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ZKM-Projekte

Flick_KA
Alle können alle fotografieren.
Das demokratische Versprechen der Fotografie

Früher blieb es dem kirchlichen und politischen Adel, Bischöfen und Fürsten, vorbehalten, von sich Bilder anfertigen zu lassen. Experten und Elite teilten sich das Monopol des Porträts. Die Maler hatten aufgrund ihrer Expertise das Monopol der Bildanfertigung, und ihre Kunden konnten sich aufgrund ihrer sozialen und finanziellen Exklusivität dieses Monopol leisten.

Die Porträts dienten unter anderem dazu, den Porträtierten Ruhm und Glamour, Bewunderung und Unsterblichkeit zu garantieren. Diese Aufgabe spiegelt sich noch heute in den so genannten Illustrierten. Illuster [lat. illustris - im Licht stehend] heißt soviel wie glanzvoll. Illustrieren, lat. illustrare, heißt so viel wie erleuchten, verschönern. Illustris war auch der Rangtitel für höchste Würdenträger der Kirche und der Aristokratie. Die Illustrierten von heute porträtieren daher die Würdenträger und glanzvollen Häupter der Medien- bzw. Massengesellschaft. Illustrierte machen die Menschen illuster, d.h. berühmt. Illustrierte haben ihre Namen davon, weil sie nicht nur das Leben der Reichen und Berühmten illustrieren, sondern vor allem weil sie illustre Persönlichkeiten produzieren. Sie haben also die aristokratische Funktion der Porträtmalerei übernommen. Die Massenmedien sind durch diese Funktion ein Medium der Klassentrennung und Klassenhierarchie.

Im Zeitalter der Malerei galt: nur wenige konnten ein Bild von sich malen lassen, und nur wenige konnten wenige malen. Seit der Erfindung der Fotografie um 1840, insbesondere seit der Einführung der Carte-de-visite Fotografie [fotografische Porträts in Kleinformat] im Jahr 1845 durch A. A. E. Disdéri, die eine Visitenkarten-Epidemie auslöste, hat sich alles geändert. Im Zeitalter der Fotografie können alle alle fotografieren, und alle können ein Bild von sich machen lassen. So lautet das demokratische Versprechen der Fotografie! Vor dem Gesetz sind bekanntlich alle gleich, nun gilt: mit der Fotografie sind alle gleich. Die Fotografie ist ein demokratisches Bildmedium in Kontrast zum aristokratischen Bildmedium Malerei. Gab es bisher nur Bilder von Königen, Kardinälen und Kaufleuten, so gibt es nun auch Bilder von gewöhnlichen Menschen. Die Bilder der Kardinäle und Könige sind Gemälde in Museen, Kirchen und Palästen. Die Bilder der normalen Bürger sind Fotografien in privaten Haushalten und im öffentlichen Internet.

Das ZKM | Medienmuseum möchte zum 10-jährigen Jubiläum des ZKM im Hallenbau A das demokratische Versprechen der Fotografie einlösen, indem es alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Karlsruhe und alle Besucherinnen und Besucher des ZKM einlädt, mit einem Porträt im Museum vertreten zu sein. Nicht nur Experten und Eliten, sondern alle so genannte Gewöhnliche, nicht nur Könige, sondern jeder Kunde, nicht nur Privilegierte, sondern jeder Konsument, kann im Museum mit einem Kunstwerk, mit einem Bild seiner selbst, mit einem Bild seiner Wahl, vertreten sein. Alle können im Museum ein Kunstwerk produzieren und Teil eines Kunstwerkes sein. Das Museum wird zum Bürgerforum, auf dem, vor dem und mit dem alle gleich sind. Die Fotografien der Bürgerinnen und Bürger werden wie Gemälde von Helden behandelt. Der Amateur wird zum Experten, der Konsument zum Produzent, der Besucher zum Inhalt des Museums. Dies wird möglich, indem das Museum eine Allianz mit dem Internet eingeht.

Die ganze Stadt Karlsruhe, alle ihre Bürgerinnen und Bürger, sollen im Museum bzw. im Internet sein.

Ab Januar bis Oktober 2007 haben sie die Möglichkeit ihre Porträts online auf die website des ZKM www.zkm.de/Flick_KA zu laden, um dort die weltgrößte Ausstellung einer Stadtbürgerschaft wachsen zu lassen.

Nach einer Anmeldung auf www.zkm.de/Flick_KA mit Benutzername und Passwort ist lediglich zu beachten, dass die Bilder nicht größer als 2 MB sind und das Format .png, .jpg, .jpeg, .gif, .tif, oder .tiff haben. Mit dem upload sollte bestätigt werden, dass dem Absender die Rechte an diesem Bild gehören und es dem ZKM erlaubt ist, diese Bilder im Rahmen von Ausstellungen und zu nicht-kommerziellen Zwecken zu nutzen.

Beginnend mit dem »Tag der offenen Tür« am 6. Januar 2007 lädt das ZKM während des Jahres 2007 die Bürgerinnen und Bürgern Karlsruhes, die Besucherinnen und Besuchern des ZKM immer wieder ein, an einer Fotostation im ZKM Porträtfotos von sich, der Familie und von Verwandten und Freunden machen zu lassen. Auch diese Fotos werden Teil der wachsenden Internet-Ausstellung Flick_KA, die bis Oktober 2007 die Bilder der gesamten Bürgerschaft Karlsruhes präsentieren soll. Ab dem 18. Oktober 2007 wird diese digitale Porträtsammlung im Rahmen der Ausstellung You: The Century of the Consumer für mehrere Jahre auch im Medienmuseum des ZKM gezeigt. Die Bürgerinnen und Bürger Karlsruhes haben alle gemeinsam das Internet und das Museum erobert.

Werden auch Sie berühmt! Werden auch Sie Experte und Elite! Werden auch Sie privilegiert und gefeiert! Werden auch Sie König und Künstler! Werden Sie Sie! Um zu werden, was Sie sind, müssen Sie werden, was Sie schon immer sein wollten!

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