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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

Dr. Ariane Mensger

»Der 'schlafende' Erzbischof. Fragen zum Grabmal des Jean Carondelet aus St. Donatian in Brügge«
Abstract des Vortrags vom 21.11.2003

Video » 23:53 min. » Breitband

Als außergewöhnliches Zeugnis körperlicher Selbstrepräsentation am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit kann die Grabfigur des Jean Carondelet in der Salvatorkathedrale von Brügge gesehen werden. Die Besonderheit des Werks liegt in der Haltung des Verstorbenen, der nicht wie sonst in der niederländischen Kunst üblich auf dem Rücken liegend und mit zum ewigen Gebet gefalteten Händen, sondern nach vorne gedreht und mit aufgestütztem Kopf wiedergegeben ist. In ihrer Anlehnung an melancholische Poeten- oder Philosophenbildnisse spricht aus der Liegefigur eine bemerkenswert weltliche und selbstbewusste Haltung, die in der niederländischen Kunst dieser Zeit ohne Parallelen ist.
Die Gründe zu diesem Traditionsbruch liegen wohl in der Persönlichkeit Carondelets und in seiner gesellschaftlichen Situation. Aus einer Familie von Juristen stammend und in beiden Rechten studiert, zählt Carondelet zu der kleinen Gruppe von Rechtsgelehrten im fürstlichen Dienst, die nicht durch eine Abstammung aus dem hohen Adel, sondern allein aufgrund ihrer Ausbildung und ihres politischen Geschicks in das Zentrum der Macht vordringen konnten. Nicht seine körperliche Abstammung, sondern seine geistigen Fähigkeiten waren die Grundlage für seine Karriere.
Das in Carondelets Persönlichkeit aufscheinende moderne Menschenbild spiegelt sich in dem neuen Körperbild seiner Grabfigur wider, die damit den paradigmatischen Wechsel in der Kunst vom Mittelalter zur Neuzeit repräsentiert.

Biographie

Studium der Kunstgeschichte, Christlichen Archäologie und Germanistik an den Universitäten Konstanz und Heidelberg. 2000 Promotion bei Prof. Dr. Hans Belting über Jan Gossaert (veröffentlicht 2002 im Dietrich Reimer Verlag). 2001/2002 Volontariat an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (Mitarbeit bei der Großen Landesausstellung »Spätgotik am Oberrhein«). Seit 2004 Mitarbeiterin der Pfalzgalerie Kaiserslautern. Veröffentlichungen und Vorträge zur niederländischen Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts mit Fragen zur Kunstrezeption, zur Funktion von Kunst und zum Stilpluralismus.

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