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Ausstellungen 2011

17.09.2011–05.02.2012
The Global Contemporary
Kunstwelten nach 1989




ZKM | Museum für Neue Kunst
Eröffnung: Fr, 16.09.2011, 19 Uhr im ZKM_Foyer

Information in English
Eröffnungsfestival
Begleitprogramm
www.global-contemporary.de


Die Globalisierung als eine Phase geopolitischer Wandlung der Welt ist zugleich eine Wandlung der Kunst, ihrer Produktionsbedingungen und der Möglichkeiten ihrer Verbreitung und Präsenz. Zugleich stehen die KünstlerInnen und vor allem die Institutionen der Kunst – Großausstellungen, Museen, der Markt – vor der Frage, wie weit Kunst »global« gedacht werden kann und muss – und wie sich dies auf ihre eigenen Arbeitsweisen niederschlägt. Die Ausstellung The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 wird mittels dokumentarischer Materialien und künstlerischer Positionen untersuchen, wie die Globalisierung mit ihren dominanten Marktmechanismen einerseits und ihren Utopien der Vernetzung und Freizügigkeit andererseits auf die unterschiedlichen Sphären der Kunstproduktion und -rezeption einwirkt.
Diese Auseinandersetzung mit den maßgeblichen Institutionen und Dispositiven der Kunstwelt soll abbilden, auf welche Weise Globalisierung Kunst prägt und zugleich zum Thema künstlerischer Produktion wird, die keineswegs ohne Bewusstsein ihrer eigenen Bedingungen und Parameter erzeugt und rezipiert wird. Als eine im besten Sinne utopische »Fabrik« und Arbeitsstätte will das ZKM | Karlsruhe mit The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 diese Bedingungen, die auch den Alltag jenseits der Kunstwelten prägen, selbst zur Diskussion stellen und aus dem Museum einen Ort des Zeitgenössischen machen, in dem lokale Zeiterfahrung die Einheit der neuen »Weltzeit« unterläuft.

Das Konzept der Ausstellung ist Teil des Forschungsprojekts »Global Art and the Museum« (GAM), das 2006 von Hans Belting und Peter Weibel am ZKM initiiert wurde. In den vergangenen zwei Jahren wurde hier ein Netzwerk mit ProtagonistInnen und Institutionen der globalen Kunstszene geknüpft und über mehrere Seminare und Konferenzen in Karlsruhe und dem Ausland gefestigt und erweitert. Der in bislang zwei Publikationen und einer extensiven Website festgehaltene Diskurs bildet so das thematische Gerüst der Ausstellung und wird durch die experimentelle Umsetzung in The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 wieder in das Projekt GAM zurückgespiegelt. Dieser Ansatz einer wissenschaftlichen, experimentellen Untersuchung des Kunstsystems wird auch für die Ausstellung maßgeblich bleiben. So wird die Selbstreflexion der Ausstellung zu einem ihrer elementaren Teile, wie ein speziell eingerichtetes Residency-Programm und die Arbeit der Kunstvermittlung unterstreichen. Über ein Dutzend internationaler KünstlerInnen wird hierfür eingeladen, um die Fragestellungen von The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 zu diskutieren und auch die Konzepte der Ausstellung kritisch zu durchleuchten. Diese Auseinandersetzung wird innerhalb der Ausstellung mit dem Einrichten eines »Studios« einen konkreten Ort finden, an dem BesucherInnen, VermittlerInnen und KünstlerInnen gemeinsam künstlerisch-edukative Projekte, Workshops und temporäre Präsentationen verwirklichen und so The Global Contemporary mitgestalten und weiterschreiben. Schließlich wird auch der wissenschaftliche Diskurs, der mit dem Projekt GAM am Anfang stand, während der Ausstellungszeit in einem Rahmenprogramm fortgeführt und im Anschluss Eingang finden in einen umfangreichen Katalog.

