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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

PD Dr. Steffen Krämer

»Heinrich III., die Heilig-Blut-Reliquie und die Abteikirche von Westminster«
Abstract des Vortrags vom 21.11.2003

Video » 27:26 min. » Breitband

Die Translation der Heilig-Blut-Reliquie durch den englischen König Heinrich III. im Oktober 1247 ist von dem Chronisten Matthew Paris in seiner Chronica Majora sowohl im Text als auch durch eine Bildillustration dokumentiert worden. Die politische Zielsetzung dieser feierlichen Prozession war ein nationaler Wettbewerb zwischen England und Frankreich, der über den Besitz bedeutender Reliquien und deren Inszenierung durch die Könige geführt wurde. Die besonderen Handlungs- und Erscheinungsweisen Heinrichs III. während der Zeremonie legen indes nahe, dass hierbei noch andere Absichten des Königs eine wichtige Rolle spielten, die mit seiner Person und seinem Amt in Verbindung standen. Offenbar wollte Heinrich während der Prozession einen dem Priester angenäherten Rang veranschaulichen, den er seiner Ansicht nach durch die königliche Salbung erhalten hatte. Eine derartige Vorstellung vom rex et sacerdos, vom König und Priester, war im englischen Mittelalter bereits bekannt und kann bis in die angelsächsische Zeit zurückverfolgt werden. Hierfür hat Ernst Kantorowicz den Begriff der persona mixta geprägt. Dass Matthew Paris diese Idee einer dualen Herrscherperson im Text dokumentierte, hatte schon eine lange Tradition in der englischen Geschichtsschreibung; dass er sie aber zugleich in einer Bildillustration veranschaulichte, war in der Kunst des englischen Mittelalters hingegen neu.

Biographie

Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie in Frankfurt, Heidelberg und München. Promotion mit dem Thema: »Die postmoderne Architekturlandschaft. Museumsprojekte von James Stirling und Hans Hollein«. Von 1995 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunsthistorischen Institut der Universität München. 2004 Habilitation in München mit dem Thema: »Herrschaftliche Grablege und lokaler Heiligenkult. Untersuchungen zur Architektur des englischen Decorated Style«. Derzeit als wissenschaftlicher Lehrbeauftragter an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe mit Themenschwerpunkt in der Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts tätig.
Publikationen zur mittelalterlichen Kunsttheorie und Baukunst, zur deutschen Renaissancebaukunst, zum Kunstgewerbe hauptsächlich im Historismus, zur Kultur und Kunst der Münchner Moderne in der Weimarer Republik und vor allem zur Architektur und zum Städte- und Siedlungsbau des 19. und 20. Jahrhunderts.

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