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Ausstellungen 2012

26. Mai−07. Oktober 2012
Franz Erhard Walther
Raum durch Handlung

Eine Ausstellung im ZKM | Museum für Neue Kunst, EG
Eröffnung: Fr, 25. Mai 2012, 19 Uhr im ZKM | Museum für Neue Kunst, Eintritt frei

Information in English
Ausstellungsrundgang

Franz Erhard Walther gehört fraglos zu den einflussreichsten Künstlern der vergangenen Jahrzehnte. Kaum ein Kunstschaffender hat die Definition, was Skulptur sein kann, derart frühzeitig und nachwirkend verändert wie er. Durch seine partizipativen Objekte und Textilskulpturen hat er das Verständnis von Kunst sowie das Verhältnis von Kunst und Betrachter einer grundlegenden Neubewertung und Erweiterung unterzogen. Nicht zuletzt auch durch seine langjährige Lehrtätigkeit hat er zahlreiche zeitgenössische Künstler inspiriert. Mit der Ausstellung »Franz Erhard Walther. Raum durch Handlung« zeigt das ZKM | Museum für Neue Kunst im Rahmen des diesjährigen Ausstellungs-Schwerpunktes der Performativität einen Großteil der »Schreitsockel« und erstmalig die kompletten »Standstellen«-Arbeiten von Franz Erhard Walther, sowie eine Auswahl an frühen Fotografien und großformatigen Zeichnungen.

Schon in seinen frühen fotografischen Arbeiten Ende der 1950er-Jahre hat Franz Erhard Walther begonnen, den von Marcel Duchamp begründeten Diskurs über die Definition der Skulptur fortzuführen. Die Beziehung zwischen Werk, Künstler und Betrachter rückte in den Fokus künstlerischen Schaffens und die Rolle des Rezipienten wurde durch Interaktion hinterfragt. Lange bevor Künstler wie Bruce Nauman u.a. ihren eigenen Körper als skulpturales Medium verwendet haben, hat Walther sich selbst und das Publikum als bildhauerisches »Material« eingesetzt.

Nach seinem Studium bei K. O. Götz ging Franz Erhard Walther 1967 nach New York. Bereits zwei Jahre später präsentierte er in einer Ausstellung im New Yorker MoMA seinen legendären »1. Werksatz« – eine 58-teilige Arbeit, die heute zur Sammlung des Museums gehört. Das grundlegend Neue bei seinen Arbeiten der 1960er-Jahre war die Einbeziehung des ursprünglich zur Kontemplation verdammten Betrachters in den skulpturalen Prozess. Die Ausstellungsbesucher hatten die Möglichkeit, die aus textilen Materialien bestehenden Werke zu benutzen, die als »Angebote« vom Künstler in der Ausstellung präsentiert wurden. Die Arbeiten konnten aufgefaltet, neu arrangiert oder zwischen mehreren Besuchern aufgespannt werden. Entsprechend dieser Grundidee lautet auch die erste Publikation von Franz Erhard Walther »OBJEKTE, benutzen« (1968). Das längst vergriffene Buch wird anlässlich der Ausstellung im ZKM | Museum für Neue Kunst neu aufgelegt und aktualisiert.

Der aktive Umgang mit einem künstlerischen Angebot, die Erfahrung der Haptik von Stoffen und Materialien, das Empfinden der eigenen Körperlichkeit und das daraus resultierende Handeln im Raum machen auch heute noch das Werk von Franz Erhard Walther zu einem außergewöhnlich zeitgenössischen Beitrag. Seine Arbeit lässt sich als Synthese aus Prozesskunst, Minimal Art und Konzeptkunst deuten und steht mit zahlreichen wichtigen Positionen der zeitgenössischen Kunst im Dialog.

Kuratoren: Peter Weibel und Andreas F. Beitin



Änderungen vorbehalten

Abbildungen:
»Schreitsockel und Standstellen«, Ausstellungsansicht ZKM | Museum für Neue Kunst, Dokumentation der Benutzung der Werke, Sammlung Franz Erhard Walther Foundation Courtesy Galerie Jocelyn Wolff, Paris, und KOW, Berlin © VG Bild-Kunst 2012/ F. E. Walther, Foto: ONUK

»Werkzeichnung zu Nr. 33«, 1. Werksatz, 1969/72 (Bleistift, Wasserfarbe 29,6 x 21 cm; beidseitig), Sammlung Franz Erhard Walther Foundation, Courtesy Galerie Jocelyn Wolff, Paris; Gallery Peter Freeman Inc. New York; KOW, Berlin; Galerie SKOPIA, Genf © VG Bild-Kunst 2012/ F. E. Walther

»Schreitsockel und Standstellen«, Ausstellungsansicht ZKM | Museum für Neue Kunst, Dokumentation der Benutzung der Werke, Sammlung Franz Erhard Walther Foundation Courtesy Galerie Jocelyn Wolff, Paris, und KOW, Berlin © VG Bild-Kunst 2012/ F. E. Walther, Foto: ONUK

»Versuch, eine Skulptur zu sein«, 1958, Fotoaufnahmen im Arbeitsraum, Fulda, Wallweg 28, 1958, Sammlung Franz Erhard Walther Foundation © VG Bild-Kunst 2012/ F. E. Walther, Foto: Egon Halbleib

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