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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

Priv. Doz. Dr. Christiane Kruse

»Menschenbilder und Menschenbildner. Natur, ars und Pygmalion im Rosenroman«
Abstract des Vortrags vom 22.11.2003

Video » 36:00 min. » Breitband

Nature, Art und der mythische Bildhauer Pygmalion geben den Anlass für Überlegungen zur Ontologie und Wahrnehmung von Bildern und Körpern im Rosenroman. Pygmalion und die Personifikationen von Kunst und Natur treten als Werkmeister auf, die mit ihren je eigenen Vermögen Werke hervorbringen, Lebewesen im Falle der Nature und Kunstwerke im Fall von Art und Pygmalion. Wie sie dies tun und wodurch sich ihr Tun unterscheidet, ist Thema des Beitrags. Ferner geht es um die Werke selbst, die sie erzeugen, um ihr Sein, ihre Eigenschaften, ihre Qualitäten und schließlich um den Rezipienten eines (seines eigenen) Kunstwerks, Pygmalion, und seine Wahrnehmung.
Das Körper-Thema des Bandes ist eingebettet in die Problematik von lebendigem Schein und Sein des Körpers, über die Natur und Kunst miteinander im Wettstreit liegen. Es ist der Mythos von der perfekten Mimesis, den die Maler in den Bildern des Rosenromans neu interpretieren. Die Geschichte des Bildhauers Pygmalion ist bestens geeignet, um über die ontologische Differenz von totem Bildwerk und lebendigem Körper die Leistungsfähigkeit der Kunst zum Thema der Malerei zu machen. Diese Leistungsfähigkeit, die beim Rezipienten des Werkes wenigstens zeitweise die Illusion von Wirklichkeit hervorzurufen vermag, stellt den Visus als Instrument der Erkenntnis vor schwierige Probleme. Es liegt hier der hochaktuelle Wunsch begründet, über die Anwendung von Simulationstechniken die Differenz zwischen Kunst und Leben aufzuheben, so dass die Artefakte unterhalb der Wahrnehmungsschwelle wirken und Kunstkörper wie wirkliche Körper wahrgenommen werden.

Biographie

Dr. Christiane Kruse ist Privatdozentin an der Universität Konstanz; Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Göttingen und München; Promotion 1994 »Die Niederländer der zweiten Generation. Eine Opposition zu Erwin Panofsky« (erschienen in: Hans Belting, Christiane Kruse, Die Erfindung des Gemäldes. Das erste Jahrhundert der niederländischen Malerei, München 1994); 1996-2003 wiss. Mitarbeiterin am SFB 511 »Literatur und Anthropologie« an der Universität Konstanz; Habilitation 2002; Habilitationsschrift: Wozu Menschen malen. Historische Begründungen eines Bildmediums, München 2003; Publikationen zu folgenden Forschungsschwerpunkten: Mittelalter und frühe Neuzeit: Ursprungsmythen von Bildern, Bild- und Medienanthropologie, Bild-Text-Beziehung; Intermedialität.

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