: ZKM :: Artikel :: Symposium 2005 | mental engineering | Borck
 
 

  

ZKM Symposien

mental engineering.
von den vorstellungsbildern bis zu gehirnforschung
Symposium im Rahmen des
\\internationalen\medien\preises 2005
für Wissenschaft und Kunst


Referenten:

Andreas Bartels | Cornelius Borck | Christoph Keller | Christoph von der Malsburg | David Poeppel | Tyyne Claudia Pollmann | Kai Vogeley | Sigrid Weigel

Cornelius Borck: »Das Ich zwischen Gehirn und Maschine. Zur historischen Dynamik der Selbstbeobachtung im EEG«
[15:20 Uhr]

Als in den 1930er Jahren die Registrierung der elektrischen Aktivität des menschlichen Gehirns (EEG) möglich wurde, schien die Hirnforschung schon einmal unmittelbar vor einem Durchbruch zu stehen. Am Apparat ließ sich verfolgen, ob das Gehirn einer Versuchsperson gleichmäßige Wellen produzierte, sie also momentan entspannt war, und wann sie sich auf eine geistige Tätigkeit konzentrierte bzw. diese wieder beendete. Dieser sensationelle Erfolg weckte die Hoffung, schon bald in der elektrischen Hirnschrift den physiologischen Schlüssel zum menschlichen Geist in Händen zu halten. Zu einer elektrischen Theorie des Cogito ist es trotz intensiver Forschungen und einer schier unüberschaubaren Fülle an Ergebnissen bisher nicht gekommen. Vielmehr scheint es, als sei mit jedem Wissenszuwachs auch das Problem komplizierter geworden. Die Erforschung der elektrischen Aktivität des Gehirns hat einen Wissensraum aufgestoßen, in dem neue Untersuchungstechniken alte Selbstverständlichkeiten buchstäblich hinterfragen. Eine Serie von Experimentalanordnungen zur Selbstbeobachtung per EEG von Hans Bergers und Douglas Adrians frühen Versuchen bis zu aktuellen Brain-Computer-Interfaces lässt die Produktivität der Hirnforschung vor allem als Entfaltung einer Unruhezone hervortreten.

Cornelius Borck
Studium der Medizin, Philosophie, Religionswissenschaften und Medizingeschichte in Hamburg, Heidelberg und Berlin; nach Forschungstätigkeiten am Imperial College London, am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld und am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin; 2002-04 Leiter der Forschungsgruppe »Das Leben Schreiben« der Fakultät Medien, Bauhaus-Universität Weimar; seit Herbst 2004 Canada Research Chair in Philosophy and Language of Medicine an der McGill University in Montreal.

Publikationen in Auswahl:
C. Borck »Hirnströme: Eine Kulturgeschichte der Elektroenzephalographie« Göttingen: Wallstein Verlag 2005.
C. Borck »Anatomien medizinschen Wissens« Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1996.

^

© 2014 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits