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ZKM_Veranstaltungen 02|2005

Symposium: Medien Kunst Netz Lectures 2
Thematische Felder und Diskursive Verknüpfungen

Fr 25.02.2005, 14-20 Uhr
ZKM_Medientheater, Tageskarte € 6/4

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Abstracts der Vorträge:

Medienkunst im Überblick
»Medienkunst im Überblick« ist das erste Modul von »Medien Kunst Netz«, zusammen mit einem Begleitbuch veröffentlicht im Januar 2004. Dieses Modul dient allen folgenden als materialreiche Grundlage und reagiert gleichzeitig auf eine Paradoxie der Vermittlung von Medienkunst: Durch Bücher kann sie nur unzureichend dargestellt werden - aber auch im Internet fehlte bislang eine umfassende und kuratierte Einführung in eben dieses thematische Feld. In der exemplarischen Auswahl von audiovisuellen Materialien und Quellentexten sowie in der theoretischen Kontextualisierung durch Autoren sehen wir eine wichtige Voraussetzung, um Medienkunst multimedial vermitteln zu können. Thematisch werden sowohl historische Entwicklungen wie inhaltliche Querverbindungen in 10 einführenden Essays zu einem Überblick zusammengeführt.
Rudolf Frieling (ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe), Dieter Daniels (HGB Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig)

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Ästhetik des Digitalen
Die digitalen Technologien und Telekommunikationsmedien erzeugen radikale Veränderungen in den Bereichen Kunst, Wahrnehmung und Ästhetik, die zu neuen interdisziplinären Thesen Anlass geben. Dieses Themenfeld führt die sich herausbildenden Diskursparadigmen und Positionen vor, die es gestatten, die neuen ästhetischen Theorien und die Symbiose des wissenschaftlichen, künstlerischen, systemischen und medialen Denkens zu verstehen. Ein besonderer Stellenwert kommt einerseits dem historischen Überblick der vorläufigen Theorien zu, die sich mit der Interrelation von Ästhetik und Information auseinandergesetzt haben, und andererseits den ästhetischen Theorien der interaktiven Medienkunst, die den kreativen Dialog des Rezipienten mit der offenen Struktur des Werkes hervorheben.
Claudia Giannetti (MECAD, Media Centre of Art and Design der Designhochschule ESDI, Barcelona)

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Bild und Ton
Ein wichtiges Moment, das die gesamten Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts durchzieht, ist der enge Zusammenhang der Innovation technischer Verfahren mit den neuen künstlerischen Ausdrucksformen und Inhalten und die Interferenz der Gattungen zu einer synästhetischen Kunst besonders in den 1910er/20er Jahren. Nach den Entwicklungen von Futurismus und Dada, nach Lautgedichten und neuer Typografie sowie Apparaten zur Schaffung einer Farbenmusik ist der entscheidende neue Schritt in den 1950er/60er Jahren, dass mit der Elektronik diese intermedialen Ansätze erstmals ihr adäquates Ausdrucksmittel finden. Seit den 1990er Jahren vollzieht sich unter ähnlichen Vorzeichen eine Wiederaufnahme von Ansätzen der 1960er Jahre. Die digitale Technologie macht heute viele Prozesse selbstverständlich, die Künstler vor 30 Jahren nur mühselig erzeugen konnten, man vergleiche John Cages Tonbandschnippsel mit der heutigen Sampling-Technik. Dieser Themenkomplex fragt nach, in welcher Form und in welchen Kontexten intermediale Praktiken künstlerisch und technologisch erfolgreich sind? Ermöglicht allein die permanente Ambivalenz von »High & Low« ein ungestraftes Spiel zwischen den Gattungen?
Dieter Daniels/Inke Arns (HGB Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)

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Cyborg Bodies
Ausgangspunkt des Themas sind die Fantasien, Konstellationen und Repräsentationen techno-organischer, hybrider und synthetischer Körper und deren Metaphorik in einem weitergefassten Sinn. Festzustellen ist etwa, dass die Vorstellung des Maschinenkörpers in den letzten Jahren von Vorstellungen vernetzter, emergenter, dynamischer und biotischer Körperentitäten und kommunizierenden Informationsströmen eingeholt wurde. Das heißt, Cyborg impliziert hier nicht nur die Schnittstelle von Organismus und Maschine, sondern genereller die Fantasien hybrider, monströser, synthetischer, maschinenhafter, geklonter, digitaler, vernetzter und zellulärer Körper sowie der damit verknüpften diskursiven Bedeutungen im Sinne Donna Haraways. Dieses Modul nimmt die künstlerischen Reflexionen und Realisationen von Cyborgs zum Ausgangspunkt, um den spezifischen Beitrag zu untersuchen, den die Kunst zu den angesprochenen Diskursen um »zukünftige Körper« und Subjekte leistet. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der »Schnittstelle Geschlecht«, um das Spannungsfeld zu erkunden, das aus dem Wechselspiel zwischen Mythen und Realitäten neuer Informations- und Biotechnologien entsteht.
Yvonne Volkart (HGKZ Institut Cultural Studies in Art, Media and Design, Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich)

