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Ausstellungen 12|2007

15.12.2007-30.03.2008
Paul Thek. Werkschau im Kontext
zeitgenössischer Kunst

ZKM | Museum für Neue Kunst
Eröffnung: 14.12.2007
Ausstellung: 15.12.2007-30.03.2008

Information in English
Kurzfilm zur Ausstellung
   (QuickTime, 1.35 min.)
www.zkm.de/thek

Mit Arbeiten von Paul Thek und Franz Ackermann, Kai Althoff / Robert Elfgen, Cosima von Bonin, Björn Dahlem, Sebastian Hammwöhner / Dani Jakob / Gabriel Vormstein, Rachel Harrison, Axel Heil / John Isaacs, Thomas Hirschhorn, Andreas Hofer, Mike Kelley, Jon Kessler, Suchan Kinoshita, Martin Kippenberger, Jonathan Meese, John Miller, William Pope.L, Gregor Schneider, Zeger Reyers / Lee Ranaldo, Bob & Roberta Smith sowie einem Sonderbeitrag von Peter Hujar und Edwin Klein.

Paul Thek (1933-1988) gilt als Künstler mit Kultstatus. Die bislang umfassendste Werkschau des Künstlers befasst sich mit der phänomenalen Wirkung seines Werks in der Gegenwartskunst und bestimmt Theks geschichtliche Bedeutung: vom legendären Außenseiter zum Mittelpunkt und Begründer einer Kunstströmung. Es ist gelungen, über 300 Werke Paul Theks zusammenzutragen, die sich zum Großteil in Privatbesitz befinden und daher in der Öffentlichkeit bisher nur selten gezeigt wurden.

In seiner anti-heroischen Vielstimmigkeit und Multimedialität und mit seinen Re-ferenzen auf Kunst, Literatur, Theater und Religion gehört das Werk (Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Skulptur und raumgreifende Environments) von Paul Thek zu den zentralen Quellen des Auf- und Ausbruchs der Kunst der 1960er Jahre. Nicht zuletzt deswegen ist ihm eines der frühen theoretischen Meisterwerke dieser Epoche, »Against Interpretation« (1962, dt.: »Kunst und Antikunst«, 1966) von Susan Sontag, gewidmet. Die Abgüsse auch eigener Körperteile, Wachs-Repliken von menschlichem Gewebe, Haaren, Zähnen und Knochen in Plexiglaskästen, die er zwischen 1964-67 unter dem Titel »Technological Reliquaries« herstellte, haben in ihrer Mischung aus Begehren und Abstoßung, aus Verfall und Pathos, der Welt der Ware und der Verklärung des Alltäglichen wie der Idealisierung und der Theatralisierung der korporativen Minimal Art die Wahrheit des Körpers entgegengehalten. Er hat damit nicht nur Zeitgenossen wie Vito Acconci und Bruce Nauman, sondern auch Künstler der Gegenwart wie Mike Kelley und Paul McCarthy, Kai Althoff und Jonathan Meese, Cosima von Bonin und Zeger Reijers, Robert Gober, Damien Hirst und Matthew Barney beeinflusst. Seine obsessiven, oft mystischen Inhalte, die ihn zu einem Begründer der Abject Art und Environments, bzw. Ensembles machten, wurden auf eine formale Weise vorgetragen, die den Weg öffnete für die Mischung aus Ateliersituation und totaler Raumgestaltung, aus privaten und allgemeinen Ikonen, aus profanen und religiösen Gegenständen, aus Alltag und Mythos, von beschädigten Objekten zur fragmentarischen Anhäufung gefundener Materialien, wie sie KünstlerInnen von Anna Oppermann bis Thomas Hirschhorn vorangetrieben haben.

Paul Thek ist der Inbegriff eines »Künstler-Künstlers«, dessen Einfluss bis in die jüngste Künstlergeneration reicht. Unsere Auswahl konzentriert sich - mit Ausnahmen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit - auf die Werke jüngerer KünstlerInnen, die in einem engen Bezug zu Theks vielfältigem Schaffen stehen. Ausgehend von seinen Ansätzen zeigen sich deren Arbeiten als selbstständige Positionen im gegenwärtigen Kunstbetrieb. Vor diesem Hintergrund wird das Werk Paul Theks aus einer aktualisierten Perspektive in den Blick genommen. Damit dienen die präsentierten Arbeiten Theks zugleich als Ausgangspunkt zur Erkundung der Arbeiten der anderen in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen.

Als Amerikaner im Exil in Europa, wie schon die Lost Generation und die Beat Generation, fand Paul Thek nach Ausstellungen in der New Yorker Stable Gallery 1964 und 1967, rasch die Anerkennung in Europa (documenta 4, 1968; documenta 5, 1972; Biennale di Venezia, 1976; »Westkunst«, Köln 1981). Zu seinen bekanntesten Werken gehören »The Procession« (Stedelijk Museum Amsterdam, 1969), »Pyramid/A Work in Progress« (Moderna Museet, Stockholm, 1971) und »The Tomb-Death of a Hippie« (Whitney Museum of American Art, New York, 1967). Inspiriert vom Baustil ägyptischer Pyramiden und europäischer Kathedralen versuchte er Umwelten zu schaffen, die einerseits auf Blut und Eingeweide, Fleisch und Knochen verwiesen, wie die unio mystica beispielsweise von Hermann Nitsch, sich also auf die Aura christlicher Reliquien beriefen. Andererseits sah er mit großer Schärfe die Zerstückelung des Körpers in Körperorgane, d.h. in Körper ohne Organe und Organe ohne Körper, im Zeitalter der medialen und gentechnischen Reproduktion voraus, wie sie in der Philosophie von Gilles Deleuze später formuliert werden sollte. Kunst und Leben verschmolzen in Theks Werk, das er als ein »work in progress« aus ephemeren Objekten, unstabilen Materialien und zeitlich begrenzten Installationen verstand und in dem das Band zwischen natürlicher, organischer und künstlicher, technischer Welt neu geknüpft wurde.
Die Ausstellung wird auch in den Phoenix-Hallen der Sammlung Falckenberg in Hamburg (31.05.-14.09.2008) gezeigt.

Kuratiert von Roland Groenenboom, freier Kurator und Thek-Spezialist, Gregor Jansen, ZKM | Museum für Neue Kunst und Harald Falckenberg, Hamburg, unter Mitarbeit von Axel Heil und Margrit Brehm.

Zu der Ausstellung im ZKM ist eine Monografie erschienen (Hg. Axel Heil). Im April 2008 wird eine umfangreiche, wissenschaftliche Publikation vorliegen (MIT Press), herausgegeben von Harald Falckenberg und Peter Weibel.


[1]
Paul Thek: Untitled (#79), 1964
Wachs, plexiglas, Stahl / Wax, plexiglas, steel
23 x 23 x 13 cm

[2]
Paul Thek: Tar Baby, 1975-76
Bronze / Bronze
36 x 33 x 4 cm

[3]
Rachel Harrison: Claude Lévi- Strauss (Detail), 2007
wood, chicken, wire, cement, Parex, acrylic, taxidermied, silver laced Wyandrott hen and Black Minorca roaster with attached labels and mounts, USPS Priority Mail box, Sharp UX-B20 Fax machine box 2 parts,
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