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ZKM_Symposien

Jean Baudrillard und die Künste

Eine Hommage zu seinem 75.Geburtstag

16.Juli 2004 – 18.Juli 2004
ZKM_Medientheater und Projektraum im MNK

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Colin Fournier | Boris Groys | Marc Guillaume | Caroline Heinrich | Henri-Pierre Jeudy | Douglas Kellner | Chris Kraus | François L'Yvonnet | Sylvère Lotringer | Michel Régis | Michaela Ott | Mario Perniola | Florian Rötzer | Mikhail Ryklin | Aurel Schmidt | Rüdiger Schmitt-Grépály | Alan Shapiro | Gianni Vattimo | Michael Wetzel | Christoph Wulf

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Colin Fournier

Video [4:13 min]

Colin Fournier ist Professor für Architektur und Stadtplanung an der Bartlett School of Architecture in London. Zusammen mit Peter Tschumi war er für die Gesamtplanung des Parc de la Villette in Paris verantwortlich. 2003 Eröffnung des Kunsthaus Graz [mit Peter Cook]. Publikationen [u.a.]: »Friendly Alien« [mit Peter Cook]. Ostfildern: HatjeCantz 2003

Boris Groys

Video [11:57 min]

Boris Groys, geboren 1947 in Ostberlin, studierte Philosophie und Mathematik an der Leningrader Universität und war bis zu seiner Ausreise aus der UdSSR in die BRD [1981] an verschiedenen wissenschaftlichen Instituten in Russland tätig. Es folgten Gastprofessuren in den USA an der University of Pennsylvania und an der University of Southern California in Los Angeles. Seit 1994 ist Groys Professor für Philosophie, Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Bekannt wurde Boris Groys in Deutschland vor allem durch seine Essays über die russische Geistes- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und durch seine Deutung der Sowjetkultur als »Gesamtkunstwerk Stalin«. Zu Groys' wichtigsten Veröffentlichungen zählen: »Gesamtkunstwerk Stalin«, München 1988; »Über das Neue. Versuch einer Kulturökonomie«, München 1992; »Unter Verdacht. Eine Phänomenologie der Medien«, München 2000. Vor kurzem erschien sein neues Buch »Topologie der Kunst«, das ausgehend vom Verhältnis zwischen dem Raum des Museums und seiner profanen Umgebung eine neue Ortsbestimmung der [zeitgenössischen] Kunst vornimmt.

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Marc Guillaume
»Cool Thinking«

Jeder kennt die Einzigartigkeit des Denkens von Jean Baudrillard und seine besondere Position in der intellektuellen Landschaft. Ist er Soziologe, Philosoph, Schriftsteller oder Dichter? Schwer zu sagen.
Denn Baudrillards Denken ist nicht nur einzigartig, was die Inhalte betrifft, sondern auch und viel grundlegender in seiner Entwicklung. Es handelt sich nicht nur um ein anderes Denken [weder um die Konstruktion eines Systems noch um einen Ansatz der Kritik und der Dekonstruktion], sondern um eine andere Denkweise. Eine Denkweise, die um einige Begriffe kreist, die wie ein Netz aufgebaut sind und von sich aus [wie fremde Attraktoren] den Fluss der Aktualitäten anziehen, um ihn anders wahrnehmbar zu machen.
Für diese Denkweise werden anhand von Themen wie Alterität, Austausch, Verführung, Kunst und Photographie einige Beispiele angeführt.

