Ausstellungen 04|2008
05. April – 24. August 2008
Rom – offene Malerei. Das Materialbild
im Italien der 1950er und 1960er Jahre
Im Rahmen der Europäischen Kulturtage Rom, 04.04.-26.04.2008
ZKM | Museum für Neue Kunst
Ausstellung: 05.04.-24.08.2008
Eröffnung: 04.04.2008, 18 Uhr im ZKM_Foyer
→ Information in English
→ Katalog
→ Kurzfilm zur Ausstellung
(
QuickTime, 6.25 min.)
Im Gefolge der »Materialkultur« der Konstruktivisten
und des »Polymaterialismus« der Futuristen hat sich
bereits in den 1920er-Jahren eine Bild- und Malerei-
Konzeption entwickelt, die auf Ölfarbe und Leinwand
verzichtete. In den 1950er-Jahren setzte dann in Italien
die künstlerische Auflösung und Zerstörung des
Tafelbildes ein. Man ging dazu über, eine Trennung
von Tafel und Bild vorzunehmen, eine Entwicklung,
die für die Kunstgeschichte weitreichende Folgen
hatte. Einige Künstler – von Alberto Burri bis Lucio
Fontana – verfolgten den Weg der Abstraktion nicht
weiter. Sie setzten sich damit von allgemeinen
Tendenzen, wie sie beispielsweise im New Yorker
Abstrakten Expressionismus der 1950er-Jahre
herrschten, ab.
Nicht nur der Abbildung der gegenständlichen
Welt verweigerte man sich, sondern auch
den Mitteln der Malerei: Öl und Leinwand. Die italienischen
Avantgardekünstler durchschlitzten und durchlöcherten
die Leinwand. Man wölbte sie in den Raum,
presste, schichtete oder dehnte sie aus. Auf diesen
Arbeiten gibt es keine Bilder mehr, sondern nur die
Leinwand selbst. Diese Vorlage nutzend wurde von
anderen Künstlern wie Giuseppe Uncini, Agenore
Fabbri oder Paolo Scheggi die Leinwand selbst ausgetauscht durch Plastikfolien, Holz, Metall, Marmor
oder Beton. Von Farbe und Bild vollzog man den
Schritt hin zu Materialtafeln. Dieser Rückzug auf das
Material war nicht nur ein radikaler und früher »Nullpunkt« der Malerei, sondern auch der Beginn der
Materialkunst, die den Weg frei machte, die Leinwand
mit kunstfremden Materialien und Gegenständen
zu besetzen, wie es in der Folge Nouveau Réalisme
und die Pop-Art in den 1960er-Jahren taten.
Robert Rauschenberg (siehe seine »Combine Paintings«) und andere, die als Stipendiaten im Rom der
1950er-Jahre gelebt hatten, nahmen die Impulse auf
und transportierten sie nach Amerika.
Die Mehrzahl der ausgestellten Arbeiten kommt
aus der Sammlung der VAF-Stiftung, der bedeutendsten
Sammlung der italienischen Moderne und
Partner des ZKM | Museum für Neue Kunst. Weitere
Arbeiten aus öffentlichen Museen und Privatsammlungen
erweitern das Spektrum der gezeigten Werke.
Kuratiert von Peter Weibel
Projektleitung: Andreas F. Beitin
In einem Begleitprogramm werden Filme zum
Thema Rom der 1950er-Jahre gezeigt: u.a. Roberto
Rossellini »Rom – offene Stadt«, Federico Fellini »La
dolce vita«, Pier Paolo Pasolini »Accattone – Wer nie
sein Brot mit Tränen aß«
Führungen: Sa 14 Uhr
KünstlerInnen der Ausstellung
·
Getulio Alviani ·
Giovanni Anceschi ·
Enrico Baj ·
Franco Bemporad ·
Remo Bianco ·
Alberto Biasi ·
Agostino Bonalumi ·
Davide Boriani ·
Alberto Burri ·
Arturo Carmassi ·
Nicola Carrino ·
Enrico Castellani ·
Ettore Colla ·
Gianni Colombo ·
Roberto Crippa ·
Dadamaino ·
Gabriele de Vecchi ·
Lucio del Pezzo ·
Agenore Fabbri ·
Lucio Fontana ·
Pinot Gallizio ·
Edoardo Landi ·
Ugo La Pietra ·
Francesco Lo Savio ·
Edgardo Mannucci ·
Piero Manzoni ·
Enzo Mari ·
Gino Marotta ·
Sandro Martini ·
Manfredo Massironi ·
Fabio Mauri ·
Mattia Moreni ·
Ennio Morlotti ·
Pierluca ·
Enrico Prampolini ·
Andrea Raccagni ·
Mimmo Rotella ·
Angelo Savelli ·
Salvatore Scarpitta ·
Paolo Scheggi ·
Giuseppe Spagnulo ·
Giuseppe Uncini ·
Grazia Varisco ·
Publikation
Materialbild
Material picture. Immagine materiale. Italia 1950 – 1965
Hrsg. von Peter Weibel
Mailand (Silvana Editoriale), 2009
Enrico Prampolini, Astrazione Plastica, 1954, MART - Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, Fondazione VAF, © Foto: Archiv VAF-Stiftung / MART.
Mimmo Rotella, Buon compleanno, 1955, zerrissene Plakate auf Jute, 83 x 108 cm, Hannover, Sprengel Museum, Dauerleihgabe der VAF-Stiftung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007, Foto: MART
Giuseppe Uncini, Cementarmato lamiera, 1959, Zement und Eisen, 195 x 187 x 10 cm, MART - Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, Fondazione VAF, © Giuseppe Uncini, Foto: MART
Alberto Burri, Wheat, 1956, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Foto: Walter Klein, Düsseldorf
^