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Francis Dhomont
"Brief an den Vater"
5.0 Version, ZKM, 2006


Das Stück handelt – natürlich – von dem berühmten Brief, den Kafka an seinen Vater schrieb, aber nie abschickte. Ich habe nur wenige Sätze aus diesem langen, furchterregenden Brief genommen. Ausgewählt habe ich sie aufgrund der Genauigkeit, mit der sie den Kummer Kafkas gegenüber dem Vater ausdrücken, aber insbesondere, weil sie die Natur des Autoren preisgeben, die Art, wie er geformt wurde und ebenso ein Substrat seiner literarischen Themen darstellen. Mehr als acht Jahre habe ich an einem langen Opus über diesen Autoren und seine Werken gearbeitet. Die Aufnahmen für „Brief an den Vater“ entstanden im Jahre 2002 und sollten der Entwicklung des Werkes helfen. Die fantastische Art und Weise, wie Hans Tutschku diesen verletzenden, gleichzeitig intimen und tragischen Text einsprach, bewegte mich dazu, ihm einen besondern Platz in diesem Stück zu widmen.

Was habe ich also mit all dem angefangen? Hier betrachte ich erstaunt diesen Hybrid; der nicht wirklich Musik ist noch Hörspiel, der aus Klängen besteht, aus Worten, Bildern und der sich jeder Art von Einordnung entzieht. Ich versuche es mit „Essay“.

Um zu schließen, ein paar Worte über die Eigenschaften des Klangmaterials. Sie sind hauptsächlich von der Stimme des Sprechers abgeleitet, teils erzählend, manchmal einfach nur stimmlich, bisweilen sind sie in reinen Klang verwandelt. Eine Art von Diskurs; roh, zaghaft, ohne jede Art von Verführung. Dieses Risiko musste ich eingehen.

Francis Dhomont

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