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Generative Tools

»Generative Tools« oder »SoftwareArt« sind Begriffe, die sich gelegentlich überschneiden, zugleich aber auch auf je eigene Weise den Themenschwerpunkt benennen. Zentrale Fragestellungen sind hier: Verlangt Software nach einem eigenständigen kulturellen Verständnis? Kann ein Kunstwerk ›nur‹ als/aus Software bestehen? Worin bestehen die Voraussetzungen, damit Software als Kunst und nicht als Hilfsmittel zur Erstellung eines digitalen Kunstwerkes verstanden werden kann? Ist »SoftwareArt« ein Handwerk und/oder eine Kunstrichtung? Ist die Tatsache, dass eine Software aus Codes besteht, ausreichend, um als Kunstwerk deklariert zu werden? In welchen historischen Kontext werden die genannten Fragestellungen eingeordnet? Die Fragen werden anhand der drei Felder »generative Gestaltung«, »Software Art« und »generative Spiele« erforscht.
Tjark Ihmels/Julia Riedel (IMG Institut für Mediengestaltung, Fachhochschule Mainz)

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Kunst und Kinematografie
Wenn von »neuen Medien« und von »Medienkunst« die Rede ist, dann klammert man den Film als ›altes‹ neues Medium aus und legt den Nachdruck auf aktuelle technologische Entwicklungen und ihre ästhetische Reflexion. Zugleich aber ist offenkundig, dass sich eine historische Perspektive für das Verständnis der neuen Medien und Medienkunst nur gewinnen lässt, wenn man die Geschichte der Kinematografie ins Auge fasst. Dabei geht es um ein Verständnis der vielschichtigen Bezüge, die ihr künstlerischer Gebrauch eröffnet hat, und ebenso um ein Verständnis der institutionellen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen, in denen sich dieser Gebrauch entwickeln konnte. Die Geschichte der Kinematografie wird auf diese Weise nicht als eine bloße Vorgeschichte der neuen Medien und Medienkunst begriffen, sondern eröffnet eine historische Orientierung im Umgang mit den neuen Medien.
Gregor Stemmrich (Hochschule für Bildende Kunst Dresden in Zusammenarbeit mit dem Bildungsportal Sachsen).

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Mapping und Text
Dieses Modul untersucht die verschiedenen Bereiche und Felder, die sich historisch wie aktuell zwischen Bild und Text gebildet haben. Es geht um künstlerische Strategien der Visualisierung von Texträumen genauso wie um semantische Navigation durch Bildräume. Die Themen werden sich spezifischer mit Text und Hypertext, Datenbanken, Bildsuchmaschinen und dynamischen Repräsentationen befassen. Nachdem die künstlerische Durchdringung der Eigenheiten der verschiedenen Medien geleistet ist, geht es hier um das Erstellen einer prozesshaften Kartografierung anhand des thematischen Leitfadens von Bild/Text.
Rudolf Frieling (ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe)

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Public Sphere_s
In unserer telematischen Zeit geht es nicht nur um das digitale Gemeinwohl. Vom Schutz der Privatsphäre zur zunehmenden Privatisierung gemeinschaftlicher Güter, von den abgeschirmten Wohnprojekten bis zum überwachten städtischen Raum; von der Einschränkung des Copyrights zur eingeschränkten Idee einer Gemeinschaft; von der Homogenisierung zur Globalisierung – der öffentliche Raum schwindet und unsere Vorstellungskraft von seinem Potential gleich mit. Glücklicherweise arbeiten viele KünstlerInnen und Kulturschaffenden mit, diesem globalen Trend zur Privatisierung und Entwaffnung des öffentlichen Raums etwas entgegen zu stellen. Ihre Arbeit setzt sich kritisch mit herrschenden Regimen auseinander und entwirft neue Möglichkeiten. »Public Sphere_s« ist geplant als Plattform zur Unterstützung einiger dieser Projekte und als eine Website für den kritischen, partizipativen und öffentlichen Diskurs über diese Themen.
Steve Dietz (ISEA San Jose/Minneapolis und ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe)

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