: ZKM :: Artikel :: Veranstaltungen 10|2004 Hotel Monterey [Filmprogramm C.Ruhm]
 
 

  

ZKM_Filmprogramm:

Fate of Alien Modes

Fr-So 08.10.-10.10.2004

ZKM_Vortragssaal | täglich 19 Uhr |
Tagesticket 4,50/2,50; 3-Tagesticket 9/4

[-> Programmübersicht]

Freitag, 08.10.2004 ::

Chantal Akerman : Hôtel Monterey
[B/USA 1972, 65 Min.]

Diese frühe, experimentelle Arbeit der belgischen Regisseurin Chantal Akerman entwirft das komplexe Porträt eines New Yorker Hotels und verbindet strukturalistische Raumansichten mit einer spröden visuellen Poesie. Leere Gänge und Zimmer werden zu Reflexionsflächen der Existenzen ihrer meist abwesenden BewohnerInnen. Die Kamera wird zur »Darstellerin«, die sich in langen Einstellungen und Fahrten durch das Hotel bewegt. So zeigt sie gleichzeitig eine Studie der Architektur und eines psychischen Raums. Die Kamera wird nicht mit dem Blick einer Person assoziiert, sondern nur mit der Gegenwart von Bewegung und Sehen. Kein Geräusch unterbricht ihren kontemplativen Blick. Sie bewegt sich durch die Lobby, in den Aufzug, dessen sich öffnende und schließende Tür auf der Fahrt durch die Etagen Ansichten nur wenig voneinander verschiedener Umgebungen zeigt, und fängt Bilder von leeren Korridoren und Zimmern ein, in denen nur selten jemand anwesend ist. Die Gesichter von HotelbewohnerInnen tauchen als flüchtige Erscheinungen, als Wesen, umgeben von ärmlichem Luxus, die ein langsames Leben am Rande des Stillstands führen, auf. Nach einer langen Reise durch ein nächtliches Universum der Innenwelt einer Architektur vielleicht die Erinnerung einer ehemaligen Bewohnerin erkennt man schließlich einige umliegende Dächer im Morgengrauen: Eine fremde und ferne Außenwelt erscheint.
Akerman beschreibt die Entwicklung des Films als einen »Aufstieg durch Raum und Zeit«, der abends im Erdgeschoss seinen Anfang nimmt, um in der Morgendämmerung auf dem Dach des Hotels zu enden. »Ich war erschrocken, als ich dieses Hotel sah«, sagt sie. »Hätte ich gleich darauf reagiert, so wäre der Film wahrscheinlich eher eine journalistische Reportage geworden. Aber ich habe über dieses Hotel ein halbes Jahr lang nachgedacht. Durch diese spezifische »mise en scène« und diese Art der Filmsprache habe ich zehnmal mehr Wahrheit erreicht.«
Hôtel Monterey erzählt von der Artifizialität des filmischen Raums. Der Film untersucht nicht nur einen spezifischen Ort, sondern erforscht auch den Blick der Kamera in seinem Verhältnis zu einer räumlichen, nicht narrativen Konfiguration. Wie alle strukturalistischen Filme, so rückt auch Hôtel Monterey den Prozess des Filmemachens selbst in den Mittelpunkt.
Text: Constanze Ruhm

^

© 2014 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits