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Körper und Bild im Spätmittelalter

Techniken und Reflexionen des Bildes

Öffentliche Tagung
Fr+Sa, 21.+22.11.2003
ZKM_Vortragssaal, Eintritt frei

DFG-Graduiertenkolleg »Bild. Körper. Medium. Eine anthropologische Perspektive«.
Eine Veranstaltung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Referenten:

Dr. Steffen Bogen

»Der Körper des Diagramms. Präsentationsfiguren, mnemonische Hände, vermessene Menschen«
Abstract des Vortrags vom 22.11.2003

Video » 34 min. » Breitband

Mit welchem Selbstverständnis wurden diagrammatische Formen im Mittelalter entworfen und reproduziert? Welche Aufschlüsse gestattet in dieser Hinsicht die körperliche Einfassung von diagrammatischen Schemata? Das sind die Leitfragen, die der Beitrag am Beispiel von Verwandtschaftstafeln, kosmologischen und mnemotechnischen Schemata diskutiert. Die Hauptbeispiele datieren auf das 8. bis. 13. Jahrhundert. Gezeigt werden soll, dass der rahmende Körper die diagrammatischen Relationen ontologisiert: als operative Formen sollen sie im Werk des großen Schöpfers bereits umgesetzt und realisiert sein. Darüber hinaus erscheinen die Formen, die im Zeitalter der Handschrift nur unsicher reproduziert werden konnten, autorisiert und unter einen besonderen Schutz gestellt. Schließlich werden die operativen Möglichkeiten der graphischen Aufzeichnung nach innen verlegt: Die Umfassungsfigur vermittelt zwischen der Reproduktion der Form auf dem Papier, ihrer vorausgesetzten Realisierung in der Schöpfung und ihrer geforderten Einprägung und Auslegung im Körper und Gedächtnis des Lesers und Betrachters. Am Ende wird diese Diagrammkultur mit einem Beispiel aus dem frühen 16. Jahrhundert konfrontiert, das den Schritt von der Memoria graphischer Systeme am eigenen Körper, zu ihrer technischen Umsetzung und Erprobung an externen Körpern vollzieht.

Biographie

Studium in Stuttgart, Bologna und Marburg (Kunstgeschichte, Germanistik, Semiotik), Promotion in Kunstgeschichte 1997, seit 1997 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Konstanz. 03-09/2004 als Scholar in Residence am Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte des Deutschen Museums in München. Habilitationsprojekt über die Geschichte gezeichneter Maschinen. Weitere Forschungsschwerpunkte: Narrative Bilder und Bildsysteme in Mittelalter und früher Neuzeit, Theorie und Geschichte des Diagrammatischen. Veröffentlichungen: Träumen und Erzählen. Selbstreflexion der Bildkunst vor 1300, München 2001 (zugl. Diss. Univ. Marburg 1997); (zusammen mit Felix Thürlemann): Jenseits der Opposition von Text und Bild. Überlegungen zu einer Theorie des Diagrammatischen, in: Alexander Patschovsky (Hrsg.): Die Bildwelt der Diagramme Joachims von Fiore. Zur Medialität religiös-politischer Programme im Mittelalter, Stuttgart 2003, 1-22; Schattenriß und Sonnenuhr. Überlegungen zu einer kunsthistorischen Diagrammatik, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 68 (2005) (im Druck).

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