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Veranstaltungen 05 | 2011

So 22.05.11
»Polyphonia« – vielstimmiger Raumklang mit ZKM-Medieninstallation 3-D


Mit dem Kammerchor Ettlingen, dem Vokalensemble Cantus Solis Karlsruhe e.V. und einer 3-D-Installation von Bernd Lintermann,
in der katholischen Kirche »Unserer Lieben Frau«,  Karlsruhe-Südstadt, Marienstr. 80
20.30 Uhr, Eintritt €14/11, Eintritt frei für Schüler bis 16 Jahren,  Kartenvorverkauf Karlsruhe (Ermäßigung 2 €): Musikhaus Schlaile, Kaiserstr. 175, Tel. 0721/23000 und bei Cantus Solis per E-Mail: karten@cantus-solis.de

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Der Kammerchor Ettlingen unter Leitung von Ralf Keser und das Vokalensemble Cantus Solis Karlsruhe unter Leitung von Anja Daecke präsentieren in einem gemeinsamen Konzertprojekt in der katho­lischen Kirche »Unserer Lieben Frau« in der Karlsruher Südstadt vielstimmige a cappella Chormusik aus Renaissance, Barock und Moderne. Bernd Lintermann, Medienkünstler und Leiter des ZKM | Instituts für Bildmedien wird im Rahmen des Konzerts die groß angelegten und selten zu hörenden Vokalwerke mit animierter 3-D-Medieninstallation inszenieren.
In  dieser wohl einzigartigen Konzert- und Kunstpräsentation werden exklusive vielstimmige und deshalb selten zu hörende Chorwerke mit animierten Computergrafiken in neuester 3-D-Technik zu einem mehrdimensionalem Klang- und Medienerlebnis kombiniert. Bernd Lintermann hat dieses Wechselspiel seiner Computerbilder mit Chormusik schon mehrmals erprobt: beim diesjährigen Festival of Arts in Hongkong, live im Rahmen des Festivals »Zeitfenster Biennale Alter Musik« Berlin und bei Installationen im ZKM | Karlsruhe. Diese 3-D-Animation korrespondiert mit den chorischen Klangerlebnissen aus vielen verwobenen Einzelstimmen, bei denen eine Vielzahl geometrischer Formen zu einem großen in sich bewegten Gebilde zusammen wachsen.

Zentrales Klangwerk ist die 40-stimmige Motette »Spem in alium« des Renaissance-Komponisten Thomas Tallis (~1505–1585) mit acht im Raum angeordneten fünfstimmigen Chören. Die Kombination dieses musikarchitektonischen Meisterwerks mit animierter 3D-Computergrafik darf als besonderer Programmhöhepunkt gelten. Bei dem Renaissance-Quadrupelkanon »Deo gratias« von Johannes Ockeghems (~1410–1497), einem bedeutenden Vertreter der franko-flämischen Vokalpolyphonie,  setzen  nacheinander 36 Stimmen ein. Beide Chorwerke stellen überdurchschnittliche Anforderungen hinsichtlich rhythmischer Präzision und sicherer Gesangsfähigkeit in Einzelstimmen.

Der barocke Raumklang wird aus einem Wechsel mehrerer räumlich getrennter Chorgruppen erzeugt.
Die Vertonung des 51. Psalms »Miserere mei, Deus« von Gregorio Allegris (1582–1652) lebt vom Alternieren zwischen einstimmig psalmodierenden und mehrstimmigen Versen. Um das Werk des päpstlichen Kapellmeisters ranken sich Legenden: es war allein für die Aufführung in der Sixtinischen Kapelle bestimmt und mit päpstlichem Abschreibeverbot belegt. Mozart soll dieses Musikstück  durch bloßes Hören auswendig gelernt und anschließend niedergeschrieben haben. Aus Venedig brachte Heinrich Schütz (1585-1672) die barocke mehrchörige Kompositionsweise in den deutschsprachigen Raum:  Psalm 2 »Warum toben die Heiden« wirkt ausgesprochen lebendig und mitreißend durch seine große Sprachnähe und dem Klangwechsel zwischen zwei Favoritchören.

In »Hear my prayer, o Lord« entwickeln sich moderne Raum- und Klangwelten: Der schwedische Komponist Sven-David Sandström (*1942) bearbeitete auf faszinierende Weise ein Anthem des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell (1659-1695). Nach etwa drei Vierteln der Originalkomposition webt er eigene Klang- und Raumelemente ein, um nach an die Grenze des Singbaren reichenden Dissonanzen im erlösenden C-Dur zu schließen. Auch Dieter Schnebel (*1930) experimentiert mit modernen Klangfarben: Seine »Contrapuncti« sind Bearbeitungen Bach’scher Fugen aus der »Kunst der Fuge«, deren ursprünglich lineare Konzeption er ins Räumliche umsetzt, indem er die Ausführenden gestreut im Publikum anordnet.
Chorische Improvisation macht den Reiz von Pierre Calmelets (*1960) »Alleluia. Variationen über ein altes Thema« aus, das immer neue Klangfarben und Raumeffekte zum Vorschein bringt.

Das populäre Chorwerk »Lux aurumque« des US-amerikanischen Komponisten Eric Whitacre (*1970) ist vor allem durch ein vom Komponisten initiiertes Video auf der Internetplattform YouTube berühmt geworden: Dort erklingt es durch einen virtuellen Chor, zu dem 185 Sänger aus 12 Ländern Aufnahmen ihrer Einzelstimmen einstellten. Beide Kammerchöre präsentieren diesen »Hit live« mit immerhin 70 Chorsängern und einem Sopransolo.


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