Jake & Dinos Chapman [GB] :: Yin & Yin [1998]

Die Skulpturen von Jake & Dinos Chapman erwecken Neugier und Abscheu zugleich, sie ziehen an und stoßen ab. Nach den Modellen von meist kindlich aussehenden Schaufensterpuppen gefertigt, bieten die meist nackten, intensiv fleischfarbenen Figuren einen gewohnten, fast alltäglichen Anblick, bei näherem Hinsehen allerdings entpuppen sie sich als beunruhigend monströs. Oft werden verschiedene Körper miteinander kombiniert, wobei sie wie siamesische Zwillinge an verschiedenen Stellen verschmelzen oder sich Extremitäten teilen.

Die Unterleiber sind wie bei Puppen üblich geschlechtslos, doch sind die Figuren alles andere als asexuell: Anstelle einer Nase prangt ein Penis und der Mund erscheint als überdimensionierter Anus. Yin & Yin, im »anagrammatischen Körper ausgestellt«, erwächst aus dem Gesäß eines von zwei zusätzlichen Beinen getragenen Körpers ein Kopf und auf den Schultern sitzt ein After. Die Füße stecken in Marken - Turnschuhen. Aus der Werbung bekannt sind die Modellposen, in denen sich die mutierten Schaufensterpuppen präsentieren, allerdings mit etwas anrüchigem Beigeschmack. »We are interested in shock - in convulsion«, geben Jake & Dinos Chapman als eine der Motivationen ihrer künstlerischen Arbeit an. Die Erschütterung, die der Betrachter angesichts der Skulpturen verspürt, resultiert zum Teil daraus, daß er unvermittelt in die Rolle des Voyeurs versetzt wird, eines Voyeurs allerdings, dem bewußt wird, daß seine Lust am Schauen in der Konfrontation mit den mutierten Körpern zur Lust am Abnormen und Ungeheuerlichen pervertiert wird und das im öffentlichen Raum einer Galerie oder eines Museums.

Text: Barbara Filser

Die multiplen Organe :: Rekombinationen des Körpers

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Interview aus dem Journal of Contemporary Art

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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