Ausstellungsthemen:
Jeder Versuch, den Prozess der Globalisierung in seiner Gesamtheit zu erfassen, kann heute nur schnappschussartig einen vorübergehenden Zustand abbilden. Um dieser Situation Rechnung zu tragen, wird »The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989« in mehreren thematischen Bereichen unterschiedliche Aspekte herausgreifen, wie u. a. 1989 und die Folgen, Zeitgenossenschaft, die Migration der Bilder, das Ende des kunstgeschichtlichen Kanons, Repräsentationsstrategien der Kunst, Kunst und Politik, Kunstmarkt oder Identitäten im Kunstsystem. Die künstlerischen wie dokumentarischen Untersuchungen und Darstellungen dieser Themenfelder sind im Sinne temporärer Ansichten eines sich in steter Bewegung befindenden Ganzen zu verstehen – und erlauben es, auch ihren eigenen Blickwinkel zur Diskussion freizugeben.

Teilnehmende KünstlerInnen (u. a.):
Bani Abidi, AES Group, Halim Al-Karim, Halil Altindere, Francis Alÿs, Rasheed Araeen, Kader Attia, Yto Barrada, Richard Bell, Guy Ben-Ner, Tamy Ben-Tor, Ursula Biemann, Michael Bielicky & Kamilla B. Richter, Zander Blom, Santiago Borja, Luchezar Boyadjiev, Ondrej Brody & Kristofer Paetau, Erik Bünger, Roberto Cabot, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkacova, Chto delat?, Mansour Ciss Kanakassy & Baruch Gottlieb & Christian Hanussek, Com&Com, Minerva Cuevas, Neil Cummings & Marysia Lewandowska, Pauline Curnier Jardin, Manthia Diawara, Ala Ebtekar, Nezaket Ekici, Yara El-Sherbini, Elmgreen & Dragset, Erika & Javier, Doug Fishbone, Brendan Fernandes, Meschac Gaba, Thierry Geoffroy / Colonel, Ghana ThinkTank, Matthias Gommel, Josh Greene with Yangzi, Anawana Haloba Hobøl, Hong Hao, Khosrow Hassanzadeh, Mona Hatoum, Antonia Hirsch, Pieter Hugo, Ashley Hunt, Melanie Jackson, David Jablonowski, Christian Jankowski, Anna Jermolaewa, Jin Shi, JJ XI & Cai Yuan, Jompet, Martin Kippenberger, Agung Kurniawan, Surasi Kusolwong, Will Kwan, Moshekwa Langa, Ben Lewis, Liu Ding, Rafael Lozano-Hemmer, James Luna, Pooneh Maghazehe, Tirzo Martha, Gabriele di Matteo, Miao Xiaochun, Mirza/Butler, Nástio Mosquito, Krisna Murti, Jun Nguyen-Hatsushiba, Ni Haifeng, IRWIN und NSKSTATE.COM, Eko Nugroho, Mattias Olofsson, Adrian Paci, Leila Pazooki, Pavel Pepperstein, Pinky Show, Tadej Pogacar, Elodie Pong, Nusra Latifa Quereshi, Raqs Media Collective, Araya Rasdjarmrearnsook, Navin Rawanchaikul, RYBN, Ho-Yeol Ryu, Ruth Sacks, Chéri Samba, John Smith, Sean Snyder, Christa Sommerer & Laurent Mignonneau, SOSka group, Michael Stevenson, Hito Steyerl, Mladen Stilinovic, Jens M. Stober, Jim Supangkat, Superflex, Stephanie Syjuco, Tsuyoshi Ozawa, Tintin Wulia, The Xijing Men, Xu Bing, Zhou Tiehai

Kuratoren: Andrea Buddensieg, Peter Weibel
Co-Kuratoren: Jacob Birken, Antonia Marten
Curatorial Committee: N’Goné Fall, Patrick D. Flores, Carol Lu, Jim Supangkat
Kuratorin für Kunstvermittlung: Henrike Plegge
Wissenschaftliche Beratung: Hans Belting
Ausstellungsarchitektur: Kuehn Malvezzi mit Samuel Korn

