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Ausstellungen 2012

03. November 2012−07. April 2013
Ein Sechstel der Erde
Über die Beziehung des Bildes zur Welt

Eine Ausstellung im ZKM | Museum für Neue Kunst
Eröffnung: Fr, 02. November 2012, 19 Uhr, Eintritt frei, ZKM_Foyer

Information in English
Programm
Beitrag im ZKM Blog

»Ein Sechstel der Erde. Über die Beziehung des Bildes zur Welt« präsentiert Kunst der letzten 15 Jahre aus Ländern, die Teil der ehemaligen Sowjetunion waren oder zum Ostblock gehörten. Das Hauptinteresse dieser Ausstellung gilt dem von vielen zeitgenössischen KünstlerInnen bevorzugten Medium der bewegten Bilder. Es nutzt dabei dessen weit gespannten ›ökologischen‹ Rahmen, um ein breites Spektrum von Arbeiten aus vielen unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu präsentieren und zu kontextualisieren. 

»Ein Sechstel der Erde« versteht Ökologie im Sinne des französischen Psychoanalytikers Félix Guattari. Er wies in seinem Essay »Die Drei Ökologien« (1989) darauf hin, dass die ökologischen Dilemmata, vor denen die Welt gegenwärtig steht, nur angegangen werden können, wenn menschliche, gesellschaftliche und umweltbezogene Ökologien als eine Gesamtheit begriffen werden. Guattari sah in der Kunst einen Weg, diese drei Ebenen miteinander zu verbinden: KünstlerInnen können die ersten sein, die einer neuen Synthese den Weg weisen, und so dabei behilflich sein, aus der Erfahrung der Kunst zu lernen, unser Leben ausgeglichener und in sozialer und ökologischer Hinsicht weniger zerstörerisch zu gestalten.

Das sind kühne Worte, aber angebracht gegenüber jenen Ländern, die nach 1989 aus dem Ostblock und der Sowjetunion hervorgingen. Die utopischen Ambitionen des einstigen Sozialismus erloschen in der dystopischen Erfahrung des Überlebenskampfs in den sich neu formierenden, ökonomisch und ökologisch schwer angeschlagenen Gesellschaften. Diese Ausstellung verfolgt das Ziel, aufregende künstlerische Positionen aus dieser Zeit zu präsentieren und gleichzeitig jenen gegenüberzustellen, die bisher sehr viel weniger Aufmerksamkeit gefunden haben.

Diese Ausstellung umfasst eine Reihe widerstreitender und gelegentlich gegensätzlicher Themen. Diese ergeben sich nicht nur aus den Laufbahnen der einzelnen KünstlerInnen, sondern haben auch mit den unterschiedlichen geschichtlichen Erfahrungen ihrer jeweiligen Herkunftsländer zu tun bzw. mit dem Ort ihrer gegenwärtigen künstlerischen Tätigkeit. Einer dieser Aspekte ist das kulturelle Nomadentum − heute können KünstlerInnen reisen und sich den für ihre künstlerische Ausbildung und Tätigkeit am ehesten geeigneten Ort aussuchen. Weiter ist das Entstehen bedeutender lokaler Kunstszenen (oft aufbauend auf in kommunistischer Zeit entstandenen Netzwerken) zu nennen, wodurch sich KünstlerInnen unter Umständen vor die schwierige Wahl gestellt sehen, die Karriere zu Hause oder im Ausland voranzutreiben. Auch das Aufkommen neuer Nationalismen (mit den Begleiterscheinungen Xenophobie und Rassismus, von denen viele Länder in der Region betroffen sind) sowie sexuelle Identität und Gender-Identität − Themen, die in manchen Fällen mit der progressiven Kulturpolitik einer früheren, kommunistischen, Generation verknüpft sind − sind von Belang.

»Ein Sechstel der Erde« (1926) ist auch der Titel eines Films von Dsiga Wertow, dem experimentellsten Vertreter des Dokumentarfilms in der ehemaligen Sowjetunion. Dieser wurde mit der Absicht gedreht, eine utopische Vision des multikulturellen Potenzials der sowjetischen Vielvölkergesellschaft zu präsentieren. Die Ausstellung nimmt symbolisch Bezug auf diesen Film als Verweis auf das Potenzial der Bestrebungen von KünstlerInnen und AusstellungsmacherInnen aus dieser wichtigen Weltregion. Das bewegte Bild war die bedeutendste Kunstform der kommunistischen Ära. Es hat sich auch als bedeutende Waffe der künstlerischen Kritik erwiesen.

Kurator: Mark Nash
Kuratorische Assistenz: Eszter Steierhoffer

KünstlerInnen: Dan Acostioaei, Victor Alimpiev, Matei Bejenaru, Yevgenia Belorusets, Irina Botea, Pavel Braila, Mircea Cantor, Community Art (Aleksandar Battista Ilić, Ivana Keser, Tomislav Gotovac), Ştefan Constantinescu, Factory of Found Clothes (Gluklya (Natalya Pershina-Yakimanskaya) & Tsaplya (Olga Egorova)), Dmitry Gutov, Flaka Haliti, IRWIN, Gulnara Kasmalieva & Muratbek Djumaliev, Zbigniew Libera, Little Warsaw, David Maljković, Almagul Menlibayeva, Anna Molska, Deimantas Narkevičius, Mircea Nicolae, Kristina Norman, Adrian Paci, Alexander Ponomarev, Ghenadie Popescu, Tobias Putrih, Anri Sala, Łukasz Skąpski, Société Réaliste, Milica Tomić, Mona Vătămanu & Florin Tudor, Andrej Zdravič, Driant Zeneli, und Artur Żmijewski.

Programm
Mi, 19.12.2012
16 Uhr, ZKM | Museum für Neue Kunst, Eintritt 2 € zzgl. Museumseintritt
Kuratorenführung
Der Kurator Mark Nash führt die BesucherInnen durch die Ausstellung und berichtet über die Hintergründe der einzelnen Werke. Die Führung findet auf Englisch statt. Treffpunkt: ZKM_Foyer

Mi, 27.03.2013
12 Uhr, Kuratorenführung und Podiumsdisskussion
KünstlerInnen und KuratorInnen besprechen die Ausstellung »Ein Sechstel der Erde. Über die Beziehung des Bildes zur Welt«. Im Fokus der kurzen Vorträge und der darauffolgenden Podiumsdiskussion steht die Kunstszene Rumäniens, die eine rasante und spannende Entwicklung in den letzten Jahren erlebt hat. Die Beiträge der TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen professionellen Bereichen (KünstlerInnen, KuratorInnen aus Rumänien und von außerhalb) sollen einen Gesamtüberblick über dieses komplexe Phänomen verschaffen. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Der Eintritt ist frei!

12−13 Uhr: Kuratorenführung durch die Ausstellung, Treffpunkt: ZKM_Foyer
14.30 Uhr: Impulsvorträge und Podiumsdiskussion, Treffpunkt: ZKM_Vortragssaal

TeilnehmerInnen: Mark Nash (Kurator der Ausstellung, RCA London), Eszter Steierhoffer, (RCA London), Livia Pancu (Kuratorin, tranzit.ro, Iasi), Daria Ghiu (Kuratorin, Bucharest), Dan Acostioaei (Künstler, Iasi)

In Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin


Eine Ausstellung des MUSAC, Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León (León, Spain) in Kooperation mit dem ZKM | Karlsruhe





Abbildungen:
oben:
Still aus: Ghenadie Popescu: „Navigable Bîc“, 2008
Ein-Kanal-Video, Farbe, Ton, 17:40 Min. © Ghenadie Popescu

mitte:
Ausstellungsansichten, ZKM | Museum für Neue Kunst
Fotos: Franz Wamhof

unten:
Still aus: Irina Botea: „Auditions for a Revolution“, 2006
16-mm-Film digitalisiert, Farbe, Ton, 24 Min.
© Irina Botea

Still aus: Dmitry Gutov: „From Flat to Flat“, 2002
Zwei-Kanal-Video-Installation, Farbe, Ton, 12:20 Min.
© Dmitry Gutov

Still aus: Ştefan Constantinescu: „My Beautiful Dacia“, 2009
Ein-Kanal-Video, HD, Farbe, Ton, 72 Min.
© Ştefan Constantinescu

Still aus: Andrej Zdravič: „Riverglass. A River Ballet in Four Seasons“, 1997
Ein-Kanal-Video (Beta Sp digitalisiert), Farbe, Ton, 41 Min.
© Andrej Zdravič

Still aus: David Maljković: „Scene for New Heritage Trilogy“, 2004–2006
Ein-Kanal-Video-Installation, Farbe, Ton, 21:20 Min.
© David Maljković, Courtesy Metro Pictures and Annet Gelink Gallery, Amsterdam

Still aus: Mircea Nicolae: „Romanian Kiosk Company“, 2010
Ein-Kanal-Video, HD, Farbe, Ton, 55 Min.


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