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ZKM_Symposien

Jean Baudrillard und die Künste

Eine Hommage zu seinem 75.Geburtstag

16.Juli 2004 - 18.Juli 2004
ZKM_Medientheater und Projektraum im MNK

in Anwesenheit von Jean Baudrillard

Aufzeichnung der Podiumsdiskussion
zum Thema »Baudrillard und die Künste«
[17.07.2004, ZKM_Medientheater]
Video [Gesamtlänge: 90 min.]

mit [v.l.n.r.] Gerhard Johann Lischka (Bern), Peter Weibel (Karlsruhe), Jean Baudrillard (Paris), Christoph Blase (Karlsruhe), Sylvère Lotringer (New York)

»Ich hätte dieses Thema - die Kunst - gar nicht gewählt.«
So apodiktisch begann Jean Baudrillard sein Statement während der Podiumsdiskussion, um anschließend seine Gründe offen zu legen.
Sein Denken beruhe auf einer metaphysischen Herangehensweise und weniger auf einer ästhetischen. Gerade die zeitgenössische Kunst widerstrebe seinem Kunstempfinden, welches der französische Philosoph als eines beschreibt, das der »unzeitgemäßen Betrachtungen von Nietzsche« näher liegt. Die aktuelle Kunst sei »nicht wie die alte, traditionelle Kunst auf Vergangenheit eingestellt, ...auch nicht wie die moderne, avantgardistische Kunst auf die Zukunft gerichtet, sondern die zeitgenössische Kunst ist auf sich selbst eingestellt, das bedeutet im selben Moment, in dem sie erscheint, verschwindet sie wieder«. In diesem »Zusammenfall, diesem Kurzschluß« sieht Baudrillard die größte Gefahr, dagegen erhebt er seinen Einwand. Exemplarisch für den Begriff des Ereignisses in der Kunst erläuterte er die Geste von Duchamps, der die Alltagswelt in das Museum brachte. Diese Geste gelang Andy Warhol ein zweites Mal, doch die sich anschließenden Kunst-Ereignisse gerieten mehr und mehr zur Farce, verloren ihren Ursprung und erschöpften sich in der endlosen Repetition.

Im Verlauf der Diskussion kam Baudrillard auf das Kantsche Kritierium der Zweckmäßigkeit ohne Zweck zu sprechen, das er als ein ökonomisches Argument bezeichnete, denn »viele Sachen werden unnütz«. Das Ideal des Unnützen, Zwecklosen ist in Abhängigkeit von der industriellen und ökonomischen Funktionalität zu sehen und reiche für eine Moralität der Kunst nicht aus. Zweckmäßigkeit und Unzweckmäßigkeit höben sich gegenseitig auf - so Baudrillard. Die Kunst müsse diese Frage überwinden und sich den wirklichen Problemen widmen wie der Realität und der Subjektivität. »Wenn zeitgenössische Kunst erscheint, dann ist es um den Preis des Verschwindens des Subjekts und der Realität.« Das heißt, die Kunst »ist contemporaine mit sich selbst und verliert dadurch jeden höheren Sinn.« Die Realität bildet sich auf sich selbst ab, und verliert somit die Würde der traditionellen Kunst, stellte der französische Denker bedauernd fest.
Text: Barbara Könches

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