Ausstellungen
12|2006
16.12.06–25.03.07
MindFrames. Media Study at Buffalo 1973–1990
ZKM | Medienmuseum, Lichthöfe 8+9
Eröffnung Fr 15.12. 19
Uhr im ZKM_Foyer
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»Academy« und »Art« sind ein Thema der Stunde. Neugründungen
von Akademien und Universitäten werden diskutiert. Die Kunstgeschichte
des 20. Jahrhunderts ist nämlich nicht nur eine Geschichte von Individuen,
sondern auch von Kollektiven, Gruppen, Kreisen und (institutionellen und informellen)
Schulen. Akademien und Universitäten haben Geschichte gemacht, indem sie
hervorragende Künstlerinnen und Künstler versammelten und eine Lehre
entwickelten. Orte der Lehre und Produktion wie die Kunstgewerbeschule in Wien,
das Bauhaus in Weimar, die WChUTEMAS in Moskau, das Black Mountain College
in North Carolina und die Hochschule für Gestaltung in Ulm haben die Entwicklung
der Kunst mindestens ebenso beeinflusst und geprägt wie schöpferische
Einzelpersönlichkeiten.
In den 1970er und 1980er Jahren entwickelte sich das Department of Media Study
an der State University of New York at Buffalo zu einem solchen Ort der Lehre
und Vermittlung im Bereich der Medienkunst, vielleicht die einflussreichste
Schule für Medien im 20. Jahrhundert. Unter der Leitung des Gründers
Gerald O’Grady unterrichteten dort die mittlerweile kanonisierten strukturalistischen
Avantgardefilmer Hollis Frampton, Tony Conrad und Paul Sharits, der Dokumentarfilmer
James Blue, die Videokünstler Steina und Woody Vasulka sowie Peter Weibel.
Das gesamte Spektrum der Medienkunst – vom fotografischen Bild zur Diainstallation,
von der Musikperformance zur Film- und Videoperformance, vom Film zur Filminstallation,
vom Videotape zum Video-Environment, von der Computergrafik zur interaktiven
Installation – wurde von ihnen in umfangreichen Werkblöcken frühzeitig
und wegweisend vorbereitet und verwirklicht. Dabei wurde auch die gesellschaftliche
Rolle der Medien, insbesondere die des Fernsehens, und deren partizipatorische
Möglichkeiten erkannt und für künstlerische, teils auch politische
Projekte genutzt. Alle Mitglieder der Buffalo Faculty waren nicht nur Praktiker,
sondern auch Theoretiker. Theoretisch fundiert begleiteten sie in Vorträgen,
Essays und Publikationen die künstlerischen Entwicklungen und Fragestellungen
ihrer Medien.
Die Ausstellung am ZKM wird erstmals einen umfassenden Einblick in diese wegweisende
Kunstentwicklung der 1970er bis 1980er Jahre geben, die für die weitere
Entwicklung der Medienkunst so entscheidend war und bis heute stilprägend
ist. Ideen und Konzepte der damaligen Zeit erschließen sich über
die eigens für die Ausstellung konzipierte Architektur, ein Studio-Labor.
Sie ermöglicht, die zeitbasierte Kunst des bewegten Bildes in neuartigen
Formen (das Kunstwerk sowohl als auratisches Objekt wie auch als Studienmodell)
zu rezipieren, zu analysieren und nachzuempfinden.
Das Department of Media Study at Buffalo und der Einzug
des technischen Bildes in die Kunst
Die Bedeutung des Department of Media Study at Buffalo für das Zeitalter
der Medien ist vergleichbar mit dem Einfluss anderer historischer Institutionen
auf die Kunstgeschichte. Seine Gründung fällt in eine Zeit, in der
es noch keine Hochschulen oder Institute gab, die sich explizit einer Kunst
aller Medien widmeten und gleichzeitig auch deren theoretische und kulturelle
Analyse zum Bestandteil ihres Curriculums machten. Die Beteiligten waren Pioniere,
die als erste vor dem Hintergrund einer sich ändernden Bildauffassung – zwischen Foto,
Film, Video und Digitalbild – lehrten und forschten und dabei den Wechsel
von den raumbasierten zu den zeitbasierten Künsten (wie z. B. die Musik)
und die damit implizierten Veränderungen der Kunstpraxis mit vollzogen.
Am Beispiel der in der Ausstellung vertretenen Kunstschaffenden und ihrer individuellen
Positionen erschließt sich der gesamte Horizont der ästhetischen
Problemstellungen und -lösungen, die sich mit dem Einzug des technischen
Bildes in die Kunst stellten. Was die Faculty dabei für die Medienkunstgeschichte
so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass sich in den einzelnen künstlerischen
Ansätzen durchaus Gemeinsamkeiten, wie Wahrnehmungszentrierung, Maschinenästhetik,
mathematische Sensibilität, Sprachspiele, die Offenheit gegenüber
dem jeweils anderen Medium etc., finden lassen. Die Künstler definieren
sich nicht mehr über »ein Medium«, sondern suchen im Laufe
ihrer künstlerischen Entwicklung die Verweise und Referenzen auf andere
Medien und experimentieren mit neuen Präsentationsformen.
Der Titel »MindFrames« zeigt an, dass in dieser Zeit und an diesem
Ort die Referenzrahmen der Medienkunst neu gesetzt und erweitert wurden und
der Wandel von der Filmkunst zum Diskurs des (visuellen) Codes vorangetrieben
wurde. Die Ausstellung lehrt, die Kunst der Medien und damit die Medien selbst
zu verstehen.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:
Gerald O’Grady, Hollis Frampton, Paul Sharits, James Blue, Tony Conrad,
Steina, Woody Vasulka, Peter Weibel
Kuratiert von Woody Vasulka, Steina, Peter Weibel mit Thomas Thiel.
Die Ergebnisse der Ausstellung werden in einer umfangreichen wissenschaftlichen
Publikation präsentiert, die 2007 bei The MIT Press in englischer Sprache
erscheint. Zahlreiche Abbildungen, Quellentexte der Künstlerin und der
Künstler, bisher unpublizierte Interviews, Essays und andere Zeitdokumente
entwerfen ein umfangreiches Panorama der Pioniere der Medienkunst am Department
of Media Study an der State University of New York, Buffalo. Herausgeber:
Woody Vasulka und Peter Weibel.
Führungen: Sa 14 Uhr, So 16 Uhr
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