ZKM_Ausstellungen 04|2006
Fr 28.04.06
Neue Werke im Medienmuseum
Präsentation der neuesten Installationen
ZKM | Medienmuseum, 17 Uhr
[=> Information in English]
Didier Demorcy, Isabelle Mauz, Studio Plo in
Zusammenarbeit mit Julien Gravelle und Vincianne Despret: »When Wolves
Settle: A Panorama«, 2005
Die Arbeit entstand im Rahmen der Ausstellung »Making Things Public«,
die 2005 im ZKM gezeigt wurde. Sie thematisiert die medienwirksame französische
Debatte, ob der Wolf, der bis zum Ende der 80er Jahre in den französischen
Alpen keine Rolle mehr spielte, nun wieder aufgetaucht sei. Während die
Tierschützer die Rückkehr des Tieres als ökologische Sensation
empfanden, fühlten sich die ansässigen Schafzüchter dadurch in
ihrer Existenz bedroht.
Die Installation von Didier Demorcy und der Soziologin Isabelle Mauz besteht
aus einem Miniaturmodell eines französischen Alpentals und einem Computer-Interface-System.
Das trichterförmige Modell, welches an die architektonische Form eines
Parlamentsaals erinnert, läuft im unteren Teil zur Darstellung eines Bergdorfes
zusammen, in dem eine Demonstration von Bergbewohnern stattfindet. Mit einem
Touch-Screen können die Besucher Details des Geschehens sowie die dazugehörigen
Informationen aufrufen. Kleine Fernrohre ermöglichen es, die einzelnen
Bereiche der Arbeit genauer zu inspizieren. So sehr man jedoch suchen mag: einen
Wolf wird man in Demorcys Arbeit nicht finden.
Matthias Gommel: »Rhine Streaming«,
2005
Die Arbeit bietet eine Live-Übertragung der Unterwasser-Geschehnisse im
Rhein sechs Kilometer vor Karlsruhe direkt ins ZKM. »Rhine
Streaming« konvertiert den Rhein in einen Datenstrom, der direkt in die
Ausstellung fließt. Videobilder, Unterwassertöne sowie das Verrhalten
von Lebewesen im Wasser sind auf diese Weise »live« erlebbar und
ergeben eine direkte Repräsentation. Von der Rheinmessstation Karlsruhe
werden die Daten über eine Richtfunkstrecke von fast sieben Kilometern
ins ZKM übertragen. Damit bezieht sich das Projekt auf historische Pläne
des Stadtbaumeisters Weinbrenner, der Fluss und Stadt mit einem Kanal zu verbinden
versuchte.
Wie kann man einem Fluss eine Stimme geben? »Rhine Streaming« setzt
sich auf politische, historische und biologische Weise mit dem Rhein auseinander.
Als was wird der Rhein gesehen, in welchen Zusammenhängen und mit welchen
Instrumenten wird er wahrgenommen? Wie hat sich das so geformte Bild des Flusses im Laufe der vergangenen
beiden Jahrhunderte verändert und wie hat sich dadurch auch der Fluss selbst verändert?
Das Kunstprojekt »Rhine Streaming« von Matthias
Gommel wird durch eine enge Kooperation mit der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg) ermöglicht.
Peter Dittmer: »Amme_5«, 2005 [bis 29.10.2006]
»Amme_5« ist ein Automat mit künstlicher Intelligenz.
An sechs Bildschirmplätzen kann das Publikum via Tastatur mit der »Amme_5«
ins
Gespräch kommen. Es ergeben sich verblüffende Rededuelle, raffinierte
verbale Umgarnungen, mal aufsässige, mal schmeichlerische Reden und Widerreden
von Mensch und Maschine, rhetorischer Schlagabtausch, Poesie, Dada, small talk
/ dirty talk, gefolgt von philosophischem Tiefgang. Das Publikum hat die Möglichkeit
die Amme zu provozieren und sie zur Ausschüttung von Milch zu bewegen.
Eine verblüffende Geste, ausgeführt von einem Hightech- Roboterarm,
der zum Tisch des Kommunizierenden kommen und eventuell ein Glas Milch verschütten
kann. Mit seiner fünften Ammenversion treibt Peter Dittmer das konzeptuell
angelegte Moment des Grotesken auf die Spitze. Durch sich füllende und
leerende »Angstgläser«, durch kuriose Duschattacken sowie Spül-
und Pmpvorgänge, durch Sound- und Lichteffekte tut die Amme ihre Befindlichkeit
kund. Die Amme lässt ernsthaft fragen: Was ist Intelligenz? Was geschieht,
wenn Mensch und Maschine streiten? Wie gelingt Kommunikation?
Peter Dittmers »Die Amme_5« ist
eine Produktion der Kunsthalle Göppingen, in Kooperation mit der FHTE,
der IHK Bezirkskammer Göppingen und zahlreichen Firmen der Region.
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