Dieter Huber [A] :: Klone #131 [1998/99], Klone #92 [1997]

»Der Paarungs-Vorgang und die Glieder, deren er sich bedient, sind von solcher Häßlichkeit, daß die Natur, wäre nicht die Schönheit der Gesichter, der Schmuck der Partner und der zügellose Drang, das Menschengeschlecht einbüßen müßte.« Leonardo da Vinci Dieter Huber - Landshapes.

Es sind diese Glieder, die Dieter Huber in »Klone #131« zeigt. Allerdings sind sie stark vergrößert, beschnitten - sie erscheinen fast verstümmelt - und auf seltsame Weise miteinander kombiniert, umgeben von grob strukturierten Hautwülsten. Männliches und weibliches Geschlechtsteil sind miteinander verschmolzen, aber nicht im von Leonardo erwähnten Vorgang, sondern zu einem Organ, das beide Geschlechter in sich vereint, wie in dem Körper eines Hermaphroditen.

Der Titel »Klone« verweist darauf, daß es sich um eine künstliche Schöpfung handelt, die nur als Bild besteht. Die Bearbeitung von Fotografien mit dem Computer erlaubt es Dieter Huber, diverse Körperteile miteinander zu kombinieren: Eine Brustwarze wird eins mit einem Mund, auf einem anderen Bild mit einer Zunge. In »Klone #92«, einem weiteren Bild Hubers im »Anagrammatischen Körper«, ist ein nacktes Paar in inniger Umarmung zu einem ewigen Kuß erstarrt, ihre Zungen sind zu einer verschmolzen. In den »Klonen«, die er aus menschlichen Körpern geschaffen hat, befaßt sich Huber mit der Geschlechtlichkeit, die jedoch nahezu monströse Formen annimmt. In extremer Detailgenauigkeit - jede Hautfalte, jede Pore ist sichtbar - und intensiver, künstlicher Farbe werden dem Betrachter Visionen der Veränderbarkeit und beliebigen Kombinierbarkeit der intimsten Körperbereiche vorgeführt, die eines Tages Wirklichkeit werden könnten. Die bei den »Klonen« gehäuft auftretenden hermaphroditischen oder gleichgeschlechtlichen Verbindungen führen den tradierten kausalen Zusammenhang zwischen Sexualakt und Reproduktion ad absurdum, so wie es heute schon bestimmte Methoden der Fortpflanzungsmedizin tun.
Die Serie der Klone beinhaltet neben den Körperbildern auch hybride Landschaften und botanische Konstruktionen.

Text: Barbara Filser

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