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MultiMediale 3
Vorwort von Heinrich Klotz zur MultiMediale 3, 1993

[Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (Hg.), MultiMediale 3: das Medienkunstfestival des ZKM Karlsruhe, Ausst.-Kat., ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, ZKM, Karlsruhe, 1993]

"Die MultiMediale findet im fünften Jahr zum dritten Mal statt und hat die Bedeutung eines wiederkehrenden, über Karlsruhe hinauswirkenden Ereignisses angenommen. Die Themenstellungen und Akzentsetzungen haben von Mal zu Mal gewechselt, so wie auch die Veranstaltungsorte immer wieder andere waren. Die dritte MultiMediale findet dort statt, wo nach einer Frist von weiteren vier Jahren das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) ihren endgültigen Wirkungsort finden werden: im Hallenbau A der Industriewerke Karlsruhe Augsburg (IWKA), einer der größten historischen Fabrikhallen des Jahrhundertbeginns.
Wenn auch der Hallenbau auf seine Erneuerung wartet und im jetzigen Zustand nur bedingt nutzbar ist, so haben wir es doch gewagt, von unserem künftigen Domizil Besitz zu ergreifen und in ihm eine erste provisorische Unterkunft zu finden für die MultiMediale 3. Das Festival ist also unsere erste Aktivität, die im künftigen Sitz des ZKM stattfinden kann.
Wenn wir auch während der beiden ersten Festivals Wert darauf gelegt haben, daß Eigenproduktionen des ZKM das Veranstaltungsprogramm ergänzt haben, so wird die MultiMediale 3 ganz wesentlich von den Arbeiten der am ZKM wirkenden oder mit ihm zusammenarbeitenden Künstlern bestimmt.

Unter der Ägide von Jeffrey Shaw, des Leiters des Instituts für Bildmedien am ZKM, ist ein erster Überblick über die am ZKM erarbeiteten Medienwerke zustande gekommen, die in ihrer Vielfalt und in ihrem Phantasiereichtum zumindest bestätigen, daß mit den neuen Techniken auch eine neue Art von Kunstwerk entstanden ist, das die Zukunft der künstlerischen Entwicklungen entscheidend bestimmen wird. Die stark von einem experimentellen Geist bestimmten Resultate der Medienkunst können belegen, daß es nicht länger angebracht ist, diesen Arbeiten den Charakter von Kunstwerken abzusprechen. Sie enthalten die Kritik an einem Material, das die öffentlichen Medienanstalten ebenso benutzen dem bewegten Bild. Die Werke der Kunst übernehmen dieses Material, aber wenden es in einer neuen Dimension an, wo das Fernsehbild keine alleinige Geltung mehr hat. 'neuFundland' hat Jeffrey Shaw seine Ausstellung genannt: Die Fabrikhalle wird zu einem Terrain der Entdeckung und des Vorantastens in einem Land des ästhetischen und technischen Experiments.

Das Institut für Musik und Akustik im ZKM hat nicht nur Auftragswerke vergeben, sondern es tritt ebenfalls mit Eigenproduktionen, den Arbeiten der am Institut tätigen jungen Komponisten und Musiker, hervor. Die Gestaltung von Veranstaltungen der Musik und Performances, wie von Johannes Goebel und Heike Staff seit zwei Jahren realisiert, ist nicht zuletzt eine der wichtigsten Aufgaben des Instituts, das mit seinen Aktivitäten weit über das Festival der MultiMediale hinausreicht und das ganze Jahr über mit seinen experimentell kompromißlosen Veranstaltungen im Rahmen der Reihe 'ZKM in der Fabrik' hervortritt. Für die Musik am ZKM ist die MultiMediale 'der Rahm auf der Milch' dieser Veranstaltungsreihe. Die MultiMediale ist so erweist es sich an der Arbeit dieses Instituts kein Festival der Einladungen allein, sondern zugleich auch der eigenen Arbeit und der hausinternen musikalisch akustischen Produktionen. Dies unterscheidet das Karlsruher Festival von anderen Medienfestivals: Es ist ein Beweismittel eigener Praxis.

Auch die Ausstellung des Museums für Gegenwartskunst im ZKM ist eine Ausstellung des 'Eigenen', nämlich des Besitzes von Medienkunstwerken. Das Museum hat bereits auf der MultiMediale 2 einen ersten Überblick über seine Sammlung gegeben. Inzwischen ist der Bestand beträchtlich gewachsen, so daß auf unserem dritten Medienkunstfestival wiederum eine Auswahl der neu erworbenen Arbeiten gezeigt werden kann. Im Unterschied zu anderen Veranstaltungen vergleichbarer Art ist unsere Ausstellung keine Präsentation von Leihgaben, sondern eine Bekanntgabe von Beständen der inzwischen größten Sammlung der Medienkunst. Eine ähnliche Auswahl wie für die MultiMediale 3 ist im Jahre 1992 mit Ausnahme einiger Hauptwerke von Bill Viola, Wolf Vostell und Fabrizio Plessi aus Anlaß der Olympiade als Beitrag des Landes Baden Württemberg in der Fundació Joan Miro in Barcelona gezeigt worden und kommt nun nach Karlsruhe zurück.
Auch hier spielen die mit dem ZKM und der Hochschule für Gestaltung eng verbundenen Künstler eine dominierende Rolle.

Die MultiMediale 3 ist auch ein Zeichen dafür, daß es mit dem Aufbau von ZKM und HfG weitergeht. Trotz der allgemein schlechten Wirtschaftslage und trotz des Wechsels zweier Landesregierungen ist die staatliche und kommunale Förderung der beiden miteinander verbundenen Einrichtungen weitergegangen. Der Beschluß des Gemeinderats der Stadt Karlsruhe, eine Summe von 150 Millionen DM für den Bau des ZKM zu genehmigen, und der Beschluß der Landesregierung, auch die Hochschule für Gestaltung zusammen mit dem ZKM in dem IWKA Hallenbau unterzubringen, bilden die Grundlage dieser positiven Entwicklungen."

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