- Vortrag in französischer Sprache -

Marc Guillaume, geboren 1940, ist Wirtschaftwissenschaftler mit weiteren Hochschulabschlüssen als Ingenieur und Statistiker. Er lehrt derzeit als Professor an der Universität Dauphine in Paris und ist Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien, darunter die Association nationale pour la valorisation interdisciplinaire de la recherche en sciences de l'homme et de la société auprès des entreprises [ANVIE] und das Centre national de la cinématographie [CNC]. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Marc Guillaume für staatliche und wirtschaftliche Forschungszentren und ist dabei unter anderem spezialisiert auf neue Informations- und Telekommunikationstechnologien und deren kulturelle sowie soziale Auswirkungen. Marc Guillaume hat bereits in vielen Magazinen publiziert. Im Französischen sind zuletzt folgende Bücher erschienen: »Figures de l'altérité«, Descartes & Cie, 1994; »Où vont les autoroutes de l’information«, Descartes & Cie, 1998, »L’empire des réseaux«, Descartes & Cie, 1999, »Virus vert«, Descartes & Cie, 2002. Zusammen mit Jean Baudrillard hat er 1996 das Buch »Reise zu einem anderen Stern« im Merve Verlag veröffentlicht.

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Caroline Heinrich
»Auf der Suche nach der 'Unschuld des Kindes'...«

Video [00:22 min]

Das abendländische Denken bindet das Wahre an das Gute und beides an die Realität. So gilt das Prinzip: je wahrer, desto wertvoller und desto realer. Die Überzeugung, dass diese Denkgewohnheit zu destruieren ist, teilt Baudrillard mit Nietzsche.
In Nietzsches »Zarathustra« gibt es die Figuren 'Löwe' und 'Kind'. Den Löwen kennzeichnet, mit dem alten Denken und seinen Werten abgeschlossen zu haben, sie in der überlegenen Kraft zur Verneinung anzugreifen, wo sie aufzufinden sind, dadurch einen freien Raum zu schaffen und Leere zu erzeugen. Genau dies hat Baudrillard getan - und uns damit den Glauben an so vieles genommen, den Glauben ans Subjekt, die Information, die Kunst, die UNO-Vollversammlung...
Bei Nietzsche ist mit der Wandlung des Löwen zum Kind der Punkt bezeichnet, an dem sich das Verhältnis zum Leben radikal ändert: das Sinnliche, Augenblickliche, Besondere, Sich-Wandelnde etc. wird nicht mehr verachtet, sondern bejaht.
Caroline Heinrich geht es in ihrem Vortrag um drei Dinge: Sie möchte zum einen verdeutlichen, dass an diesem Punkt auch »die Illusion […] nicht im Widerspruch zur Realität [steht]« [Baudrillard], also aufweisen, dass aus der »Antiphilosophie des Objekts« jene radikale Veränderung spricht. Zum zweiten möchte sie zeigen, inwiefern die »Antiphilosophie des Objekts« als eine 'Philosophie des Kindes' verstanden werden kann. Es gilt hier zu differenzieren: während der Gedanke von der reinen Evidenz der Welt noch Züge der Leere trägt, betritt mit der 'pataphysischen Feinheit der Welt' [Baudrillard] Nietzsches Kind die Bühne. Schließlich möchte sie zum dritten darstellen, was diesem Kind zu seiner Unschuld fehlt.

Caroline Heinrich hat Philosophie studiert und lebt in Mainz. Sie hat sich in ihren Studien intensiv mit den Theorien Baudrillards auseinandergesetzt. Von ihr wurden unter anderem folgende Texte veröffentlicht: »Existenz als Experiment. Zur Philosophie Friedrich Nietzsches« (in: www.episteme.de) sowie »Über die gegenwärtige Lage unserer Bildungsanstalten« (in: R. Reschke (Hg.): »Nietzsche - Radikalaufklärer oder radikaler Gegenaufklärer?« Berlin 2004, 343-349.)

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Henri-Pierre Jeudy

Henri-Pierre Jeudy ist als Soziologe am Centre national de la recherche scientifique [CNRS] beschäftigt und lehrt Ästhethik an der Ecole d'architecture in Paris. Er hat verschiedene Bücher über Panik, Schrecken, Katastrophen, Kollektives Gedächtnis und Kulturelles Erbe geschrieben. Es wurden unter anderem folgende Publikationen veröffentlicht: »Le Désir de catastrophe«, Aubier 1990; »La Panique«, Paris 1981; »Stadterfahrungen«, Berlin 1998.

- Vortrag in französischer Sprache -

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