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ZKM_Veranstaltungen

ACT! Handlungsformen in Kunst und Politik

2-teiliges Symposium am ZKM in Karlsruhe [28.06.2003]
und Kornhausforum Bern [05.07.2003].

ZKM_Medientheater, ab 14 Uhr

In seinem 1961 erschienen Buch "How to Do Things With Words" definierte der Linguist John L. Austin (1911-1960) das Performative als sprachliche Äußerung, welche die Welt nicht nur beschreibt, sondern auch verändert und neue Sachverhalte schafft. Dinge mit Worten zu tun, gelingt nicht allein durch die perfekte Inszenierung des performativen Akts selbst. Erst der Kontext - die Geschichte, die Kultur, die Machtinstitutionen, das Rechtssystem - auf den er sich bezieht, verleiht ihm die notwendige Autorität.
Das internationale Symposium reflektiert die Aspekte des Performativen in Kunst und Politik: Welche Inszenierungen haben die Kraft, die Welt zu verändern? Aus welchen Traditionen und Machtverhältnissen beziehen Akteure ihre Autorität? Welche Rolle spielen die Medien für das Politische? Definiert sich die Kunst als wirklichkeitsverändernde Handlungsform? Die Konferenz verweist auf eine Wende in den Kulturwissenschaften, mit der die Untersuchung der Welt als Text oder Bild der Analyse der Handlungen und Praktiken gewichen ist. Im performativen Vollzug der Handlungen und Praktiken wird das, was zitiert, wiederholt und aufgeführt wird, kommentiert, umgebildet oder unterminiert. Die Analyse der performativen Akte ist daher von großer sozio-politischer und kulturökonomischer Relevanz: In wie weit haben sie die Kraft, die Traditionen, Muster, Schemata, Gesetze, Regeln und Programme, denen sie notwendigerweise folgen, zu verändern?
Nach der medialen Konstruktion der Wirklichkeit beobachten wir, von der amerikanischen Außenpolitik bis hin zur europäischen Innenpolitik, zunehmend die Tendenz, durch bloße Sprechakte Wirklichkeiten herzustellen oder zu legitimieren. Statt medialer Inszenierung oder Diskursführung werden diese ersetzt oder missbraucht für eigenmächtige Handlungen oder blinden Vollzug. Dieses verkürzte und verkrüppelte Verhältnis von Politik und Performativität untersucht das Symposium kritisch und zeigt neue Möglichkeiten von Handlungsformen in Kunst und Politik unter den veränderten Bedingungen des "performative turn" auf.

Programm 28.06.2003:

14:00 Eröffnung: Peter Weibel
14:15 Gunter Gebauer
15:00 Dieter Mersch
15:45 Sybille Krämer
17:00 Andrew C. Parker
17:45 Manfred Faßler

In Bern sprechen Gerhard J. Lischka, Gerhard Schulze, Helmut Willke, Irmela Schneider, Martin Burckhardt und Hans-Thies Lehmann.

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