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Veranstaltungen 01|2006

ZKM Symposien

Das Bild in der Gesellschaft.
Neue Formen des Bildgebrauchs

Ein interdisziplinäres Symposium

20.01.-22.01.2006
ZKM|Medientheater

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Abstracts der Referenten ::::

Hubertus von Amelunxen | Volker Böhnigk | Cornelius Borck | Horst Bredekamp | Peter Chelkowski | Michael Diers | Thomas Dworzak | Tom Fürstner | Jim Gehrz | Philip Jones Griffiths | Boris Groys | Wilhelm Krull | Armin Linke | Scott Mc Kiernan | Klaus Neumann-Braun | Susanne Regener | Hans-Jörg Rheinberger | Birgit Richard | Florian Rötzer | Rolf Sachsse | Peter Weibel

Hubertus von Amelunxen :: »Genetikon oder die schöpferische Unfruchtbarkeit des Bildes«

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Volker Böhnigk :: »Abbild und Typus. Zum Hintergrund einer nationalsozialistischen Ästhetik«

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In dem Vortrag soll versucht werden, die These zu stützen, daß der Typusbegriff des Menschen ausgehend von der Rassen- und Erbbiologie wesentlich und primär das ästhetische Verständnis des Nationalsozialismus bestimmt hat. Die bisherigen Beschreibungsfelder nationalsozialistischer Ästhetik, sie sei regressiv, restaurativ, reaktionär oder einfach nur naiv, von nachrangiger Bedeutung sind. [Die Legitimation einer nationalsozialistischen Ästhetik ist aus Sicht ihrer Ideologen durchaus modern.]
Inwieweit eine solche Bestimmung geeignet ist, Grenzen zu anderen anthropologisch fundierten, totalitären Ästhetikkonzepten etwa im italienischen Faschismus oder im Stalinismus zu ziehen, soll abschließend wenigstens theoretisch erörtert werden.

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Cornelius Borck :: »Das Maschinenbild als Auge des Geistes. Visualisierung in den Neurowissenschaften«

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Visualisierung ist für die Neurowissenschaften weder neu noch spezifisch. Die modernen Bildgebungsverfahren in der Hirnforschung haben sich jedoch über die Massenmedien bemerkenswert weit und schnell verbreitet und genießen die Aufmerksamkeit einer besonders breiten Öffentlichkeit. In verschiedener Hinsicht scheinen diese Darstellungen perfekte Bilder zu sein; sie stellen die Topographie des menschlichen Gehirns mit außergewöhnlicher morphologischer Schärfe am lebenden Objekt dar und heben gleichzeitig Zentren funktioneller Aktivität hervor. Stellen von besonderem Interesse können mit bisher unbekannter Genauigkeit dargestellt werden und beeindrucken als beispielloses Beweismaterial. Obwohl sie Ergebnis fortgeschrittener Datenmanipulationsverfahren sind, sehen diese Bilder dennoch bemerkenswert natürlich aus und scheinen die Natur des menschlichen Geistes zu offenbaren. Historisch betrachtet teilen jedoch die modernen Bildgebungsverfahren dieses Potenzial, die Faszination der Öffentlichkeit zu entfachen, mit früheren Fortschritten in den Neurowissenschaften, und besonders mit früheren Strategien, das Gehirn in seiner funktionellen Organisation zu visualisieren. Von Paul Flechsigs anatomischer Demonstration der Bahnen des Denkens über Oskar Vogts Identifizierung des Zellsubstrats für Lenins intellektuelle Akrobatik bis hin zur Online-Beobachtung des arbeitenden Gehirns durch die Elektroenzephalographie gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie neue Visualisierungsverfahren Perioden vermeintlicher Durchbrüche in der Geschichte der Neurowissenschaften markiert haben. In dieser Perspektive scheint ein Zoom-in-Effekt, der mit jeglicher neuen Technologie einhergeht, die Maschinenbilder mit einer besonderen Glaubwürdigkeit für weitreichende Ansprüche aufzupolieren. Dies wiederum erfordert eine sorgfältige epistemologische Bewertung visueller Beweismaterialien.

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Horst Bredekamp

-> Biografie

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Peter Chelkowski :: »Die Funktion von Bildern in der iranischen Gesellschaft während der Revolution und des Krieges«

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Die Bilder, die ich zeigen und über die ich sprechen werde, wurden in einem Land geschaffen, das bis in seine tiefsten Empfindungen hinein in Bewegung geraten war, einen Weg der Selbstenthüllung ging und sich der Welt offenbarte. Es war, als ob eine ganze Nation an die Öffentlichkeit ging, transparent wurde, sich enthüllte und ihren Schleier abnahm, sich selbst zur Schau stellte - es war, als ob die Psyche einer ganzen Nation sich in eine Galerie »wütender Kunst« verwandelte - das war der Iran der 70er und 80er Jahre, eine in Revolution und Krieg gefangene Nation, die sich unerbittlich in Bildern und Figuren, Formen und Farben aus Wut und Ängsten neu gestaltete.
Ich werde die Geschichten dieser Bilder erzählen, wie sie sich selbst auf Plakaten und Wänden, auf Briefmarken und Lehrbüchern, Banknoten und Münzen darstellen. Ich werde versuchen, die Spuren der Bilder bis in die verborgenen Winkel des Geistes derer zu verfolgen, die sie schufen, derer, die sie sahen und deuteten, interpretierten und auf sie reagierten. Dies ist die Geschichte der Iranischen Revolution von 1978/79 und des Krieges gegen den Irak, 1980-1988, in Bildern - mit einigen notwendigen Worten.

