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Öffentlichkeit als Medium II
Videos und Dokumentationen

Werke ::

° Joseph Zehrer (D): »Der Auftrag«, 2004, 8 min

J.Z. ist ein konzeptuell arbeitender Künstler. Die Zeichnung ist ihm wesentliche und beständige Ausdrucksform. Auf dem Papier wird nichts weniger dargestellt als die großen Zusammenhänge. Er produziert auch Objekte, Environments und diskursive Aktionen, wie die Filmabende im Keller der B.O.A. Anfang der 90er Jahre (mit Karl Bruckmeier). Das Video zeigt die Vor- und „Zubereitung“ seiner Hände, die plötzlich in Flammen aufgehen. Der Titel suggeriert eine triviale Transzendenz wie die Bilder Sigmar Polkes „Höhere Wesen befehlen“. Ein Bezug zum Wiener Aktionismus ist nicht von der Hand zu weisen.

° Daniel Buren (F): »Seven Ballets in Manhattan«, 27.Mai bis 2. Juni 1975, 6 min (Diaschau)

Mehrere Personen laufen mit Schildern, die vorne und hinten mit vertikalen Streifen in den Grundfarben bemalt sind, an sieben Tagen durch die Strassen Manhattans. Solche kleinen Demogruppen sind für die USA typisch. Den Passanten werden keine Erklärungen gegeben. Der visuelle Effekt dominiert: Akzentuierung von Architektur und Urbanität, Interferenz mit Streifenmotiven im Strassenbild. Eine der ganz seltenen minimalistischen öffentlichen Aktionen.

° Verena Kraft/Kurt Petz (D): »Die Anwesenheit der Künstler«, 1986, 13 min (Ausschnitt)

Dokumentation einer Live-Performance zur Eröffnung der Art Cologne. Ausgangspunkt ist der Stand der Galerie Rupert Walser. Kraft/Petz kriechen mit offenen Farbkästen bepanzert durch die Messe und schieben sich langsam dem Strom der Besucher in den Weg. Sie hinterlassen eine deutliche Farbspur und seilen sich abschließend in die untere Halle ab.

° Ulrike Rosenbach (D): »Aufwärts zum Mount Everest«, 1983, 7 min

Die Arbeit steht am Übergang von Performance zu Video und Videoinstallation. Sie ist Joseph Beuys gewidmet und wurde im Lenbachhaus zum ersten Mal gezeigt. Zu Beginn der 80er Jahre tritt in Rosenbachs Arbeit die direkte Aktion zugunsten neuer Aufnahmetechniken zurück. Die Kamera dient nicht länger der Aufzeichnung, sondern wird selbst zum künstlerischen Medium. Bewegungsimprovisationen in inszenierten Räumen werden durch Schnitt- und Filmtechniken repetiert und montiert.

° Joan Jonas (USA): »Double Lunar Dogs«, 1984, 8:39 min (Ausschnitt)

Die Arbeit - entstanden 1981 - war als Performance auf der Documenta 7 in Kassel zu sehen und wurde später in eine Videoperformance umgearbeitet. Schon in seiner ursprünglichen Form sind in die theatrale Handlung technische Geräte eingebunden: Monitore, Intercom, Projektionen. Die in der Performance angelegten verschiedenen Wahrnehmungsebenen, die Verschmelzung von Bewegung, Musik, Stimme, Malerei, werden im Video durch Einblendungen, Tonüberlagerungen und Found Footage erreicht.

° Georg Winter (D) feat. Freie Klasse München: »Die Differenz – Joseph Beuys auf dem Weg zu seiner Arbeit ‚Zeige deine Wunde’«, 2005, 6:26 min (Diaschau)

Seit Ende der 80er Jahre hat er unter dem Label ‚Ukiyo Camera Systems’ eine breite Palette an Geräten zur Video-, Film und TV Technik entwickelt, die den konventionellen Erwartungen an die Bildproduktion diametral entgegenlaufen. Im Zentrum dieser Aktion stehen Dreharbeiten zu Joseph Beuys und seiner Arbeit von 1979 hier im damaligen ‚Kunstforum’. Während der Aufnahmen kommt es zu spontanen pro und contra Demonstrationen. Das Ukiyo Kamera Team wird aufgerieben, Beuys wird von der Polizei in Sicherheit gebracht.

° Elke Krystufek (A): »The Naked Conference«, 2004, 45 min

Anlässlich ihrer Ausstellung in der BAWAG Foundation in Wien und der Präsentation einer dazu erschienen Publikation tritt Krystufek zusammen mit Sand Murray-Wassink in einer Art Pressekonferenz vor das Publikum. Nackt geben sie Auskunft über ihre künstlerische und private Beziehung. Krystufek ist die erste Künstlerin, die mit ihren Performances Positionen des Wiener Aktionismus und insbesondere der österreichischen Künstlerin VALIE EXPORT aufgreift.

° Ant Farm (USA): »Cadillac Ranch & Media Bum«, 1975, 37 min

Von 1968 bis 77 erforschen die Mitglieder der Gruppe ‚Ant Farm’ die experimentellen Schnittstellen von Architektur, Design und Medienkunst. Entwürfe für neues Wohnen stehen ganz selbstverständlich neben Video-Performance Arbeiten oder Landart Projekten. Die »creative collaboration« findet ihr Thema in der kritischen Auseinandersetzung mit den Medien und dem allgemeinen Konsumverhalten.

° COOP Himmelb(l)au (A): »Restless Ball«, 1971, 4 min

COOP Himmelb(l)au - das sind Wolf D. Prix und Helmut Swiczinsky - wurde 1968 in Wien gegründet als Büro für Architektur, Städtebau, Design und Kunst. Unter dem Einfluss der ‚Situationistischen Internationale’ untersuchen sie neue Paradigmen von Bauen und urbanem Leben an der Grenze von Behaustsein und Umherschweifen. Soeben ist in München ihr Anbau an die Akademie der Bildenden Künste in der Akademiestrasse fertig gestellt worden.

° Hannah Frenzel (D): »Gummoving«, 1980, 10:34 min

Die schwarze, rechteckige Gummihülle verbirgt einen Körper. Jenseits seiner sozialen oder politischen Dimensionen dient der Körper der Künstlerin hier als Instrument ästhetischer Fragestellungen. An die Bedingungen der Ausmaße dieser nur minimal dehnbaren Hülle gebunden, lotet sie den Spielraum an möglichen Bewegungen aus. Obwohl die Performance darin einer Tendenz formalistischer Kunst zu entsprechen scheint, lässt sich die Arbeit doch ebenso als Metapher für die gesellschaftlichen Beschränkungen des Körpers lesen.

° FLATZ (A): »Fleisch«, 2001, 3:32 min

Dieses Video ist eine Verbindung des künstlerischen Mediums der Performance mit dem massenwirksamen Medium des kommerziellen Musikvideos. Zum Bildmaterial gehören Ausschnitte aus Projekten des Künstler, wie der spektakulären Performance »Demontage IX« (1990/91), der Fotoarbeit »Superstar« (2000) und der Performance »Fleisch«, die 2001 über einer Baulücke in Berlin Mitte inszeniert wurde. Zentrales Motiv in der Performance ist die geschundene Kreatur. Der Künstler zitiert unterschiedliche klassische Motive aus der Tradition der Christusdarstellung.

° Res Ingold (CH): »Die Ingold Airlines Story«, 1999, 19:44 min (mit Monika Schuck)

Ingold Airlines wurden 1982 gegründet und 1996 in eine Aktiengesellschaft gewandelt. Als künstlerisches Konzept kopiert Ingold zwischen Fiktion und realer Aktion die Strukturen kommerzieller Unternehmen und deren medialer Inszenierung. Das Video spielt mit allen Elementen eines klassischen Fernsehfeatures – vom vermeintlich historischen Filmdokument mit Gründungsmythos, über Zeitzeugenberichte bis hin zur Firmenphilosophie des Konzerngründers im Interviewstil und mit vertrautem Erfolgsvokabular geschmückt.

