

Im Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Rahmenprogramm statt.

Kurator: Jean-Jacques Lebel

Grußwort des Kurators zur Ausstellung
„Hallo Beatniks!

Dies ist keine Ausstellung im klassischen Sinn mit Werken, die an den Wänden hängen, sondern vielmehr eine visuelle und akustische Anthologie, eine sinnliche Erfahrung, eine fantastische Welt voll projizierter Bilder und ein virtueller Spaziergang durch eine große multikulturelle Bewegung, die während des Zweiten Weltkriegs in New York entstand und sich ab 1955 in der ganzen Welt ausbreitete. Der Dichter Allen Ginsberg, Gründervater und einflussreichste Figur der Beat-Generation, wird uns als Kartograph und Wegführer dienen. Er wird uns seine Freunde vorstellen – die er zu verschiedenen Zeiten fotografiert hat – und vor allem deren Werke, wobei er die einzigartige Persönlichkeit jedes Einzelnen herausstellt.
Bekannte und unbekannte Filme, öffentliche Lesungen, Aufzeichnungen, nie gesehene Reportagen, Texte, bildende Kunst, Gespräche, Fotografien und Dokumente jeder Art... Diese bisher unveröffentlichte und hier zum ersten Mal gezeigte Zusammenstellung bietet eine internationale, labyrinthische und multimediale Perspektive, die die Grenzen einer linearen und didaktischen Museumspräsentation überschreitet.

Die Besucher werden hier eingeladen, ohne Umschweife in das halluzinierte/halluzinierende Universum der Dichter der Beat-Generation einzutreten und dieses zugleich kollektive und subjektive Abenteuer nachzuerleben. Ebenfalls ganz neu ist die zeitgleiche Eröffnung von vier Versionen der gleichen Ausstellung in vier europäischen Institutionen unterschiedlicher Herkunft: im Centre Pompidou Metz, im Studio National des Arts Contemporains, Le Fresnoy (Tourcoing), in den Champs Libres (Rennes) und im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe. Ein Musterbeispiel für Synergie und Partnerschaft.

Dank Allen Ginsberg folgen wir Schritt für Schritt den literarischen, kulturellen, politischen, existenziellen und geistigen Kontroversen, die die Beat-Generation geführt hat. Mit ihm lernen wir eine Reihe von Meisterwerken der modernen Literatur kennen und interpretieren sie neu, Werke von Jack Kerouac, William Burroughs, Gregory Corso, Michael McClure, Gary Snyder, Peter Orlovsky und natürlich Allen Ginsberg. Man wird sie sehen oder hören, man wird ihre Manuskripte, ihre Zeichnungen, ihre Lebensart entdecken, aber auch ihr Engagement für die Freiheit des Ausdrucks und die Befreiung von der bürgerlichen Moral, gegen Ethnozentrismus, Homophobie und rassistische Paranoia, für die Ökologie. Man wird ermessen können, welche wegweisende Rolle sie als Schriftsteller und Weltbürger inmitten einer großen internationalen Bewegung gespielt haben, die in den 1960er Jahren gegen den Vietnamkrieg, die Wall Street, das Pentagon, die Hiroshima-Bombe, die Atomindustrie und insgesamt gegen jede Form von kulturellem und politischem Imperialismus rebelliert und protestiert hat.

In seinem berühmten Manifest/Gedicht Howl hat Ginsberg übrigens das biblische Monster Moloch wieder aufgegriffen, das immer mehr menschliche Opfer fordert. Karl Marx hatte Moloch bereits als Sinnbild des herrschenden und aggressiven Kapitalismus angeprangert. Es ist durchaus kein Zufall, dass Ginsberg, Burroughs und ihr gemeinsamer Freund Jean Genet 1968 an den Demonstrationen in Chicago teilgenommen haben und dass einige ihrer jungen Gesinnungsfreunde bei dieser Gelegenheit ein echtes, rosafarbenes und brüllendes Schwein als Kandidat für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen aufgestellt haben. Der Geist des Dada war tatsächlich präsent, war doch jegliche Unterscheidung zwischen politischer und künstlerischer Aktion aufgehoben.
Die hier präsentierten Filme, die Gespräche, die Reportagen, die Fotografien und Texte stellen im Übrigen besonders heraus, wie sich die Dichter auf ihre Vorgänger und Zeitgenossen, besonders auf die asiatischen und europäischen, beziehen: William Blake, Arthur Rimbaud, Guillaume Apollinaire, Antonin Artaud stehen ihnen nahe. Ginsberg, Burroughs, Gysin und Corso lernten im Verlauf ihrer langen produktiven Aufenthalte sowie ihrer zahlreichen Besuche in Paris Henri Michaux, Gherasim Luca, Jean Genet, Marcel Duchamp, Man Ray, Tristan Tzara, Bernard Hiedsieck, Félix Guattari und viele andere kennen. Im Café Sélect am Montparnasse begann Ginsberg sein großes kathartisches Gedicht Kaddish und verfasste Sur la Tombe d’Apollinaire und Europe! Europe! In Paris beendete und veröffentlichte Burroughs Le Festin Nu, Nova Express und Corso das Gedicht Bomb.

Mit der Beat-Generation ist die gewaltige weltweite Bewegung der Gegenkultur entstanden, für die heute die „Empörten“ eintreten und von der sich wiederum die künftigen Visionäre und Utopisten inspirieren lassen.“
(Jean-Jacques Lebel, April 2013)


- Änderungen vorbehalten -

Abbildung: Allen Ginsberg, Peter Orlovsky und Freunde der Rocky Flats Truth Force meditieren am 14. Juli 1978 auf den Bahngleisen vor der Rockwell Corporation Nuclear Facility’s Plutonium bomb trigger factory, um eine Zugladung von Abfällen aus spaltbarem Material aufzuhalten - am selben Tag stellte Ginsberg die Plutonian Ode fertig, 14. Juli 1978. © Foto: Steve Groer, Rocky Mountain News

^

© 2014 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits