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ZKM_Symposien

Jean Baudrillard und die Künste

Eine Hommage zu seinem 75.Geburtstag

16.Juli 2004 - 18.Juli 2004
ZKM_Medientheater und Projektraum im MNK

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Colin Fournier | Boris Groys | Marc Guillaume | Caroline Heinrich | Henri-Pierre Jeudy | Douglas Kellner | Chris Kraus | François L'Yvonnet | Sylvère Lotringer | Michel Régis | Michaela Ott | Mario Perniola | Florian Rötzer | Mikhail Ryklin | Aurel Schmidt | Rüdiger Schmitt-Grépály | Alan Shapiro | Gianni Vattimo | Michael Wetzel | Christoph Wulf

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Mikhail Ryklin
»Nous l‘avons voulu. Die Geburt des Terrors aus dem Geist der Globalisierung«

Video [6:11 min]

Im Mittelpunkt des Vortrags steht Jean Baudrillards am schärfsten formulierte Immanenzthese: »...sie es sind, die es getan haben, aber wir es sind, die es gewollt haben [ils l'ont fait, mais nous l'avons voulu],« - schrieb er in »L'esprit du Terrorisme« - »wenn man dies außer Acht lässt, verliert das Ereignis seine ganze symbolische Dimension.« Mikhail Ryklin wird diese These in den Kontext stellen und mit Texten von anderen Philosophen wie z.B. Derrida, Virilio, Zizek, Rorty und Groys vergleichen. Die Hauptfrage lautet dabei: Was macht Baudrillards Immanenzthese so radikal und so unannehmbar für diejenigen, welche die offiziellen Interpretationen des 11. September vertreten oder teilen? Bei aufmerksamer Lektüre stellt man fest, dass diese Immanenzthese eine logische Folge seiner früheren Texte ist.

Mikhail Ryklin hat in den 70er Jahren Philosphie, Ästhetik und Philsophiegeschichte in Moskau studiert. Er ist derzeit als leitender Wissenschaftler am Institut für Philosophie in Moskau beschäftigt. Außerdem wurde er bereits als Gastprofessor unter anderem an das Zentrum für Literaturforschung in Berlin, an die University of California in San Diego und an die Universität Bremen eingeladen. Seit 1990 hat er zahlreiche Forschungsstipendien in Russland, Deutschland und Frankreich erhalten. Seit Mitte der 90er Jahre ist er Korrespondent des Magazins »Lettre International«, Berlin. Aktuelle Publikationen von Mikhail Ryklin sind: »Art as Obstacle«, Moskau 1997; »Deconstruction and Destruction. Conversations with Philosophers« [Derrida, Quattari, Baudrillard, Nancy, Lacoue-Labarthe, Rorty, Zizek, Groys etc.], Moskau 2002; »The Spacies of Jubilation. Totalitarianism and the Difference«, Moskau 2002; »The Time of Diagnosis«, Moskau 2003; und »Die verschwiegene Grenze«, Berlin 2003.

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Aurel Schmidt
»Nur der unmögliche Tausch ist möglich«

Video [3:08 min]

Der unmögliche Tausch, von dem Jean Baudrillard spricht, ist ein unmögliches Thema, dem mit logischem Denken kaum beizukommen ist. Dazu bedürfte es eher einer Strategie der Störung, der Überraschung und Überbietung. Kernpunkt der unmöglichen Tausch-Theorie ist eine radikale Ungewissheit. Baudrillard beruft sich im Kontext häufig auf die Quantentheorie mit ihrer Unschärferelation, die seiner radikalen Ungewissheit entspricht. Ebenso gut könnte man den unmöglichen Tausch aber auch mit Überlegungen aus dem Zen-Buddhismus vergleichen und dabei einen Erkenntnis-Quantensprung tun, ohne das Unmögliche und Ungewisse preiszugeben. Solange der Tausch nicht realisiert ist, ist er als Potenzial gerettet.

Aurel Schmidt war 40 Jahre lang als Feuilletonredakteur der »Basler Zeitung« [»Basler Magazin«] für die Bereiche Kunst, Philosophie, Reisen zuständig. Seine letzten Veröffentlichungen sind: »Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen«, Berlin 1998 und »Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika«, Frauenfeld 2002.

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Rüdiger Schmitt-Grépály
»Der versiegelte Blick. Zu den Photographien Jean Baudrillards«

Rüdiger Schmitt-Grépály hat Philosophie, Politik- und Literaturwissenschaft in Kiel, Freiburg im Breisgau und Marburg studiert. Er ist derzeit Leiter des Kollegs Friedrich Nietzsche der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen und zudem Lehrbeauftragter für Philosophie an der Bauhaus-Universität in Weimar. Zusammen mit dem italienischen Nietzsche-Herausgeber Mazzino Montinari hat er in Florenz an der Gesamtwerk-Ausgabe Friedrich Nietzsches gearbeitet.

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Alan Shapiro
»Baudrillard and Trek-nology«

Zwischen Baudrillard und Star Trek gibt es auf zwei Ebenen eine unheimliche Ähnlichkeit. Erstens: Es besteht eine genaue Übereinstimmung zwischen Baudrillards Schlüsselwörtern und den Prinzipien der Episoden der Star-Trek-Originalserie: radikale Ungewissheit, die Anerkennung des Andersseins, technische Unfälle und Überraschungen, symbolischer Tausch, die duale Beziehung. Zweitens: Es gibt eine pataphysische Science-Fiction-Technologie - den Transporter, die Warpgeschwindigkeit, die Zeitreisen, das Holodeck. Diese "Trek-nologie" wird aus den hypermodernen Wissenschaften der quantenphysikalischen Unbestimmtheit und der chaostheoretischen Komplexität entwickelt. Es kommt zur Reversibilität: Das Objekt widersetzt sich mir, die Welt denkt uns.
Wenn wir an beiden Enden - Star Trek als Literatur und Star Trek als clevere Technologie - Druck ausüben, ergibt sich eine Doppelstrategie, die darin besteht, ein wenig Reales der "kritischen Theorie" hinzuzufügen und nur in der futuristischen Sprache der "fatalen Theorie" zu sprechen. Dergestalt legen wir ein bisschen von jenem unbekannten Schicksal tief im Inneren der amerikanischen Hyperrealität frei, begeben uns auf eine Reise durch die Wüste Amerika zu einem anderen Stern.

Alan N. Shapiro ist der Autor von »Star Trek: Technologies of Disappearance«, Berlin 2004. Er ist Amerikaner, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als selbstständiger Softwareentwickler. Zu seinen Kunden gehören Volkswagen, I-D Media, Deutsche Bahn und Swisscom. In Amerika hat er an der New York University Soziologie unterrichtet. Seine Essays zur Medien- und Technologieforschung »After Baudrillard« [A.B.] wurden veröffentlicht in: »Semiotext[e]«, »And Then«, »CTHEORY«, »Digital Delirium«, »Nettime«, »Noema Lab«, »Pantaneto Forum«, »NYArts Magazine« und »Libra/Libera«.

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