: ZKM :: Artikel :: Bewohnbare Bibliotheken | Text Eichinger
 
 

  

Ausstellungen 08|2009

01.08.–30.08.2009
Bewohnbare Bibliotheken
Eine Ausstellung mit Arbeiten von ArchitekturstudentInnen der ETH Zürich auf dem ZKM_Musikbalkon

zurück zum Intro

Gregor Eichinger, ETH Zürich

bof! "Benutzeroberfläche"
Der Lehrstuhl für Architektur und Entwurf bof! "Benutzeroberfläche" der Professur Gregor Eichinger an der ETH Zürich beschäftigt sich mit den sinnlichen Beziehungen zwischen der Architektur und dem Menschen mit seinen Bedürfnissen, seinen Ritualen und Verhaltensweisen. Als Benutzer steht dieser im Mittelpunkt des Interesses.
Im Sinne einer direkten körperlichen und emotionalen Vermittlung soll die Aufmerksamkeit auf die physische Präsenz der Oberflächen eines Bauwerkes gelenkt werden. Dadurch wird Architektur nicht nur als abstraktes räumlich-ästhetisches Phänomen verstanden, sondern direkt atmosphärisch erfahrbar gemacht.
Diese Herangehensweise erfordert bei der planerischen Bearbeitung besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Proportionen des Raumes, seiner Ausstattung, Möblierung und Materialisierung, sowie hinsichtlich der Raumakustik, Belichtung und Beleuchtung, und der Durcharbeitung des Entwurfes bis hin zu Ausführungsdetails. Dabei sollen alle Sinne adressiert werden. Neben architektonischen Referenzen werden in die Entwurfsarbeit auch angrenzende Kulturbereiche wie Musik, Kunst oder Philosophie als Inspirationsquellen mit eingeschlossen.

Das Prinzip "Bauherr"
Um die Beziehung der Architektur mit ihrem Benutzer ins Zentrum zu rücken, werden jeweils reale „Bauherren“ in die fiktiven Semesterentwurfsaufgaben eingebunden. Die Studenten werden so mit der persönlichen Perspektive des Nutzers konfrontiert. Gleichzeitig wird dadurch die interaktive soziale Komponente im architektonischen Gestaltungsprozess thematisiert.
Die Studenten haben sich in der Vergangenheit bereits mit Bauherren wie dem Leiter des MAK in Wien Peter Noever, dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier, der Zürcher Kuratorin Bice Curiger, oder dem Direktor von Avenir Suisse Thomas Held auseinandergesetzt.
Ziel dieses Vorgehens ist es, eine reale Situation Bauherr-Architekt zu simulieren und in der Planung so sensibel auf das Gegenüber zu reagieren, dass sich der Auftraggeber im Idealfall durch das fertige Planungsergebnis in seinen geheimen Wünschen erkannt, überrascht und inspiriert fühlt.

"Denkräume" für Peter Sloterdijk und Peter Weibel
Im Herbstsemester 2008 war es die Aufgabe der Studenten, Peter Sloterdijk und Peter Weibel ein ganz persönliches Stück Architektur nach deren individuellen Wünschen und Bedürfnissen "auf den Leib zu schneidern". Für je einen der beiden Bauherren sollten "Denkräume" entworfen werden. Die Studenten sollten einen Lebensraum planen, in dem das Wohnen und Arbeiten mit Büchern und die Konzentration auf geistige Arbeit im Zentrum steht. Als Planungsort standen einerseits der kontemplative Park einer herrschaftlichen Villa in Zürich und andererseits ein ländliches Wiesengrundstück in exponierter Lage über dem Zürichsee zur Wahl. Nach einer kurzen Vorbereitungsphase lernten die Studenten ihre "Auftraggeber" bei einem ersten Treffen kennen, um im gemeinsamen Gespräch die Bauherren-Persönlichkeit, ihre speziellen Bedürfnisse und ihren konkreten Architektur-Wunsch kennenzulernen. Der Entwurfsprozess sollte sich von innen nach außen entwickeln. Der Schwerpunkt der Projektbearbeitung lag auf der Benutzeroberfläche.
Das fertige Projekt wurde den Auftraggebern dann am Semesterende in Form einer Schlusspräsentation persönlich vorgestellt. So konnten Peter Sloterdijk und Peter Weibel direkt auf die Ergebnisse reagieren.

^

© 2017 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits