: ZKM :: Artikel :: Art&Language Referenten | Jackson
 
 

  

ZKM Veranstaltungen 11|2005

Art & Language & Luhmann III
What work does the artwork do?

Symposium im ZKM-Medientheater
05.11.-06.11.2005,
Sa 14:30 Uhr, So 10:00 Uhr
Eintritt frei

[=> Intro]

Abstracts der Referenten

Art & Language | Chris Gilbert | Charles Harrison | Matthew Jackson



Matthew Jesse Jackson [University of Chicago] : »Para-performative Praktiken und Spätmodernismus«

Mein Vortrag dreht sich um eine simple These: Die modernistischen Künstler der Nachkriegszeit wurden allmählich von einer Generation bemerkenswerter modernistischer Kunsthistoriker abgelöst, die ein beschränktes pädagogisches Medium, nämlich die Kunstgeschichte in eine entscheidende Form para-künstlerischer Praxis verwandelten. Als Folge hiervon waren irgendwann um 1970 die Podiumsdiskussion und die mit ihr verbundene Diaschau wesentliche Bastionen der Spätmoderne geworden. Darüber hinaus könnte man diese Aktivitäten im Rückblick einer Neudeutung als Rückkehr des verdrängten verbalen Felds unterziehen, das aus der künstlerischen Praxis fast völlig verschwunden war, nachdem es in den Werken der 1920er und 1930er Jahre noch eine herausragende Rolle gespielt hatte.

Aus dieser Sicht stellt die Podiumsdiskussion sowohl die nachhaltige Temporalisierung des modernistischen Rasters als auch die strukturalistische Aneignung von Pollocks Performativität dar. Im Hinblick auf den Raster schrieb Rosalind Krauss: »Da wir inzwischen über eine immer ausgedehntere Erfahrung dieses Rasters verfügen, haben wir entdeckt, dass eines der modernistischsten Aspekte daran seine Fähigkeit ist, als ein Paradigma oder Modell für alles Anti-Evolutionäre, Anti-Narrative, Anti-Historische zu stehen.« Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, dass die Podiumsdiskussion in ihrem anti-evolutionären, neutralen, nahezu unwandelbaren Format jeden dieser Züge aufweist: ihr wissenschaftliches Nebeneinander von widersprüchlichen verbalen und visuellen Informationen, das übergreifende Narrative ablehnt; und ihr Mangel an Selbst-Bewusstheit hinsichtlich der Historizität ihrer eigenen Formen.

Mit anderen Worten, der Spätmodernismus mutierte zu einer Art quasi-akademischer Performance-Kunst, die schließlich in Andrea Frasers künstlerzentrierten Projekten und den Theorieinstallationen der Jackson Pollock-Bar mündeten. Aus dieser Sicht könnten wir schon bald feststellen, dass Charles Harrison von Art & Language, der seit mehr als drei Jahrzehnten den Spagat über der Zone zwischen Künstler und Kunsthistoriker vollführt, nicht allein gewesen ist. Vielleicht bemerkte er die Eigentümlichkeit seiner Position einfach früher als andere. D.h., vielleicht haben wir es ja schon die ganze Zeit mit einer Generation von »Kunsthistorikern« zu tun.

[=> Information in english]

^

© 2017 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits