Sarah Lucas [GB] :: Bunny [1997]

"Lucas ist eine dreckige Göre ersten Ranges, deren unzweideutiges Werk roh, laut und schockierend ist." Jerry Saltz

In der Arbeit Bunny von 1997 spielt Lucas mit gesellschaftlichen Zuordnungen und Codierungen von Weiblichkeit, welche Stellung haben Frauen in der Gesellschaft, wie werden sie dargestellt. Das Wort »Bunny« [Häschen] verweist u.a. auf die Verfügbarkeit und Degradierung von Frauen zu Lustobjekten.

Auf einem kleinen Stuhl plaziert, finden wir ein Objekt, bestehend aus Damenstrümpfen, welche mit Watte ausgestopft sind. Eindeutig wird der Unterkörper einer Frau nachempfunden, reduziert auf lange spinnenartige Beine, die leicht gespreizt sind und eine sexuelle Verfügbarkeit andeuten. Der Oberkörper, ebenfalls bestehend aus ausgestopften Damenstrümpfen, ist verkürzt auf zwei ebenfalls spinnenartige Fortsätze. In vielen ihrer Arbeiten benutzt Lucas eindeutige sexuelle Anspielungen, um eine Reaktion beim Betrachter auszulösen. Durch die Zusammenhänge zwischen Text, Titel und Bild werden Assoziationen ausgelöst. Wie sie selbst sagt, handelt es sich bei ihren Ersatzobjekten um Analogien, deren Verknüpfung im Kopf des Betrachters stattfindet.
Ihre Skulpturen, oft krude gestaltet und mit Sprachwitz versehen, thematisieren des Verhältnis der Geschlechter in unserer Gesellschaft. Der weibliche und männliche Körper wird auf elementare Platzhalter reduziert. Der männliche voyeuristische Blick wird entlarvt und selbstsicher immitiert und erwidert. Immer wieder beschäftigt sich Lucas mit dem Thema Selbstportrait. Sie stilisiert sich als androgynes Modell, die männlichen Posen bewußt nachahmend und doch immer wieder brechend, indem sie im selben Bild provokant eine männliche Haltung einnimmt und gleichzeitig auch weibliche Attribute zur Geltung bringt. In der Arbeit Composition with Fried Eggs sitzt sie in lässiger Pose mit leicht gespreizten Beinen in einem Sessel und mustert den Betrachter mit forschem männlichen Blick. Anstelle ihrer Brüste sehen wir zwei Spiegeleier.
"Banal oder aggressiv, Lucas‘ Werk zeichnet sich stets durch einen trockenen Humor aus und konfrontiert uns mit unserem Verhältnis zur trash culture." [David Bussel in: Sensation. Junge Britische Künstler aus der Sammlung Saatchi, 1998, Katalog S.202]

Text: Sabine Himmelsbach

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