Claude Cahun [F/GB] :: Autoportrait [1928]

Claude Cahuns Oeuvre blieb bis in die achtziger Jahre unentdeckt und wird erst jetzt in Ausstellungen thematisiert und in den aktuellen Kunstdiskurs einbezogen. Geboren als Lucy Schwob, nimmt die Künstlerin nach mehreren vorangegangenen Pseudonymen um 1917 den Künstlernamen Claude Cahun an. Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester, Lebensgefährtin und Geliebten Suzanne Malherbe zieht sie von Nantes nach Paris. 1930 veröffentlicht sie ihr wichtigstes literarisches Werk "Aveux non avenus" mit Gedichten, Prosa und Fotomontagen von ihr und Suzanne Malherbe, alias Marcel Moore.

Sie war lose mit der Gruppe der Surrealisten verbunden und stand in regem Kontakt mit Henri Michaux und André Breton. 1937 verlässt sie Paris um sich auf der Kanalinsel Jersey niederzulassen. Ihr politisches Engagement gegen die Besetzung durch die Nazis brachten sie 1944 ins Gefängnis. Cahun verstarb schon sehr früh 1954 an den Folgen dieses Gefängnisaufenthalts.

Bereits seit 1914 kreist ihre Arbeit um Selbstportraits und Inszenierungen in verschiedenen Masken, Kostümen und Verkleidungen. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit Autoportrait von 1928 zeigt die Künstlerin, wie sie sich hinter einer dunklen Maske verbirgt. Nicht nur ihr Gesicht wird von einer Maske verdeckt, ihr ganzer Körper ist umhüllt und verhüllt von einem schwarzen Umhang. Auf diesem Umhang sind weitere Masken befestigt, potentiell austauschbar mit der Maske, die sie gerade vor ihrem Gesicht trägt. Sie posiert vor einem geschlossenen Vorhang, einer Bühnensituation gleich, in welcher nach der Aufführung die Schauspieler nochmals vor das Publikum treten. Verweist der Titel auf ein zur Schau stellen, ein Sichtbarmachen der Person, wird dieses im Bild dem Betrachter verweigert, da Cahun keinen Blick auf ihre äußere Erscheinung zuläßt. Immer wieder setzt sie sich in ihren Selbstbildnissen mit der Konstruktion der eigenen Identität auseinander. Ihr fotografisches Werk ist geprägt von der Inszenierung, ihrer Selbst und der Anderen. Sie thematisiert das Getrenntsein von Körper und Selbst und versucht, der bildnerischen Verfügbarkeit des weiblichen Körpers als Objekt männlichen Begehrens zu entkommen. Sie betont dabei die kulturelle Codierung des Körpers.
In immer neuen Kostümen, Masken und Posen schafft Cahun Bilder von sich in immer neuen Identitäten, die Geschlechtergrenzen dabei überschreitend. "Meine Ansicht über die Homosexualität und die Homosexuellen ist genau die gleiche wie meine Meinung über die Heterosexualität und die Heterosexuellen: alles hängt vom Individuum und den Umständen ab. Ich trete für die allgemeine Freiheit der Sitten ein." [Claude Cahun, L’Amité, 1925]

Text: Sabine Himmelsbach

Die multiplen Organe :: Rekombinationen des Körpers

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