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Begleitprogramm

Workshop mit Künstler und Aktivist Ashley Hunt
»A Worldmap: In Which We See...«
Do–So, 18.08.–21.08.2011, 11–17 Uhr

Der US-amerikanische Künstler und Aktivist Ashley Hunt wird gemeinsam mit den Workshopteilnehmenden die Weltkarte des künstlerischen Projektes »A Worldmap: In Which We See...« interpretieren, indem Zusammenhänge von globalen Themen, wie die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen sowie soziale Ein- und Ausschlussmechanismen thematisiert werden. Die Idee des Workshops ist es, die Weltkarte der Globalisierung mit ihren dargestellten Grenzziehungen und Machtverhältnisse in den Zusammenhang zu dem Ort Karlsruhe zu setzen. Lokale Themen, Fragen und Probleme werden durch Foto- und Soundaufnahmen im Stadtraum gesammelt und stellen somit eine Erweiterung der künstlerischen Arbeit dar. Die gewonnene Materialsammlung der Workshopteilnehmenden wird als »lokale Interpretation« zusammen mit der Weltkarte »A Worldmap: In Which We See...« in der Ausstellung »The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989« präsentiert.
Zu dem Workshop lädt Ashley Hunt Personen aus Karlsruhe und der Region ein, die sich für gegenwärtige Globalisierungsprozesse interessieren, sowie Personen, die in Strafvollzugsanstalten oder mit Flüchtlingen arbeiten.

Der Workshop findet in englischer Sprache statt. Eine deutsche Übersetzung wird angeboten. Anmeldung per Email: workshopszkm.de oder Tel.: 0721–8100 1330
Treffpunkt: Infotheke im ZKM_Foyer
Die Teilnahme ist kostenfrei

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D.I.Y. Learning-Weapon:
Context > Theory > Practice > Reflect (Repeat)

Ein dreitägiger Workshop, durchgeführt von den menschlichen VertreterInnen HR02 & HR03 der Pinky Show
Fr–So, 23.09.–25.09.2011
im ZKM | Museum für Neue Kunst, studio, 1. OG, 10–17 Uhr

Die »Pinky Show« ist ein internetbasiertes, künstlerisches Bildungsprojekt, welches gegenwärtige soziale und politische Probleme erörtert, wie bspw. die Konstruktion des »Anderen«, die andauernden Auswirkungen des Kolonialismus sowie Ausschlussmechanismen von öffentlichen Institutionen wie dem Museum. Dargestellt und verarbeitet werden diese Themen in Form von Comics und Videos, in denen sich animierte Katzen über die Beziehungen zwischen Geschichtsschreibung, Ideologien und Macht in einfacher und informeller Sprache austauschen. Der Workshop »D.I.Y. Learning-Weapon: Context > Theory > Practice > Reflect (Repeat)« findet im Rahmen der Ausstellung »The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989« statt und wird sich inhaltlich und praktisch mit unabhängigen Formen kritischer Forschung und radikalen Praktiken der Pädagogik auseinandersetzen.
Dabei werden folgende Fragen im Mittelpunkt stehen:
Wie können »Do-It-Yourself«-Medienproduktionen als eine Form der Selbstbildung genutzt werden? Wie können Individuen oder kleine Organisationen Gesellschaft, Geschichte und andere wichtige Dinge mit gestalten? Was sind die theoretischen und praktischen Zusammenhänge zwischen unabhängiger Medienproduktion und mehr Menschsein?

Der Workshop erfordert keine besonderen Vorkenntnisse und findet in englischer Sprache statt. Eine deutsche Übersetzung wird angeboten.
Weitere Infomationen: www.pinkyshow.org
Anmeldung per Email: workshopszkm.de oder Tel. 0721–8100 1330 Kosten: 30 € (inkl. Getränke); ermäßigt: 20 € (inkl. Getränke)

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Abbildung:
Anna Jermolaewa, Kremlin Doppelgänger, 2009
Fotoserie, je 50 x 35 cm, gerahmt
Courtesy Kerstin Engholm Galerie, Wien
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011

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