Ausstellungen 05|2010
13.05.–22.08.2010
Robert Wilson. Video Portraits
ZKM | Museum für Neue Kunst
Eröffnung: 12. Mai 2010, 19 Uhr, ZKM_Foyer

→ Information in English
→ www.robertwilson.com
Wenn der weltweit gefeierte Künstler Robert Wilson über seine
Videoporträts spricht, dann erzählt er zunächst von seinem Wunsch,
ästhetische und geistige Räume zu gestalten. Geprägt von einer
intensiven Bild- und Tonsprache, haben Wilsons »Darsteller« eine
überraschend sinnliche Präsenz. Mehr als dreißig dieser poetischen
Arbeiten sind im ZKM zu sehen. Sie zeigen theatralische Inszenierungen
von Hollywoodstars und Persönlichkeiten wie Brad Pitt,
Caroline von Monaco, Isabella Rossellini, Salma Hayek, Dita von
Teese, Robert Downey Jr., aber auch von Tieren und unbekannten
Passanten.
Wilsons Künstlertum konstruiert sich aus einer Reihe singulärer
persönlicher Erfahrungen (Sprachbehinderung), wie auch aus den
entscheidenden Impulsen der 1960er-Jahre (von Performance bis
Minimal Art), die auch in seine legendären Theaterinszenierungen seit den 1970er-Jahren einflossen. Seine ersten Videoporträts von
bedeutenden Persönlichkeiten wie Louis Aragon, Pontus Hultén,
Helene Rochas, von Passanten und Tieren schuf Wilson bereits
in den 1970er-Jahren. In seinen jüngsten Porträts nutzt er seit 2004
die technischen Möglichkeiten der High-Definition-Auflösung, die
es ihm erlaubt, den Reichtum seiner Bild- und Bühnensprache auszudifferenzieren.
Bewegung, Gestik, Make-up, Kostüm, Kulisse, Lichteinsatz, ebenso
wie die Stile der Hoch- und Popkultur, die klassischen wie neuen
Medien: Malerei, Design, Musik, Oper, Tanz, Theater, Fotografie,
Fernsehen, Film, etc. kommen in Wilsons Videoporträts zusammen.
Die dargestellten Persönlichkeiten verweisen dabei teils auf eigene
biografische Details, teils auf kulturgeschichtliche Quellen. Robert
Downey Jr. stellt beispielsweise den Leichnam von Rembrandts
Gemälde »Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp« (1632) dar, während
Brad Pitt die mimische Kraft seiner Schauspielkunst mit Pistole und
in Boxershorts demonstriert. Untermalt werden diese Tableaus teils
mit von Wilson selbst gesprochenen Texten und Musik bedeutender
Komponisten (u.a. Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven,
Raymond Scott, Tom Waits).
In seinen Porträts von unbekannten Menschen und Tieren erreicht
Wilsons komplexe Bild- und Tonsprache ihren Höhepunkt als Zelebrierung
der Empathie. Wilsons Videoporträts haben also eine die
Wahrnehmung erweiternde Funktion. In der Geschichte der Porträtmalerei
und des fotografischen Porträts stellen seine Videoporträts
eine Klimax dar, die wegweisend ist.
Konzept und Kurator: Peter Weibel
Produktion: Dissident Industries Inc.
Katalog:
»Robert Wilson Video Portraits«, Hrsg. von Peter Weibel, Harald Falckenberg und Matthew Shattuck. Karlsruhe 2011. Beiträge von Robert Wilson, Peter Weibel, Nicola Suthor, Ali Hossaini, Noah Khoshbin und Matthew Shattuck. 224 S. mit 5 Falttafeln, Hardcover mit Leinen – Text in dt. & engl. Sprache. ISBN: 978-3-86560-850-5. EUR 29, 80
Abbildungen:
Robert Wilson:
Brad Pitt, 2004
Dita von Teese, 2006
Johnny Depp, 2006
Dissident Industries Inc.,
© Robert Wilson
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