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Veranstaltungen 09 | 2009

Fr–Sa, 25.–26.09.2009
LAW: Liebe Arbeit Wissen
Diskurs – Konzert – Hörspiel – Film

Ein Festival im ZKM
Veranstaltet vom Bayerischen Rundfunk / Hörspiel und Medienkunst, dem ZKM | Karlsruhe und dem VMK – Vertiefung mediale Künste / Zürcher Hochschule der Künste / Department Kunst und Medien
im ZKM_Medientheater und ZKM_Kubus

Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen des Festivals!

Programmheft als PDF
(bitte beachten Sie, dass sich die Teilnehmerinnen der Diskussionen geändert haben. Die aktuellen Teilnehmer finden Sie auf dieser Webseite!)
Programm Freitag
Programm Samstag

Information in English

Liebe, Arbeit, Wissen. Reduziert man diese drei Worte auf ihre Anfangsbuchstaben, fügen sie sich zu einem noch gewichtigeren Wort: L – A – W wie »law«, das englische Wort für Gesetz. Die Herrschaft eines Gesetzes klingt auch im Zitat des schillernden Psychoanalytikers Wilhelm Reich an, dem diese drei Worte entstammen: »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen.« Ein Satz, den es auch heute noch zu hinterfragen lohnt.
Liebe in Zeiten der Einsamkeit, nach der feministischen Emanzipation und inmitten von Internetpartnerbörsen und Cybersex. Arbeit in Zeiten von Prekariat und Wirtschaftskrise. Wissen in Zeiten der Informationsflut und der Rückkehr des Glaubens. Ein Veranstaltungs-
wochenende, das zu erkunden versucht, was diese drei kleinen, großen Worte zu Beginn des digitalen 21. Jahrhunderts bedeuten. Beherrschen Liebe, Arbeit und Wissen unser Leben, oder geht es nicht schon immer ausschließlich um Sex, Macht und Geld?

Programm

Freitag, 25.09.

20 Uhr ZKM_Kubus
»Liebe« im Diskurs
Podiumsdiskussion mit Sibylle Berg, Barbara Vinken und Gerhard Johann Lischka
Moderation: Ania Mauruschat

22 Uhr ZKM_Medientheater
Thomas Meinecke / Move D »WORK«
Performance / Konzert
Bereits in den 1920er-Jahren konnte man in den USA eine etymologische Vermischung der Sphären Arbeit und Liebe wahrnehmen, als nämlich die Bezeichnung »working girls« sowohl für junge, berufstätige Frauen, aber auch für Prostituierte stand. Im subkulturellen Jive bildete sich die Silbe »work« zunehmend zu einer Vokabel für selbstbestimmte, nicht selten sexuell dissidente Aktivitäten aus, bis sie in der überwiegend queeren, zumeist lateinamerikanischen Subkultur der (von Judith Butler und Madonna glorifizierten) »voguenden« Ballsäle Spanish Harlems zu einem zentralen Terminus wurde. Die »Underground House Music« New Yorks, Chicagos »Booty Bass« oder Detroits »Ghetto-Tech« nutzt die Vokabel bis heute im Kontext kaum verhohlener sexueller Metaphern (»work my body over«). David Moufang und Thomas Meinecke haben sich durch das Repertoire dieser aufregenden Musik »ge-arbeitet« und produzieren aus unzähligen Samples, gepaart mit Aussagen einschlägig Involvierter (dance veterans, drag queens, DJs) einen hypnotischen Mix.
Im Anschluss an die Performance legen Thomas Meinecke und David Moufang Platten auf.

Samstag, 26.09.

13 Uhr ZKM_Medientheater
»Ein schwebendes Verfahren« – Vier Hörspiele
Ausgangsmaterial für das Projekt, das Alexander Tuchacek und Eran Schaerf mit Milos Mihajlovic, Alida Müschen, Roman Schürch und Vlada Maria – vier Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste – erarbeitet haben, ist ein Buch der Journalistin und Schriftstellerin Laure Wyss: »Ein schwebendes Verfahren. Mutmaßungen über die Hintergründe einer Familien-
tragödie. Eine Dokumentation« (1981). Ein junger Mann, zum Zeitpunkt der Tat 20 Jahre alt, bringt Silvester 1976 in Zürich aus nichtigem Anlass seine Eltern um. Osman Keskin ist türkischer Staatsangehöriger, sein Vater war Architekt, seine Mutter besaß einen Kosmetiksalon. Seit 16 Jahren lebten sie in der Schweiz. Er sollte studieren. Kein Gastarbeiter- oder Randgruppenproblem also. Oder doch?

16 Uhr ZKM_Kubus
»Arbeit« im Diskurs
Podiumsdiskussion mit Bazon Brock
Moderation: Ania Mauruschat, Julian Doepp

19 Uhr ZKM_Kubus
Jan Peters »Lost Tapes Found 1, 2, 3« – Drei Filme
Der für die Filme und Hörspiele von Jan Peters typische autobiographische Ausgangspunkt ist in »Lost Tapes Found 1, 2, 3« ein Garagentor, mit dem sich plötzlich eine fast vergessene Welt öffnet. Mitten im Durcheinander von unzähligen Filmdosen, Tüten voller Audiotapes, Kisten ungeordneter Videobänder und Stapeln selbstentwickelter Fotos findet sich ein Exemplar des Manifests »Das Recht auf Faulheit« von Paul Lafargue aus dem Jahr 1883. Es ist der Satz »Die einzige akzeptable Wirtschaftsform in dieser Gesellschaft ist die Sperrmüllabfuhr« im Vorwort von Aslan V. Grimson, der den Hörspielautor davon abhält, den Inhalt der Garage in Gänze zum Recyclinghof zu bringen. Stattdessen wird alles in sein Atelier verfrachtet und Stück für Stück auf (ökonomische) Auswertbarkeit überprüft. Mit viel Witz und (Selbst-)Ironie sucht Jan Peters in seinem unverhofft wiederentdeckten Bild-, Ton- und Textarchiv nach Antworten auf die großen (und kleinen) Lebensfragen.

20 Uhr ZKM_Kubus
»Wissen« im Diskurs
Podiumsdiskussion mit Hans Belting und Peter Weibel
Moderation: Julian Doepp

22 Uhr ZKM_Medientheater
Ammer & Console »Have You Ever Heard Of Wilhelm Reich?«
Performance / Konzert

Am Ende glaubte Wilhelm Reich, der Schüler von Freud und Freund von Einstein, ein Abkömmling einer himmlischen Rasse zu sein. Da hatte er bereits alle Probleme der Menschheit gelöst. Egal, ob früh als genialer österreichischer Psychiater (»Die sexuelle Revolution«), später als hellsichtiger Analyst der Weltkrise (»Die Massenpsychologie des Faschismus«), dann als Kommunist und Sexualpolitiker (Sexpol) oder am Ende – nach seiner kryptischen Entdeckung der Orgonenergie – als Krebsheiler und Regenmacher in der amerikanischen Wüste (Das »ORANUR-Experiment«). Wilhelm Reich hat alle Rätsel der Welt und auch die des Weltraums gelöst. In Andenken an das Universalgenie haben Andreas Ammer & Console aus geheimen Akten des FBI, aus der öffentlichen Geschichte der Pop-Musik und aus anderen obskuren Archiven erbitterte Tracks erschaffen, die wie ein Musical des Weltgeists oder ein akustischer Orgon-Akkumulator funktionieren.

Weitere Informationen: www.bayern2.de

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