Veranstaltungen 11|2006
Paul Virilio und die Künste
in der Reihe Philosophie und Kunst
Symposium: 03.11.06-05.11.06
Ausstellung:
04.11.06-07.01.07
ZKM | Medienmuseum, Projektraum LH 8
Eröffnung: Fr, 03.11., 19 Uhr im ZKM_Foyer
Symposium :
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Paul Virilio hat als Universalkünstler angefangen, nämlich als Architekt.
Zusammen mit Claude Parent hat er in den späten 1950er Jahren utopische
Architektur entworfen, die heute noch verblüffend ist. Seine Studien des Raumes
und der Raum-Theorie haben ihn von der Architektur zur Militärmaschine
als eigentliches Medium des Raumes und zur Technologie als eigentliches Medium
des Territoriums geführt. Über die Maschinen und Medien hat er das
Primat der Zeit über den Raum entdeckt, ein wesentliches Axiom für
die Neuzeit, von der Kunst des Futuristen bis zur Neuen Ökonomie. Er hat
mit diesem Primat einen Paradigmenwechsel eingeleitet, der den Mediendiskurs
bestimmt hat (z.B. »Film und Krieg«, 1984) und für die Medienkunst
von USA bis Japan von enormem Einfluss war.
Die Themen Krieg, Geschwindigkeit und
Unfall stehen im Zentrum seines Tuns, das Malerei, Architektur, Essayistik,
Ausstellungs- und Verlagstätigkeit umfasst. Wie kein anderer zeitgenössischer
Philosoph hat er sich immer wieder in die Kunstdebatte eingemischt. Virilios
Denken ist ein primär ästhetisches, sein Ansatz der einer »aisthësis«,
der sinnlichen Wahrnehmung der Welt.
»Wir müssten den Blick ändern, um überleben zu können;
wie wir das Leben ändern mussten, um zu überdauern«, heißt
es in dem Essay »Das Abenteuer der Erscheinungen«, 1977. Für
Paul Virilio sind Kunst und Ästhetik zuallererst Wahrnehmung.
Bekannt ist Paul Virilio vor allem als »Dromologe«, als kritischer
Vordenker einer »Revolution der Geschwindigkeit«. In Virilios »Dromologie« werden
Technikgeschichte, Urbanistik, Kriegskunst, Physik und Metaphysik zu einer Ästhetik
als »Logistik der Wahrnehmung« verschränkt. Die Geschwindigkeit
ist nicht nur ein Phänomen der Bewegung. Sie ist zunächst einmal
ein bevölkertes, d.h. menschliches Milieu. Im Angesicht der Gefahren der
Zukunft, ist Paul Virilio der Mann des warnenden Gewissens gewesen und wird
es bleiben. In seinen Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden
und hohe Auflagen erreichten, und in legendären Ausstellungen, die er
für die Fondation Cartier, Paris, organisierte, führt er diese »Revolution
der Geschwindigkeit« vor, die im Entwurf eines »Museums des Unfalls« gipfelt.
In der Ausstellung wird die Philosophie Virilios mit zahlreichem Bild- und
Videomaterial nachvollzogen.
Kuratiert von Peter Gente und Peter Weibel.
Projektleitung: Bernhard Serexhe
Führungen: So 13 Uhr
Linkempfehlung:
www.virilio.de
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