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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

Dr. Christof L. Diedrichs

»Virtus und Virtualität. Zum Verhältnis von Reliquie und Bild im Mittelalter«
Abstract des Vortrags vom 21.11.2003

Video » 29:42 min. » Breitband

Das Verhältnis des Gläubigen zu Reliquie und sakralem Bild im Mittelalter wird in bestimmten, sorgfältig inszenierten Situationen geprägt durch das überwältigende Erlebnis der unmittelbar erfahrbaren Präsenz des Heiligen. Bei der Betrachtung der Großen Reliquientafel in Halberstadt (13. Jh.) erlebt sich der Gläubige körperlich hineinversetzt in die Szene der Kreuzigung Christi: er steht selbst unter dem Kreuz. Zugleich ist er Teil der Schar jener Erlösten, die im endzeitlichen, himmlischen Thronsaal das Lob Gottes singen dürfen (Offb 7,9-11). Während der Heiltumsweisungen in Nürnberg (zwischen 1424 und 1523) war das Präsenzerlebnis etwa angesichts der Hl. Lanze womöglich noch stärker.
Die Wirkung der Hl. Lanze während einer privaten Zeigung in Nürnberg 1481 findet ihre Entsprechung in dem Eindruck, den der 'Traum von der Jakobsleiter' auf den alttestamentarischen Patriarchen Jakob ausübt (Gen 28,10-22) und der in der mittelalterlichen Kirchweihliturgie immer wieder memoriert und damit aktualisiert wurde: Die Erfahrung der Präsenz Gottes ist für Jakob so überwältigend, dass er jenen Ort als 'furchtbar' empfindet: »Wirklich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht« (Gen 28,16b).

Biographie

Studium der katholischen Theologie, Kunstgeschichte und Germanistik in München und Berlin, im Anschluß Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen des DFG-Schwerpunktprojekts Theatralität. Seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 447 »Kulturen des Performativen« an der Humboldt-Universität zu Berlin; Teilprojekt A1 »Performanz und Kinästhetik im Spannungsverhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit«, Unterprojekt »Das 'verlorene Mysterium'. Mittelalterliche Liturgie zwischen Kult und Spiel«.
Forschungsschwerpunkte: Kunst- und Frömmigkeitsgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

Wichtigste Publikationen: Vom Glauben zum Sehen. Die Sichtbarkeit der Reliquie im Reliquiar. Ein Beitrag zur Geschichte des Sehens, Berlin (Diss.) 2001; Kunst versus Kirche. Zum Wandel des Reliquienkults im 12. Jahrhundert, in: Uta Schedler/ Susanne Tauss (Hgg.), Kunst und Kirche. Beiträge zur Tagung vom 20.-22. September 2000 in Osnabrück, Osnabrück 2002, 41-52; Wahrnehmung des mittelalterlichen Kirchenraums, in: Christina Lechtermann/ Carsten Morsch (Hgg.), Kunst der Bewegung. Kinästhetische Wahrnehmung und Probehandeln in virtuellen Welten (= Publikationen zur Zeitschrift für Germanistik 8), Berlin 2004, 267-284.

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