° Pipilotti Rist (CH): »You called me Jacky«, 1992, 4:02 min

In ihren frühen Videoarbeiten nimmt die Künstlerin Bezug auf die neue Fernsehkultur rund um MTV. Unabhängig von kommerziellen Machtstrukturen macht sie sich selbst zum Star. In ihrem Video »You called me Jacky« featured sie den gleichnamigen Hit von Kevin Coyne und unterläuft die üblichen Stilmittel der kommerziellen Formate. Die ungeschickt überschminkte Künstlerin setzt sich über die Formen des perfekten Playbacks hinweg und hintergeht ironisch die technische Spielerei und häufig klischeehafte Bildsymbolik des kommerziellen Musikvideos.

° Veronika Dimke (D): »Kreische - Schreiperformance im öffentlichen Raum«, 2005, 4:04 min

Das Video dokumentiert eine Schreiperformance, die am 22.10.2005 in der Maximilianstraße stattfand. In der an verschiedenen Stellen aufgeführten Performance, bringt sie ein allgemeines Unbehagen zum Ausdruck, für das Sprache allein nicht ausreicht. Die für gewöhnlich sozial sanktionierte Äußerungsform des Schreiens wird zur Infragestellung von gesellschaftlich normierten Verhaltensweisen. Entlang der nobelsten Einkaufsmeile Münchens stört sie die exklusiven, für eine zahlungskräftige Klientel reservierten Orte und eignet sich diese vorübergehend an.

° Schreibkraft (A): »Parole – Literatur gegen die Krise«, 2004/05, 6:02 min

Mit ihrer Aktion implantiert die Künstlergruppe, die ein gleichnamiges Feuilletonmagazin herausgibt, literarische Texte in den öffentlichen Raum der Innenstadt Münchens. Via Megaphon aus dem Krisenmobil konfrontiert die Gruppe die Passanten mit kritischen Inhalten zum Thema Konsum und Krise. Die zitierten Texte stammen von Bettina Balaka (Wien), Ann Cotten (Wien), Franzobel (Wien), Gisela Müller (München), Matthias Schamp (Bochum), Stefan Schmitzer (Graz), Werner Schandor (Graz), Elisabeth Wandeler-Deck (Zürich).

° Klara Hobza (USA): »Morse Code Communication«, 2005, 1:25 min

Das Video dokumentiert eine 2004 in New York mehrmals realisierte Aktion. Die Künstlerin besetzt den öffentlichen Raum immateriell durch in Morsecode transformierte Texte, die sie in den nächtlichen Himmel der Großstadt sendet. Die gigantische Installation besteht aus über 100 Glühbirnen, die an einer Holzkonstruktion befestigt sind. Mit beherrschbaren, aber heroisch angelegten Mitteln demonstriert Hobza den Versuch als Privatperson mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

° Nina Stuhldreher (D): »Geometrie«, 2004, 1:45 min

Das Video zeigt mehrere Sequenzen einer Tanzperformance, die die Künstlerin unangekündigt in den öffentlichen Raum einsetzt. In alltäglicher Kleidung und mit Umhängetasche beginnt sie auf einem Basketballfeld, auf dem Jugendliche versuchen ihre Körbe zu werfen, einen Discotanz im Technostil. Wie ein autistisches Implantat setzt sie ihre Show in den dafür „falschen“ Kontext des öffentlichen Sportplatzes und bricht damit die Selbstverständlichkeit und scheinbare Homogenität der Situation und ihre Kommunikationsmuster auf.

° Simone Westerwinter (D): »Clownimone«, 2004, 15:54 min

Als Aktion zur Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunstverein Mönchengladbach oder als Videoarbeit in ihrem Atelier, lässt die Künstlerin durch eine professionelle Clownin die Besucher zu einer Polonaise animieren. In dieser Art Regieperformance werden die Zuschauer aus ihrer passiven Beobachterrolle herausgerissen und werden Teil der Ausstellung. Die Polonaise gerät im Kontext Kunst zur beweglichen Skulptur. Eine soziale Plastik im wahren Sinn des Wortes.

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