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"Hi-Res"
(20 Minuten)

Nachdem sich Louis Dufort über die letzten Jahre damit beschäftigt hat speziell für Instrumente und Live-Elektronik zu komponieren, kehrt er mit seinem Stück Hi-Res, wieder zu seinen akusmatischen Ursprüngen zurück, die nun durch ein mehrkanaliges System verbessert werden. Obwohl ausschließlich akusmatisch, ist Hi-Res zweifellos von der Erfahrung mit traditionellen Orchesterinstrumenten stark geprägt; durch die Arbeit mit Klangfarbmischungen, die mit akustischen Mitteln, als auch mit Resonanzen der elektronischen Synthese, ein tiefes Gefühl einer intimen Fusion zwischen beiden Arten von Resonanzen erreicht.

In Gegensatz zu den so genannten "Misch" Werken, bei denen ein Diskurs zwischen akusmatischen und gegen performativen Bereichen gespannt wird, existieren alle Resonanzen in Hi-Res auf der selben Ebene und mit dem selben Grad an Abstraktion: die Tatsache, dass Resonanzen allein aus den Lautsprechern klingen, verleiht dem Lautsprecher den selben Status wie ein akustisches Objekt.

Deshalb kann eine Art Homogenität beabsichtigt werden, die der Reibung, der zwei extrem kontrastierenden Klangquellen entspringt: befreit von ihren jeweiligen konnotativen Netzwerken, bekommen sie den gleichen Wahrnehmungs- und narrativen Kontext. Diese Arbeit erforscht, wie Bedeutungseinheiten an den Klangobjekten angewendet werden können, die von ihrer eigenen Natur aus, verschieden sind: während ihre eigenen Eigenschaften erhalten sind, verschmelzen diese Klangfarben zu einer vereinten klanglichen Konstruktion. Tatsächlich, obwohl das Ohr des Zuhörers die verschiedensten klangfarblichen Unterschiede wahrnehmen kann, werden sie schließlich ineinander übergehen, während sie eine überschreitende Einheit des Diskurses summieren, anstatt in ihren eigenen spezifischen Materialqualitäten zu verharren. Jenseits von diesem demokratischen Vorteil liegt ein anderer, praktischer Vorteil: ohne die Anwesenheit des Ausführenden, ist es möglich, weit über die Grenze der Durchführbarkeit der herkömmlichen instrumentalischen Praxis gehen zu können.

Die Tatsache, dass Hi-Res auf diesem Mischverfahren fundiert, impliziert eine Klangwelt, die entsprechend dicht ist, in die der Zuhörer mitten in eine Welt zwischen dem Realen und dem Virtuellen eintaucht. Außerdem wird die Einzigartigkeit der Erfahrung des Zuhörers im Kontext eines realen, physischen Eintauchens verstärkt.

Ein besonderer Dank geht an Darren Copeland, der mich seine Stimme sampeln ließ...

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