Ausstellungen 02|2010
07.02.-11.04.2010
Bense und die Künste
ZKM | Medienmuseum, Projektraum
Eröffnung: So, 07.02. um 11:00 in der Ausstellung
→ www.bense-und-die-kuenste.de
→ Information in English
→ Künstler der Ausstellung
→ Symposium »Weltprogrammierung. Max
Bense zum 100. Geburtstag«
Zum 100. Geburtstag des Philosophen Max Bense zeigt das ZKM
eine Ausstellung zu dessen internationaler Wirkung auf bildende
Kunst und Literatur. Die Ausstellung, mit der die Reihe »Philosophie
und Kunst« fortgeführt wird, stellt Bense als Dichter und Schriftsteller
vor, als Kunst- und Literaturtheoretiker sowie als Ausstellungskurator
und Publizist.
Bense, der von 1949 bis zu seinem Tod 1990 in Stuttgart wirkte,
propagierte im Nachkriegsdeutschland eine Ästhetik der »technischen
Existenz«, welche die medientheoretische Wende der Literatur-
und Geisteswissenschaften wie sie in den 1980er-Jahren erfolgte
um Jahrzehnte vorwegnahm. Seine Überlegungen zu Literatur und
Kunst waren dabei Teil eines umfassenden philosophischen Weltbildes,
das die naturwissenschaftliche und »technische Realität« der
Zivilisation aufzeigte und sich gegen romantische und mythologisierende
Tendenzen der deutschen Nachkriegskultur richtete. Bense
etablierte bereits damals einen Kulturbegriff, der – in der Tradition der
Aufklärung – die Geistesgeschichte der Mathematik, Physik und
Ingenieurwissenschaften einschloss.
Max Bense, der am 7. Februar 1910 in Strassburg geboren wurde,
studierte an der Universität Bonn Physik, Chemie, Mathematik, Geologie
sowie Philosophie, promovierte 1937 über »Quantenmechanik
und Daseinsrelativität« und arbeitete zunächst als Physiker der I.G. Farben in Leverkusen. Nach seinem Kriegseinsatz folgte Bense 1945
einem Ruf der Universität Jena. Doch bereits 1948 floh er nach Westdeutschland
und wurde 1949 zunächst als Gastprofessor und 1950
als Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an die Technische Hochschule Stuttgart berufen. Er lehrte zudem an der HfG
Ulm und der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
Bense verfolgte seine literarischen und künstlerischen Neigungen
als Publizist und Hörspielautor bereits während des Studiums. In
Stuttgart begann er ab 1957 auch Ausstellungen zu organisieren,
zunächst in der Galerie Gänsheide, dann in der von ihm gegründeten
Studiengalerie an der Technischen Hochschule Stuttgart. Er schrieb
über unzählige Künstler, Dichter und Literaten, unter anderem über
Max Bill, Lygia Clark, Alberto Giacometti, Almir Mavignier, Henri
Michaux, Mira Schendel und Paul Wunderlich sowie Alfred
Andersch, Haroldo de Campos, Reinhard Döhl, Eugen Gomringer,
Francis Ponge, Nathalie Sarraute und Gertrude Stein. Neben seinen
Ausstellungen und Essays schuf Bense weitere Foren für die Künste:
durch die Gründung der Zeitschrift »Augenblick« (1955) und die von
ihm und Elisabeth Walther edierte »reihe rot« (1960), in der u.a.,
Helmut Heissenbüttel, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Diter Rot
publizierten. Gleichzeitig entwickelte er, ausgehend von Semiotik
und Nachrichtentheorie ab Mitte der 1950er-Jahre eine »Informationsästhetik
«, die in ganz Europa Vertreter der konkreten und kinetischen
Kunst beeinflusste und ihn zum wichtigsten Theoretiker der
Pionierzeit europäischer Computerkunst machte.
Die Ausstellung mit Publikationen Max Benses sowie Grafiken,
Gemälden und Skulpturen der für Max Bense wichtigen oder von
ihm beeinflussten Künstlerinnen und Künstler wird ergänzt durch
Manuskripte und Fotografien und Aufzeichnungen seiner Hörfunkbeiträge
und Fernsehauftritte. Sie zeigt den Philosophen und seinen
Blick auf die »Kunst in künstlicher Welt« (1956).
Künstler der Ausstellung:
Kurd Alsleben, Max Bill, Hannelore Busse, Pierre Charbonnier, Lygia
Clark, Waldemar Cordeiro, Augusto de Campos, Haroldo de
Campos, Reinhard Döhl, Ian Hamilton Finlay, Pierre Garnier, Bruno
Giorgi, Matthias Goeritz, Eugen Gomringer, Ludwig Harig, Helmut
Heißenbüttel, Josef Hirsal, Oskar Holweck, Hugo Jamin, Ernst Jandl,
Hiroshi Kawano, Reinhold Köhler, Harry Kramer, Kurt Kranz, Theo Lutz,
Aloisio Magalhaes, Georges Mathieu, Almir Mavignier, Hansjörg Meyer,
Henri Michaux, Manfred Mohr, François Morellet, Frieder Nake, Georg
Nees, Günter Neusel, Heinz Pfahler, Décio Pignatari, Uli Pohl, Francis
Ponge, Diter Rot, Bernhard Sandfort, Mira
Schendel, Anton Stankowski, Karel Trinkewitz, Timm Ulrichs, Gerhard von Graevenitz, Oswald Wiener, Emmett Williams, Wols, Paul Wunderlich und Dolf Zillmann
Kuratiert von Margit Rosen, Jens Lutz, Miriam Stürner, Peter Weibel
Führungen: So 17:00 (ab 14.02.)
Fr–Sa 05.–06.02.10 in Stuttgart
Symposium »Weltprogrammierung. Max Bense zum 100. Geburtstag«
Fr 05.02. im Rathaus Stuttgart
Sa 06.02. in der Universität Stuttgart
Das Symposium des InternationalenZentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart diskutiert die Aktualität Benses im Computerzeitalter und überprüft die Relevanz von Konzepten wie »technische Existenz«, »Technizität« und »ästhetischer Zustand«. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen Benses Theorieentwürfe technischer und ästhetischer Welterzeugung, Weltveränderung und Welterhaltung.
Weitere Informationen: www.maxbense100.de
Das Symposium »Weltprogrammierung. Max Bense zum 100. Geburtstag« ist eine Veranstaltung des IZKT.
Max Bense vor einem Werk von Lucio Fontana, November 1966, © ZKM, Foto: Paul Sessner