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03.08. - 10.09.2006 ::
videoUNDERground.
Junge Videokunst aus Karlsruhe und München

Werke [Videoprogramm] ::

° Heike Aumüller: »Absence«, 2005
Video, 4:15 Min.

In ihrer deutlichen Ironisierung des Splatterkinos und filmischer Gewaltszenen bricht Aumüller die immer noch wirksamen öffentlichen Tabuisierungen der Selbstgewalt auf. Sie löst sie aus der Effekt heischenden Berichterstattung der Printmedien und dem rein an Zuschauerzahlen orientierten Voyeurismus der nachmittäglichen Talk-Show heraus und inszeniert sie mit Wirkung einer künstlerisch unmittelbaren Konfrontation.

° Nicole Blaffert/Franz Wamhof: »Your World Is So Far From The World I Know«, 2006
Video, 10:37 Min.

Die Arbeit verbindet die Ansicht einer anonymen nächtlichen Stadt mit einem Audioausschnitt aus dem Actionfilm »Bullitt« [USA 1968, R: Peter Yates]. Parallel zu der ungeschnittene Ansicht einer nicht allzu stark befahrenen Strasse, von beleuchteten Wohnblocks und Bürogebäuden ist in voller Länge der Ton einer rund 10 minütigen Verfolgungsjagd per Auto zu hören, die durch ihre Dramaturgie und Konzentriertheit stilbildend wurde. Charakteristisch für diese legendäre Filmszene ist auch, dass auf Dialoge gänzlich verzichtet wurde und die akustische Dramaturgie rein über anfängliche Musik und später dann nur noch über die Geräusche der Verfolgungsjagd gestaltet wird. Ebenso wie die Totale der Stadtansicht nicht bearbeitet wurde, so wird auch der Ton in Echtzeit und ohne Schnitte eingesetzt.
Verbunden über das Motiv der Autofahrt und sich ähnlich in ihrer Reduziertheit und Faktizität sowie durch die formale Stringenz der Verwendung des Materials, [De-]Codieren sich die divergente Bild- und Tonebene gegenseitig. Das dokumentarische, kontextlose, banale Bildmaterial und der fiktionalen Filmton treten in ein vielschichtiges Wechselspiel ein, das Gestaltungsparameter und Bedeutungsgeneration des Medium des bewegten Bildes sichtbar macht und reflektiert.

Nicole Blaffert [*1973] und Franz Wamhof [*1963] studierten Medienkunst/Fotografie an der HfG Karlsruhe. Aktuell sind sie Gastkünstler am ZKM | Institut für Bildmedien.

° Cornelia Büschbell: »Von einem Ende zum Anderen«, 2001
Video, 4:20 Min.

Die in heiter bunten Farben und entspannter Stimmung vorgetragene Leere des Videos wirkt ambivalent: Die Seiten der Bücher sind ebenso unbeschrieben und rein, wie inhaltslos. Die vorgetragene Dauer ohne Handlung wird zur Konfrontation mit dem Nichts, ganz entgegen dem Prinzip der »Durée« im Bergsonschen Sinne - man stößt auf nichts, verändert aber auch nichts. Nur die leeren Bücher haben schließlich eine andere Position.

° Yvonne Leinfelder: »Yoma«, 2005
Video, 7:21 Min.

»Yoma« ist der Titel eines japanischen Animes, der hier auf einem Fernsehmonitor vor einem weißen Kaninchen läuft. Das Licht der Filmszenen beleuchtet das Tier indirekt, und spiegelt seine Bilder in der Pupille des Tieres. Der Sound des Films bestimmt die Szenerie. In seiner Verbindung von Naturwesen und überzüchtetem Haustier ist das Tier ebenso Reflexions- und Projektionsfläche, wie es selbst Akteur bleibt, da sich seine Reaktionen vom indirekten Bildgeschehen nicht ableiten lassen.

° Renata Sas/Claudius Böhm: »Learning to be a tourist«, 2004
Video/Animation, 13 Min.

Mit ihrer Arbeit reflektieren die in Karlsruhe lebenden Künstler Claudius Böhm [*1966] und Renata Sas [*1972] den heutigen Tourismus als eine »Virtualisierung« des Reisens.
Ansatzpunkte sind dabei die dem Tourismus zugrunde liegenden globalen ökonomischen und technologischen Strukturen, die mittels Webcambildern und den zugehörigen Computerdaten sowie visualisierten Wirtschaftsdaten thematisiert werden. Bilder von über den ganzen Globus verteilten Webcams, die entfernteste Orte für den Digital-Reisenden stets verfügbar machen, werden verbunden mit Programmdaten zur Standortbestimmung von Computern, die diese virtuelle Reise ermöglichen. Distanzen werden so aufgehoben und Wege sind nur noch Rechenoperationen, digitale Routen, deren Verlauf und geografische Verortung für den Nutzer sonst unsichtbar sind und die durch die Flexibilität von Informationsinfrastrukturen arbiträr sind. Aber auch die Zielorte selbst scheinen zu verschwinden: Die nur einen Mausklick entfernten Städte und Landschaften oder Klischeebilder der Ferne, die man bereisen möchte, erscheinen austauschbar. Sehnsuchtsziel ist die lokale Uniformität, sind global angeglichene Freizeitumwelten, deren Infrastrukturen überall gleiche Unorte aus Verkehrs- und Handelswegen entstehen lassen. Gegenübergestellt werden diesem Verlust der Ferne grafisch aufbereitete Daten über die Entwicklung der Tourismusbranche zu einem der stärksten den Globus umspannenden Wirtschaftszweige.

° Wolfgang Stehle: »Comicline«, 2003
Animation, 2:26 Min

Als Selbstportrait im Stil eines Manga Comics blickt Stehles gezeichnetes Alter Ego aus dem Bild. Beharrlich scheint die Figur den gleichgültigen und beschönigenden Ablehnungen der eingespielten Sätze standzuhalten. Lediglich die zitternden Lichtreflexe in den Augen des tragischen Helden signalisieren Emotion. Statt mit einer Starpose konfrontiert Stehle den Betrachter mit einer künstlichen Darstellung eines unerfolgreichen Modells. Dem psychologischen Disaster der assoziierten sozialen Situationen kommt er eben in der Künstlichkeit nahe.

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