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Michael Diers
Moderation

-> Biografie

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Tom Fürstner :: »Geste, Zeit und Metadaten«

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-> Abstract in English

Die Bedeutung digitaler Artefakte liegt nicht in ihrer Fähigkeit, das Feld der Kunst zu erweitern, sondern im Wandel des Denkens über Kunst, den sie erzwingen. Wie alle Werke der Kunst, speichern sie den Prozess ihrer eigenen Entstehung, allerdings mit der Besonderheit, ihre Genese bis ins kleinste Detail hinein rück- und nachvollziehbar zu halten. Die Rezeption eines Kunstwerkes wird damit um die Möglichkeit erweitert, das vollendete Werk seinem Entstehungsprozess gegenüber zu stellen. Diese jederzeitige Nachvollziehbarkeit der künstlerischen Geste erweitert den Kontext der Kunst um eine Dynamik, die die Bedeutung von Metadaten über Kunst deutlich macht.
Schwerpunkt des Vortrags wird die Frage sein, welche neuen Rezeptionsregeln damit für die Kunst an Relevanz gewinnen.

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Jim Gehrz :: »Die persönliche Sichtweise: Was zählt, ist der Augenblick«

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In meinem Vortrag werde ich in der Hauptsache darüber sprechen, wie wichtig es in meiner beruflichen Entwicklung für mich war, eine eigene Sicht, eine eigene Vision zu finden. Im Einzelnen werde ich auch erläutern, wie und warum sich diese Sichtweise entwickelt hat. Die Welt des Zeitungs- und Fotojournalismus ist von unglaublichem Konkurrenzdruck geprägt; um in dieser Welt zu überleben, musste ich einen Weg finden, in meinem Job als Zeitungsjournalist zu arbeiten und mich gleichzeitig als Fotojournalist weiterzuentwickeln. Es war immer mein Ziel gewesen, Fotos zu machen, die eine Bedeutung haben, die eine Geschichte erzählen und vielleicht sogar zu einer Veränderung beitragen können, und dann die Möglichkeit zu bekommen, solche Bilder mit anderen zu teilen. Ich habe mich immer als „Heimatfotograf“ verstanden in dem Sinne, dass ich in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin und in der ich meine Kinder großziehe, arbeiten möchte. Für mich bedeutete dies, dass ich nicht so viel reisen konnte wie andere Journalisten, und ich habe meinen eigenen Stil entwickelt, damit umzugehen: Ich machte es mir zur Aufgabe, jene besonderen Momente, die zu jeder Zeit in unserem nächsten Umfeld, in unserem ganz normalen Alltagsleben vorkommen, zu suchen. Ich begann, Ausschau zu halten nach jenen wunderbaren, flüchtigen Augenblicken, die, eingefangen in sorgfältig komponierten Fotos, es dem Leser bzw. Betrachter erlauben würden zu erkennen, wie wunderbar das alltägliche Leben ist. Solche auf Fotos festgehaltene Augenblicke ermöglichen es dem Menschen, spontane Begebenheiten zu studieren, die sonst im schnellen Fluss des Alltagslebens kaum im Bewusstsein haften würden und so auf ewig verloren wären. Natürlich bergen nicht alle Augenblicke eine Inspiration, und meine Aufgabe als Fotojournalist ist es, alle Aspekte des Lebens festzuhalten, jene Augenblicke, in denen sich die schrecklichste Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber seinen Mitmenschen enthüllt, aber auch solche, die als Quelle der Inspiration dienen können.
Letztlich ist mein Ziel recht einfach: Ich möchte Bilder machen, welche die vollständige Bandbreite der menschlichen Erfahrung zeigen und widerspiegeln, und ich möchte das, was ich gefunden und festgehalten habe, mit anderen teilen. Damit verbunden ist meine persönliche Hoffnung, dass die Leser auf diese Weise besser darüber informiert werden, was auf der Welt vor sich geht, eine größere Wertschätzung für all die Wunder, die uns umgeben, entwickeln oder sich, je nach Art der Botschaft, dazu angeregt fühlen, aktiv zu werden, um zu einer positiven Veränderung beizutragen.

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Boris Groys :: »Kuratieren der Bilder«

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Freilich sagt Giorgio Agamben in seinem Buch »Profanierungen«: »Das Bild ist ein Sein, das seinem Wesen nach Aussehen, Sichtbarkeit oder Schein ist«. Leider reicht diese Wesensbestimmung des Bildes aber nicht aus, um seine Sichtbarkeit herzustellen und zu garantieren. Ein Bild kann sich nämlich nicht kraft seiner eigenen Definition präsent machen und den Zuschauer dazu zwingen, es anzuschauen. Dafür fehlen dem Bild Vitalität, Energie, Gesundheit. Das Bild scheint vielmehr ursprünglich krank, hilflos zu sein - man muss den Besucher zu ihm führen, wie im Krankenhaus der Besucher vom Medizinpersonal geführt wird, um einen im Bett liegenden Kranken anzuschauen. Nicht zufällig ist das Wort Kuratieren mit dem Wort Kurieren etymologisch verwandt. Kuratieren ist Kurieren. Kuratieren kuriert die Ohnmacht des Bildes, seine Unfähigkeit, sich selbst zu zeigen. Das Kunstwerk braucht eine äussere Hilfe, es braucht eine Ausstellung, es braucht einen Kurator, um auf die Beine zu kommen. Die Ausstellungspraxis ist die Medizin, die das ursprünglich kranke Bild gesund erscheinen lässt.

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