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MultiMediale 2
(28. Mai - 7. Juli 1991)


Fabrikhallen der ehemaligen Opel AG am Eingang der Hermann-Billing-Str.
Foto: Rainer Renk, © ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie

Die MultiMediale 2 bot mit Veranstaltungen und Ausstellungen von der elektronischen Musik bis zur Videoskulptur und vom interaktiven Lernobjekt bis zum Rotationshologramm einen Überblick über die neuen Möglichkeiten der Medienkünste und der Medientechnologie. Die Ausstellungen wurden in den Fabrikhallen der ehemaligen Opel-AG präsentiert; einige Konzerte wurden im Stephanssaal, im Konzerthaus und im Jugend- und Begegnungszentrum (JUBEZ) aufgeführt. Der Geburtstag des Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner bot den Anlaß, seine stadtplanerische Arbeit in Form einer Architektur-Siumlation zu präsentieren.


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Mit der Ausstellung des Leningrader Malers Matjuschin "Matjuschin und die Avantgarde" in den Räumen des Badischen Kunstvereins Karlsruhes, zeigte die MultiMediale 2 Aspekte des Rückbezugs der neuen Medien auf die Malerei.
Ein besonderes Ereignis zur Eröffnung der MultiMediale 2 war die Bekanntgabe der Einrichtung des Deutschen Medienkunstpreises . Das breitgefächerte Programm der MultiMediale 2 bestritten Künstler der unterschiedlichsten Herkunft und der unterschiedlichsten künstlerischen Disziplinen wie beispielsweise Michael Naimark, der Karlsruhe als Computersimulation präsentierte oder Skip Sweeny und Ed Tannenbaum, die zusammen mit 18 weiteren Künstlern die didaktischen Grundsätze des Exploratium San Francisco zeigten.
Zum Thema "Medientechnologische Apparate" trug die Blindenanstalt Frankfurt a.M. mit einer Installation bei, die Alltagssituationen und Natur wirklichkeitsnah in einen völlig lichtlosen Raum in Szene setzte. Das ZKM_Museum für Neue Kunst – damals noch "Museum für Gegenwartskunst" zeigte Exponate u.a. von Michael Bielicky, Klaus vom Bruch, Franziska Megert, Mary Jo Lafontaine, Nam June Paik und Wolf Vostell. Der musikalische Bereich wurde mit Installationen, Performances und Konzerten von Künstlern wie Peter Eötvös, Vito Orazem, Thomas Chapin Trio & Gary Lucas, Voice Crack, Jeff Gardner/ Andy Schloss Duo und einem Lautsprecherorchester abgedeckt.

Symposium: »Medienkunst - Tod der Kunst?«
Gesprächsleitung: Heinrich Klotz
Teilnehmende Künstler: Klaus v. Bruch, Marie-Jo Lafontaine, Franziska Megert, Walter Giers, Nam June Paik, Friederike Petzold, Jeffrey Shaw, Wolf Vostell und Peter Weibel


Vorwort aus:

MultiMediale 2
(Hrsg. Heinrich Klotz)
Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, 1991



Mit der MultiMediale 1991, dem im zweijährigen Turnus stattfindenden Festival des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, setzen wir das 1998 mit der 1. MultiMediale Begonnene fort und geben auch heute wieder einen Überblick über die vielfältigen Entwicklungen in den Bereichen der Medienkünste, der Medientechnologie und der elektronischen Musik. Dieser Überblick kommt in manchen Teilen einem Rückblick und Resümee gleich, in anderen Teilen eröffnet er die Aussicht auf neue Möglichkeiten der Medienkunst.

Mit unserem Programm berücksichtigen wir einen Großteil der Aspekte, die in das breite Spektrum der Medienkünste und der Medientechnologie einbezogen sind. Von der elektronischen Musik bis zur Videoskulptur, vom interaktiven Lernobjekt bis zum Rotationshologramm geben unsere Veranstaltungen und Ausstellungen einen Überblick über die neuen Möglichkeiten der Medienkünste und der Medientechnologie. Jedoch verzichten wir vorerst auf die Darstellung der heutigentags so intensiv diskutierten Möglichkeiten einer “virtual reality“, der Herstellung “künstlicher Wirklichkeit“, da die äußeren Bedingungen für ein großes Publikum ungünstig sind und der obligatorische Simulationshelm nicht jedermann übergestülpt werden kann.

In den Fabrikhallen der ehemaligen Opel AG – vom Badenwerk und dessen Vorstandsvorsitzenden Dr. Benz dem ZKM für einige Wochen freizügig zur Verfügung gestellt werden die Ausstellungen präsentiert und finden die Veranstaltungen der MultiMediale statt. Einige Konzerte werden zudem im Stephanssaal, im Konzerthaus und im Jugend und Begegnungszentrum (JUBEZ) gegeben.

Der Geburtstag des großen Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner bot ferner den Anlaß, einen seiner bedeutendsten Karlsruher Bauten, die evangelische Kirche am Marktplatz, in die Szenerie der “MultiMediale“ einzubeziehen und in der neu eröffneten klassizistischen Krypta dem Publikum mit Hilfe einer Videosimulation zu zeigen, wie Weinbrenners Karlsruhe ausgesehen hätte, sofern seine Pläne vollständig verwirklicht worden wären.

Und es kommt noch ein weiterer Ort hinzu, an dem sich die MultiMediale von den neuen Medien zurückbezieht auf die klassischen Künste, auf die Malerei, die in den Räumen des Badischen Kunstvereins Karlsruhe mit der Ausstellung “Matjuschin und die Leningrader Avantgarde“ eine angemessene Umgebung gefunden hat. Der Leningrader Maler Matjuschin, Freund Malewitschs, Tatlins und Filonovs, hat als ausgebildeter Musiker interessante Farbstudien betrieben and im Sinne einer Synästhesie, einer Verbindung der Künste, den Versuch unternommen, Klänge auf Farben zu beziehen, also mit klassischen Mitteln nach den Möglichkeiten eines multimedialen Gesamtkunstwerks gesucht (eigener Katalog).

Schließlich möchte ich an dieser Stelle auf ein besonderes Ereignis aufmerksam machen: Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ist in die Lage versetzt, bei Eröffnung der MultiMediale 2 die Einrichtung des “Deutschen Medienkunstpreises 92“ bekanntgeben zu können. Dieser Preis wird vom Siemens Kulturprogramm gestiftet und mit einem Preisgeld von 100.000 DM dotiert.

Zusätzlich zum “Deutschen Medienkunstpreis“ hat das Siemens Kulturprogramm dem ZKM zwei Projektstipendien für Medienkünste von 15.000 DM jährlich zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns, die 2. MultiMediale unter solch nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Künstler günstigen Umständen eröffnen zu können.

Heinrich Klotz


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Multimediale 2 - „Zuschauerraum“ in den Opelwerkstätten vor dem Bühnenbild zu „Blaugrau bleibt Blaugrau“ - Elektromechanisches Ballett nach Andor Weiningers Abstrakter Revue von 1926 - Hier in einer computergesteuerten Rekonstruktion der Kunsthochschule Kassel.
Foto: Rainer Renk, © ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie

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