: ZKM :: Artikel :: Veranstaltungen 10|2004 The Cool World [Filme C.Ruhm]
 
 

  

ZKM_Filmprogramm:

Fate of Alien Modes

Fr-So 08.10.-10.10.2004

ZKM_Vortragssaal | täglich 19 Uhr |
Tagesticket €4,50/2,50; 3-Tagesticket €9/4

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Sonntag, 10.10.2004 ::

Shirley Clarke : The Cool World
[USA 1963, 105 Min.]

The Cool World ist ein typisches Beispiel für Shirley Clarkes Engagement für soziale Gerechtigkeit und Kritik. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Warren Miller, der die Geschichte einer Gruppe von Teenagern in Harlem erzählt. Die Koproduktion zwischen Clarke und ihrem damaligen Lebenspartner, dem afroamerikanischen Schauspieler Carl Lee, gilt als eine der wichtigsten Arbeiten des neuen amerikanischen Kinos. Zugleich ist der Film aber auch dem europäischen Cinéma Vérité verpflichtet, was einen Kontrapunkt zur Vertov’schen Strategie eines Dokumentarfilms über Harlem bildet. Der grobe Schwarzweißrealismus des Films kommt zum Teil von den Originalschauplätzen in Harlem sowie den LaienschauspielerInnen, die von Lee dazu angehalten wurden, in den improvisierten Straßenszenen mit ihrem eigenen urbanen Akzent zu sprechen. Das wiederum kontrastiert mit der hier angewandten Montagetechnik, die einen subjektiven Begleitkommentar in der ersten Person mit einem nicht illustrativen Jazzsoundtrack verbindet – alles filmische Mittel, die nicht unbedingt zum Dokumentarfilmgenre gehören. In der visuellen und akustischen Form des Films manifestieren sich freigesetzte Gefühlsenergien, die sich in der Rastlosigkeit der Hauptpersonen bündeln. Die Identifikationsmöglichkeit mit einem der wichtigsten afroamerikanischen Schauspieler bietet Platz für den Ausdruck einer schwarzen Subjektivität. Aus afroamerikanischer Perspektive zelebriert The Cool World diese Subjektivität als »schwarze Erfahrung«. Nichtsdestotrotz haben KrtikerInnen die Tatsache moniert, dass hier kulturelle Unterdrückung so dargestellt wird, dass den Opfern jede Möglichkeit eines wirksamen Widerstands genommen wird. In diesem Sinn rekurriert der Film auf bestimmte Weise auf jene »politique des auteurs«, die man auch aus dem europäischen Avantgardekino kennt. Clarkes Stellung als jüdische Regisseurin in einer Männerwelt dient auch als Maßstab für ihre Identifikation mit den verschiedensten Diskriminierungsformen. In dieser Hinsicht scheint es interessant, dass die im Film beförderte Bürgerrechtsrhetorik keine Lösung für die Unterdrückung der weiblichen Erfahrung in The Cool World anbietet. Letztere ist eine Form von Unterdrückung, die sowohl mit Hautfarbe als auch mit Geschlecht verbunden ist.
Text: Constanze Ruhm

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