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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

Prof. Dr. Jean-Claude Schmitt

»Der ekstatische Körper der Nonne Elisabeth von Schönau (1152-1164)«
Abstract des Vortrags vom 22.11.2003

Video » 50:46 min. » Breitband

Selten wird in Zusammenhang mit der Thematisierung des Körpers im Mittelalter die Frage nach der Selbstwahrnehmung des Menschen gestellt. Die autobiographischen Visionsberichte der rheinischen Nonne Elisabeth von Schönau (1128-1164) erlauben es, einen Einblick in die Körpererfahrung der Mystikerin zu gewinnen, da die in der Ekstase erfahrene Entkörperlichung eine besonders intensive Körperwahrnehmung bewirkte. In den Berichten über ihre visionären Erfahrungen wird der Körper zur Metapher: Das am häufigsten zur Beschreibung des ‚Inneren Menschen‘ erwähnte Organ ist das Herz, der Sitz von Elisabeths Visionserlebnissen. Spricht die Nonne von ihrem eigentlichen, physischen Körper, so erwähnt sie verschiedene Gebrechen, die ihr willkommen sind, weil für ihre ekstatischen Erfahrungen körperliche Schmerzen die Voraussetzung darstellen. Ihren gesamten Körper thematisiert sie nur in Zusammenhang mit ihren Leiden. Es fällt auf, daß Elisabeth an keiner Stelle von ihrem Frauenkörper spricht: Im Wesentlichen scheint sie ihren Körper als äußere Hülle ihrer Seele zu betrachten.

Biographie

Studium in Paris: Lycée Henri IV (classes préparatoires, 1965-1967), Ecole Nationale des Chartes (1967-1971), Sorbonne (Geschichtsstudium, 1967-1973). Archivar und Paläograph (1971), Agrégé d'histoire (1971), Docteur en histoire (1973). Lehrtätigkeit: Professeur d'histoire et de géographie: Lycée Charlemagne, Paris (1971-72), Collège militaire de Saint-Cyr-l'Ecole (1972-73: Militärdienst), Chef de travaux à la VIe Section de l'EPHE (1973-1975), Maître assistant à l'EHESS (1975-1983), Directeur d'études à l'EHESS (seit 1983). Forschungs- und Lehraufenthalte in Bielefeld, Princeton, Göttingen, Washington D.C., Konstanz, Berlin, Chicago, London und in Los Angeles.

Ausgewählte Publikationen:
Mort d'une hérésie. L'Eglise et les clrcs face aux béguines et aux béghards du Rhin supérieur du XIVe au XVe siècle. Paris u.a. 1978; Le saint lévrier. Guinefort, guérisseur d'enfants depuis le XIIIe siècle. Paris 1979, Deutsch bei Klett-Cotta, 1982; Religione, folklore e società nell' Occidente medievale. Rom u.a. 1988, 2. Auflage 2000; La raison des gestes dans l'Occident médiéval. Paris, 1990, Deutsch: Die Logik der Gesten im europäischen Mittelalter. Stuttgart 1992; Medioevo »superstitzioso«. Bari 1992; Heidenspaß und Höllenangst. Aberglaube im Mittelalter. Frankfurt /Main 1993; Les revenants. Les vivants et les morts dans la société médiévale. Paris 1994, Deutsch: Die Wiederkehr der Toten. Geistergeschichten im Mittelalter. Stuttgart 1995; Le corps, les rites, les rêves, le temps. Essais d'anthropologie médiévale. Paris 2001; Le corps des images. Essais sur la culture visuelle du Moyen Âge. Paris 2002; La conversion d'Hermann le Juif. Autobiographie, histoire et fiction. Paris 2003.

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