: ZKM :: Artikel :: Veranstaltungen 10|2004 Erzählen [Filmprogramm von C.Ruhm]
 
 

  

ZKM_Filmprogramm:

Fate of Alien Modes

Fr-So 08.10.-10.10.2004

ZKM_Vortragssaal | täglich 19 Uhr |
Tagesticket 4,50/2,50; 3-Tagesticket 9/4

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Samstag, 09.10.2004 ::

Ingemo Engström/ Harun Farocki : Erzählen
[BRD 1975, 58 Min.]

Sommer 1975 in Berlin. Für unseren gemeinsamen Film Erzählen inszeniert HaF mit mir die Szene mit dem Hinterband. Vor dem stürzenden Gewässer des Baches am Kreuzberg spreche ich ins Mikrofon des Tonbandgerätes, das gleichzeitig mir meine Stimme über das Hinterband zurückgibt: Ich spreche in der Gegenwart, aber was ich höre, ist die Vergangenheit. Während ich den Satz wiederhole, wird meine Stimme, wo ich sprechend höre, was ich sagte, immer langsamer und stockender. HaF kommentiert später diese Szene so: »da erklärst du das mit dem hinterband und dann kommt die abblende und du wiederholst das dargelegte, bezogen auf das schreiben. indem die abblende darlegung und metapher trennt, naivisiert und überhöht sie die beziehung zwischen den beiden sprachebenen sehr« [HaF an IE, 22.10.78]. [] Das Interdisziplinäre als Praxis ist eine Ebene, auf der die Interessen von HaF und die meinigen sich treffen. Sehr früh schon tauchen Ideen auf von fiktionalen Forschungsprojekten im Film oder mit Film als Forschungsinstrument, wo Leute verschiedener Disziplinen zusammenkommen, um etwas zu entdecken, eine Spur zu verfolgen, oder auch nur, um in Abenteuer zu geraten. Diese Ideen entsprechen einer Neigung von uns beiden, Kenntnisse aus verschiedenen Wissenschaften zu akkumulieren, also zum Beispiel exakte Wissenschaften wie Medizin mit Fächern zusammenzubringen, die nicht direkt auf eine Praxis zielen, wie zum Beispiel Religionswissenschaft oder Ethnologie. HaF ist noch um 1975 an der Freien Universität beim Suchen, wo die Linien zusammenfallen könnten. Ich selbst bin auf der Spur in meinen Spielfilmen. Gedacht ist an Kombinationen, die spontan und undogmatisch sich ergäben. Alles sollte Eingang finden können, wie beim Naturtheater in Oklahoma. Das Theoretisch-Disparate sollte sich verbinden mit der Recherche zu einer Realität, in der es um Leben und Überleben geht, der »primitive agony« bei Winnicott. Daneben und darinnen die Empfindungswelt unserer kleinen Töchter, seine [Anna und Lara], meine [Muriel]. Die Kindheit? Hier ist sie doch, wir haben sie nie verlassen. Erzählen ist eine Skizze dieser Situation. []
Auszug aus: Ingemo Engström, »Doppelskizze«, in: Rolf Aurich, Ulrich Kriest [Hg.], »Der Ärger mit den Bildern. Die Filme von Harun Farocki«, Konstanz: UVK Medien 1998.

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